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Norddeutsche Neueste Nachrichten

19. November 2017 | 08:12 Uhr

Gaucks zweifelhafte Vorgänger

vom

svz.de von
erstellt am 05.Mär.2012 | 10:29 Uhr

Rostock | Im April soll die Bürgerschaft den designierten Bundespräsidenten Joachim Gauck zum Ehrenbürger Rostocks ernennen. Damit wäre er der 22. Ehrenbürger der Stadt - zumindest, wenn man die fünf wieder gestrichenen nicht mitzählt: Adolf Hitler, Friedrich Hildebrandt, Hermann Schuldt, Johannes Warnke und Karl Mewis.

Als Erste traf der Bannstrahl der Rostocker am 4. Juli 1990 Adolf Hitler und seinen Gauleiter Friedrich Hildebrandt. Einstimmig erkannte die neu gewählte Bürgerschaft ihnen die Auszeichnung ab. Gemeinsam mit dem damaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg hatte Rostock Hitler am 27. April 1933 zum Ehrenbürger ernannt. Damit folgte die Stadt einem regelrechten Trend: Hitler wurde dermaßen mit Anfragen überschwemmt, dass er erst mit vier Monaten Verzögerung dazu kam, die Rostocker Ehrenbürgerschaft anzunehmen.

Wie der frisch ernannte Reichskanzler wurde damals auch Reichspräsident Paul von Hindenburg von Ehrerweisungen überschwemmt. Seine Rostocker Auszeichnung hat bis heute Bestand - im Gegensatz zu der von Friedrich Hildebrandt. Dem Gauleiter der NSDAP und Reichsstatthalter von Mecklenburg und Lübeck wurde seine am 21. März 1934 verliehene Ehrenbürgerschaft zusammen mit der von Hitler aberkannt.

Hildebrandt war 1925 zum Gauleiter ernannt worden und blieb dies bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. 1933 zum Reichsstatthalter befördert, wollten die Rostocker sich der Gunst ihres "Landes-Führers" versichern. Sie benannten den Vögenteichplatz in Friedrich-Hildebrandt-Platz um und erhoben ihn ein Jahr später auf einer eigens anberaumten Stadtverordnetenversammlung zum Ehrenbürger. Im Krieg war Hildebrandt für die mecklenburgische Kriegswirtschaft zuständig. 1945 wurde er verhaftet und für seine Anweisung, Plünderer und abgeschossene alliierte Fliegerbesatzungen zu liquidieren, von einem amerikanischen Militärgericht zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde drei Jahre später in Landsberg vollstreckt.

Ebenfalls aus der Liste der Ehrenbürger gestrichen wurden am 19. Dezember 1990 die drei SED-Funktionäre Hermann Schuldt, Johannes Warnke und Karl Mewis. Schuldt wurde 1896 in Alt-Karstädt geboren und engagierte sich ab 1919 für die USPD, die VKPD und bis zu seiner Verhaftung 1940 im besetzten Dänemark für die KPD. Nach seiner Befreiung am 6. Mai 1945 tat er sich als Landrat des Kreises Ludwigslust insbesondere bei der Bodenreform hervor. Ab 1952 nahm er mehrere SED-Ämter in Rostock wahr. Die Ehrenbürgerwürde erhielt er 1976 aus Anlass seines 80. Geburtstags. Nach der Wende erkannte die Bürgerschaft sie ihm allerdings nach kontroverser Diskussion wieder ab. Begründung: Seine Verdienste seien nicht von bleibender Natur gewesen.

Auch Warnke, 1896 geboren, engagierte sich früh in linksgerichteten Parteien und litt im Hitler-Deutschland unter Verfolgung. Unter anderem saß er sechs Jahre im KZ Sachsenhausen ein, bevor er nach dem Krieg zu einem der führenden Köpfe der DDR aufstieg. So war er bis 1981 Mitglied des SED-Zentralkomitees und hatte auch zahlreiche andere hohe Ämter inne. Wie Schuldt wurde ihm die Ehrenbürgerschaft aus Anlass seines 80. Geburtstags angetragen.

Schon zu seinem 70. Geburtstag wurde Karl Mewis 1977 zum Ehrenbürger ernannt. Auch er war bis 1981 Mitglied des SED-Zentralkomitees, initiierte und förderte den Bau des Rostocker Überseehafens und stand Pate für die Ostseewoche.

Literatur: "Einem gar wohlgefälligen Bürgersmann zur Ehr... Ehrenbürgerschaften und Ehrenbürger der Stadt Rostock. Historisches und Biografisches"; Autoren: Antje Krause, Karsten Schröder; Verlag: Redieck und Schade; Kleine Schriftenreihe des Archivs der Hansestadt Rostock

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