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Norddeutsche Neueste Nachrichten

18. Oktober 2017 | 06:06 Uhr

Gassi-Gehen ist sein Job

vom

svz.de von
erstellt am 05.Okt.2012 | 06:52 Uhr

Warnemünde | Morgens um 7 Uhr klingelt bei Olaf Kelm der Wecker. Nach einem Blick in den Himmel und einem kohlehydratreichen Frühstück macht sich der 42-Jährige auf den Weg zur Arbeit - und die ist wirklich außergewöhnlich. Der Warnemünder aus der Kirchnerstraße ist Tiersitter für Hunde, Katzen und Kleintiere.

Um 7.30 Uhr wartet Karthäuser-Katze Sissi in der Richard-Wagner-Straße bereits auf ihr Frühstück. Berner Sennenhund Gizmo liegt bereits in der Dänischen Straße auf der Lauer und freut sich auf seine Gassi-Runde Richtung Wilhelmshöhe. Im Anschluss steht ein Tierarztbesuch mit Kater Sammy im Terminkalender, bevor Cairn-Terrier Harry aus Sievershagen am Mühlenteich ausgeführt werden möchte.

Service ist auch bei Urlaubern beliebt

In der Mittagszeit hat der Haustierservice Hochkonjunktur zwischen Barnstorfer Wald, Rostocker Heide und Warnemünde. Selten werden die Hunde in Gruppen ausgeführt. "Die Hollywood-Version mit zehn Hunden an einer Leine ist filmreif, aber nicht alltagstauglich. Es ist selten, dass ich mit mehr als zwei Hunden gleichzeitig unterwegs bin", sagt der ehemalige Schlosser der Warnow-Werft, der aus der Arbeitslosigkeit heraus den Sprung in die Selbstständigkeit wagte.

Ursprünglich wollte der Tierfreund 2003 eine Tierpension in Warnemünde eröffnen, was sich aber nicht ermöglichen ließ, weil das passende Grundstück fehlte. Insbesondere die Hotels wären nach Umfragen an einer Umsetzung interessiert gewesen. Heute schaut Kelm auf Abruf bei den Hotels vorbei. Während die Besitzer einen Tagesausflug planen, wird der Hund an der Rezeption zu abgemachten Zeiten abgeholt und ausgeführt. Die Zielgruppe besteht zu 98 Prozent aus berufstätigen Rostocker Tierhaltern.

Auch gesundheitlich eingeschränkte Senioren nehmen den mobilen Service zum Tierarzt, den Einkauf von Futter oder den geregelten Auslauf für den Vierbeiner gerne in Anspruch. Inzwischen hat sich Kelm einen Stammkundenkreis aufgebaut und führt die ersten Welpen heute noch als Senioren spazieren. Bedarf besteht immer, denn Tiere sterben manchmal früher als gedacht oder ziehen gelegentlich um. Kenntnisse rund um die Tierhaltung hat sich der Warnemünder in Lehrgängen rund um die Verhaltenstherapie und Hundeerziehung angeeignet und wird auch oft um Rat gefragt, wenn es Probleme im Katzenkörbchen oder Kaninchenkäfig gibt.

Wenn es mal Stress gibt, immer die Ruhe bewahren

Kleintiere betreut er auch, während die Halter im Urlaub sind. Seit 2005 ist Kelm täglich zwischen 8 und 18 Uhr in Bewegung - ob es regnet, stürmt oder schneit. Plastiktüten, Bälle und Frisbee-Scheiben sind seine ständigen Begleiter. ,,Ich habe in den ersten zwei Jahren 25 Kilo abgenommen und Erkältungskrankheiten kenne ich nicht mehr", sagt Kelm , ,,allerdings ist dieser Job nicht für jeden geeignet und hart verdientes Brot." Demnach stehen Ausgeglichenheit, fundierte Fachkenntnisse und der ruhige Umgang mit Tieren an erster Stelle, um auf Dauer auch mit Stress-Situationen klarzukommen. Wenn zum Beispiel der angeleinte Labrador von einem frei laufenden Terrier attackiert wird, hilft nur eins - Ruhe bewahren, richtig handeln und alles unternehmen, damit dem Hundeglück auch weiterhin nichts im Wege steht.

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