zur Navigation springen

Verein Trockendock : Für viele ist es das zweite Zuhause

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Verein hilft Alkoholkranken und begeht sein 25-jähriges Jubiläum. Mitglieder stärken sich in der Selbsthilfegruppe gegenseitig.

svz.de von
erstellt am 04.Apr.2016 | 12:00 Uhr

In dieser Woche feiern Mathias Wendt und die Mitglieder vom Verein Trockendock Rostock ein Jubiläum: Der Verein begeht seinen 25. Geburtstag. „Am 6. April 1991 gründeten wir als Mitglied des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes den Abstinenzverein Trockendock als Selbsthilfeverein in eigener Regie“, sagt Vereinsvorsitzender Wendt.

Der 65-Jährige ist von Beginn an dabei. Er war selbst betroffen, hat aber vor mehr als 25 Jahren die Reißleine gezogen. „Ganz allein schafft man es nicht, man braucht Mitstreiter und kann sich so gegenseitig beim steinigen Weg des Ausstiegs helfen“, sagt er. „Denn saufen ist immer leichter als trocken zu leben.“ Der ehemalige Gastronom kennt alle Höhen und Tiefen einer Trinkerkarriere, die oft im sozialen Abstieg und im schlimmsten Fall mit dem Tod endet. „Alkohol ist ein super Lösungsmittel – er löst Familien, Ehen, Freundschaften, Arbeitsverhältnisse, Bankkonten und Gehirnzellen auf“, sagt er. Viele Betroffene seien durch die Sucht obdachlos geworden.

Wie alle abstinent lebenden Menschen feiert er zwei Geburtstage im Jahr. Den regulären und den Tag des Aufhörens. Der Vereinsvorsitzende schaffte den Ausstieg durch ein prägendes Erlebnis. „Der Arzt stellte mich ans Sterbebett einer Alkoholikerin, sie war grüngelb im Gesicht und kurz darauf tot. Er sagte mir so ein Ende voraus, wenn ich nicht mit Trinken aufhöre“, erzählt Wendt.

Zu DDR-Zeiten bekamen Menschen mit Alkoholproblem die Diagnose-Nummer 303 in den Sozialversicherungsausweis gestempelt. „Man war doppelt abgestempelt, mit der 303 konnte jeder etwas anfangen“, sagt er. Heute ist der Verein für viele das zweite Zuhause. Zumindest für die Alte-Hasen-Gruppe, wie sich die Langzeit-Trockenen spaßig bezeichnen. Zu denen gehört Petra Krauß, die vor Jahrzehnten ebenfalls einen Schlussstrich gezogen hat. Oder Torsten Reinke, der seit zehn Jahren trocken lebt und froh ist, vor einem Jahr zur Gruppe gestoßen zu sein. „Ich habe hier im Verein so etwas wie eine Familie gefunden“, sagt er.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen