Fusionsmodell Zwangsehe

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18. März 2013, 08:35 Uhr

Rostock | Die Theaterfusion zwischen Rostock und Schwerin wird vorangetrieben und die Bedingungen bestimmen das Land und die Stadt Schwerin. Rostock ist draußen. So lautete das klare Signal des Kultusministeriums gestern nach dem Gespräch über eine Absichtserklärung, den so genannten Letter of Intent.

Erschienen war neben Staatssekretär Sebastian Schröder (SPD) Schwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke), aber kein Vertreter aus Rostock. Die Bürgerschaftsfraktionen fühlten sich nicht zu Verhandlungen befugt, die Theaterleitung war nicht eingeladen und Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) hatte abgesagt. Begründung: Der Abstimmungsprozess innerhalb Rostocks sei noch nicht abgeschlossen. Denn erst heute Abend wollte Methling vom Hauptausschuss seine Version eines Letter of Intent beraten lassen.

"Wir konnten nicht länger warten und Schwerin dafür bestrafen, dass Rostock nicht in der Lage ist, sich zu positionieren", sagte Henning Lipski, Sprecher des Ministeriums. Deshalb werde die Beraterfirma Metrum jetzt damit beauftragt, das Modell "Staatstheater Mecklenburg" zusammen mit einer Schweriner Projektgruppe weiter auszuarbeiten. Projektkoordinator soll der Schweriner Generalintendant Joachim Kümmritz werden. "Wir mussten den letter of intent neu formulieren, da uns eine Verhandlungspartner abhanden gekommen ist", sagte Staatssekretär Schröder. Weitere Punkte: Das Land nimmt Verhandlungen mit dem Landkreis Ludwigslust-Parchim zur Einbindung des Landestheaters Parchim - dem aktuellen Kooperationspartner des Rostocker Volkstheaters - auf. Der Landeszuschuss für alle Theater bleibt bis 2020 konstant. Ausgangspunkt für Modellrechnungen sind geltende Tarifverträge am Theater. Auf betriebsbedingte Kündigungen wird verzichtet. Nach Ostern soll der Vertrag unterzeichnet werden, bis Mai das weitere Vorgehen feststehen.

Mit Unverständnis reagiert Rostock auf den Ausgang des gestrigen Gesprächs. "Das kann nur eine Zwangsehe mit unglücklichem Ausgang werden", sagt Volkstheater-Geschäftsführer Stefan Rosinski. Das Modell funktioniere nur, wenn beide Partner sich damit einverstanden erklären. "Es ist bedauerlich, dass es nicht gelungen ist, die Betroffenen an einen Tisch zu holen." Methling zeigte sich verwundert: Brodkorb habe im Januar selbst erklärt, die Fristen, die die kommunalen Akteure für sich wählen, zu respektieren. "Was gilt denn nun?", fragt Methling.

In der vom Land forcierten Strukturdebatte hatte Rostock zuletzt noch versucht, die gleichberechtigte Prüfung verschiedener Modelle offenzuhalten. Der OB und zahlreiche Mitglieder der Bürgerschaft wollten sich vom Land nicht die Pistole auf die Brust setzen lassen. Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) hatte damit gedroht, der Hansestadt Zuschüsse zu streichen, wenn sie den Fusionsweg nicht mitgeht und den letter of intent nicht unterschreibt. In dem jetzt abgestimmten Papier erlaubt noch eine Öffnungsklausel die Beteiligung weiterer Partner.

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