Vereinsserie : Funker gehen nie in Rente

Originalgeräte aus der Zeit um 1960: Horst Niendorf und Jürgen Oehler (r.) im Funkraum
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Originalgeräte aus der Zeit um 1960: Horst Niendorf und Jürgen Oehler (r.) im Funkraum

Ehemalige gehen auf dem Traditionsschiff im IGA-Park ihrer Leidenschaft nach

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19. Juni 2016, 16:00 Uhr

Detlef Stolz, Jürgen Oehler und Horst Niendorf sowie rund 70 weitere Männer verbindet eine Leidenschaft: der Seefunk. „Seit der Einführung des internationalen maritimen Not- und Sicherheitssystems Ende der 1990er-Jahre gibt es diesen ebenso wie den Beruf des Funkers an Bord nicht mehr“, bedauert Detlef Stolz. Der 74-jährige ehemalige Funkoffizier ist Vorsitzender des Vereins Seefunk FX Intern. Dieser gründete sich nach der Wende aus der Interessengemeinschaft des Funker-stammtischs FX Intern heraus.

„Wenn andere Leute in Rente gehen, schließen sie mit ihrem Berufsleben viel-fach komplett ab. Bei uns aber wächst die Leiden-schaft“, sagt der Ingenieur für Seefunk Jürgen Oehler, der seine Prüfung zum See-funkzeugnis in Wustrow ablegte und viele Jahre zur See gefahren ist. „Wir Funker waren an Bord die Einzigen, die Kontakt zu den Familien oder zur Reederei aufbauen und halten konnten. Wir waren die Ersten, die über gute oder schlechte Nachrichten informiert waren“, erinnert sich Horst Niendorf, der 21 Jahre teils auch unter fremder Flagge zur See gefahren ist.

Mittels Seefunk habe man wichtige Aufgaben im Not- und Sicherheitsdienst wahrgenommen, habe Warnnachrichten beispielsweise über Wrackteile verbreitet und Wetterdaten aufgenommen. „Angesichts neuer Technik, die den alten Seefunk scheinbar überflüssig macht, wollen wir dessen Geschichte nicht in Vergessenheit geraten lassen. Und wir möchten die Vorteile der Kurzwelle darstellen, denn sie ermöglicht es, riesige Entfernungen ohne große technische Hilfsmittel zu überbrücken“, sagt Jürgen Oehler. Die Möglichkeit zum Funken haben die Vereinsmitglieder an Bord des Traditionsschiffs vom Typ „Frieden“ am Schmarler Warnowufer an den Amateurfunkgeräten im Original-Funkraum.

Als das MS „Dresden“ im Rahmen der IGA 2003 umgestaltet worden ist, erhielt die Ausstellung „100 Jahre Seefunk“ einen eigenen Bereich. In diesem wurden zwei Funkräume aus den Jahren um 1960 und um 1980 mit Geräten nahezu originalgetreu nachgestellt. Kinder können dort sogar ein Morse-Diplom erwerben, während sich Erwachsene ein Video über die Geschichte des Seefunkwesens von 1869 bis heute anschauen oder sich an einem Computer-Platz mit dem Morsealphabet vertraut machen können. „Zu besonderen Anlässen wie zum Tag der Familien am 19. Juni oder zur Hanse Sail sind Vereinsmitglieder an Bord und begleiten die Besucher durch unseren Bereich“, sagt Detlef Stolz, der zu solchen Ereignissen auch einen Blick in den original erhaltenen Funkraum des Schiffes gewährt.

Von diesem aus sind die Funkamateure des Vereins über dessen Antenne mit der ganzen Welt verbunden. „Wenn ehemalige Seefunker in Australien, Japan oder Neuseeland unser Rufzeichen hören, dann sind wir sofort in Kontakt“, freut sich Horst Niendorf.





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