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21. November 2017 | 20:40 Uhr

Gaucks Weggefährten: "Er ist der Richtige"

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erstellt am 20.Feb.2012 | 08:39 Uhr

Rostock | Authentisch, emotional und vor allem menschlich - so beschreiben seine Weggefährten aus der Wendezeit Joachim Gauck. "Er ist ein Mensch, der sich mit Leidenschaft und seiner ganzen Person für seine Überzeugungen einsetzt", sagt Dietlind Glüer, 1989 Mitbegründerin des Neuen Forums in Rostock. In dieser Bewegung war auch der designierte Bundespräsident Gauck aktiv.

"Von der Begabung her ist er der Richtige", sagt Glüer, die zugleich aber vor überzogenen Erwartungen warnt. "Nach den ersten Reaktionen scheinen viele zu denken, der Messias kommt jetzt", sagt sie. Deswegen sei es Gauck umso höher anzurechnen, dass er sich dieser Herausforderung stelle. Im Amt helfen werde ihm seine Redegewandtheit, dank derer er die Menschen für sich gewinnen könne. "Er ist sehr über das Gefühl erreichbar - damit aber natürlich auch angreifbar", sagt sie. Denn seine Aussagen seien nicht immer rational durchdacht, sondern menschlich. Eine Eigenschaft, die auch Gaucks alte Mitstreiterin und spätere SPD-Bundestagsabgeordnete Christine Lucyga an ihm schätzt. "Ich habe ihn als angenehm und politisch konsequent kennengelernt", sagt sie. Beide gingen schon gemeinsam zur Schule, Gauck zwei Klassen über Lucyga, die mit seiner Schwester befreundet war.

Die Erfahrungen bei den Demonstrationen gegen das SED-Regime schweißten die beiden später noch enger zusammen. "Joachim hat uns allen Mut gemacht", sagt Lucyga. Nach den Demos habe sie immer bei ihm und seiner Frau zu Hause vorbeigeguckt. "Da war die Erleichterung immer groß, dass nicht die Stasi vor der Tür stand." Ihre guten Erinnerungen teilt sie mit Harald Terpe, der sich ebenfalls im Neuen Forum engagierte und heute für die Grünen im Bundestag sitzt. "Ich kenne und schätze Joachim Gauck seit mehr als 20 Jahren", sagt er. Dieser habe mehrfach seine Eignung für das Amt des Bundespräsidenten nachgewiesen. "Mit wohl durchdachten und sicher auch unbequemen Worten wird er Menschen für das politische Engagement begeistern können", sagt er.

Darauf hofft auch Bürgerschaftspräsidentin Karina Jens (CDU): "Gauck kann die Nähe zwischen Politik und Bevölkerung wiederherstellen." Der ehemalige DDR-Bürgerrechtler stehe für Freiheit und Demokratie. Und diese Themen würden der Bundesrepublik gerade in der heutigen Zeit gut tun, in der das Erreichte manchmal als selbstverständlich angesehen werde. Gauck werde den Namen der Hansestadt positiv untersetzen. Das erhofft sich auch Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos). "Joachim Gauck verkörpert in besonderer Weise die deutsche Einheit."

Für seine Amtsführung geben die Weggefährten Gauck das Thema soziale Gerechtigkeit mit auf den Weg. "Ich würde mir wünschen, dass er die zunehmende Schere zwischen Arm und Reich aufgreift", so Glüer. Das ist auch ein Kernthema der Linken, die Gauck aber schon 2010 die Unterstützung versagten. "Mir scheint, dass Gauck noch nicht im wirklich vereinten Deutschland angekommen ist", sagt Landeschef Steffen Bockhahn - wegen dessen Unterstützung für die Überwachung der linken Bundestagsabgeordneten durch den Verfassungsschutz.

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