Hafen : Für Offshore-Markt aufgerüstet

Zwei neue Hallen und ein Bürokomplex werden für die Baltic Taucher angebaut. Fotos: reiner Frank
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Zwei neue Hallen und ein Bürokomplex werden für die Baltic Taucher angebaut. Fotos: reiner Frank

Baltic Taucher erweitern ihren Standort und investieren in moderne Technik. Aufträge geben Planungssicherheit.

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04. März 2015, 14:00 Uhr

Stephan Sefzyk (35) hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Über zehn Jahre ging der gelernte Schiffbauer aus Greifswald seiner Leidenschaft, dem Tauchen, rein sportlich nach. Inzwischen ist es, wie er selbst sagt, sein Traumjob geworden. Seit einem Jahr ist Sefzyk einer der Wassermänner aus Leidenschaft beim Baltic Taucherei- und Bergungsbetrieb Rostock, macht hier seine Fortbildung zu dem von ihm erträumten Beruf. Ein anspruchsvolles Aufgabenfeld, wie er nach der Hälfte seiner Ausbildungszeit berichten kann, während er mit weiteren Baltic Tauchern einen Container entlädt, der in sich eine neue Taucher-Druckkammer birgt. Sie wurde nach den Vorstellungen der Rostocker Spezialisten in Holland gefertigt.

Das ist eine der Ausrüstungen, mit der das 1993 von Jens-Olaf und Eyk-Uwe Pap gegründete und seit 2006 im Rostocker Fischereihafen etablierte Unternehmen seine Leistungsfähigkeit weiter entwickelt. Die technische Flotte wurde durch den „Wind Tender“, ein 30 Knoten schnelles Boot für den Crew-Wechsel, erweitert. Im kommenden Jahr soll dann auch noch ein 27 Meter langes Offshore-Arbeitsschiff mit 30-Tonnen-Pfahlzug und dynamischer Positionierung folgen.

In Partnerschaft mit dem Geo-Ingenieurservice und der dänischen Firma Kristensen wurde die Gesellschaft Germany ROV Offshore Service mit Sitz in Rostock für den Einsatz eines flexibel einsetzbaren Tauchroboters von Comanche Electric aus der Taufe gehoben. Er ist für die Installation und Wartung von Offshore-Fundamenten und Seekabeln vorgesehen. Roboterhilfe habe Zukunft, so Eyk-Uwe Pap.

Die landseitige Betriebserweiterung am Rostocker Hauptsitz des Unternehmens, seit einigen Jahren bereits geplant, ist inzwischen in vollem Gange. Bauleute der heimischen Firmen MPP Ingenieure + Architekten und Friedrich Niemann übernehmen das Gießen der Betonfundamente für zwei neue Hallen und einen Bürokomplex. Im Juni sollen sie fertiggestellt sein. Die Erweiterung des Betriebes umfasst auch den Ausbau der Hoffläche bis hin zur Ausrüstung mit einem neuen Kran.

Das alles sind Millionen-Investitionen, die mit Förderhilfe des Landes angegangen werden. „Ziel ist es, uns noch breiter für den Offshore-Markt aufzustellen“, erklärt Eyk-Uwe Pap. Für die Wartung und den Service der bestehenden Netzanbindungen in der Ostsee wurde mit der Firma 50 Hertz ein entsprechender Vertrag über Leistungen im Wert von mehreren Millionen Euro abgeschlossen, der den Baltic Tauchern Planungssicherheit gibt.

So könne man den Standort Rostock weiter ausbauen und die Stellung als maritimer Dienstleister weiter festigen, unterstreicht Pap. Das Unternehmen ist so auch für Aufgaben am geplanten Offshore-Windpark Wikinger nordöstlich von Rügen, wo als Test die ersten Rammpfähle eingebracht wurden, dienstleistungsbereit.

Zum Tätigkeitsfeld gehören nach einer EU-weiten Ausschreibung auch drei Kabeltrassen für das Cluster Adlergrund in der Arkonasee. Als Partner der Firma Bohlen & Doyen sind Aufgaben der Kampfmittelräumung und Teilverlegungen auf der 40 Kilometer langen Netzanbindung nach Lubmin zu erfüllen. Ein weiterer Großauftrag führt nach Großbritannien, wo 2016 zwei Teams bei Kabelverlegungen vor Great Yournouth gefragt sind.

In der Nordsee gehört der Offshore-Windpark Butendiek zum Aufgabenfeld. In einem Joint Venture mit dänischen und schwedischen Partnern ist die Rostocker Spezialfirma in Bietergemeinschaften beim Bau des Fehmarn-Belt-Tunnels dabei, wo 2016 der Baustart erfolgt. Mit dem Fraunhofer-Institut und der Universität Kiel werden zudem auch Forschungsthemen ausgelotet.

Immense Arbeit, große Herausforderungen stehen also vor den Baltic Tauchern, für die sie gegenwärtig ihre Kapazitäten ausbauen. Neben den sachlichen Voraussetzungen durch die Standorterweiterung und den Technikausbau wird die Aufstockung des Personals um mehrere Leute angesteuert. Auch die Lehrausbildung von Berufstauchern ist vorgesehen, zu deren Berufsbild erstmals im Bundesgebiet neben klassischen Anforderungen die Bedienung von Robotern und spezielle Voraussetzungen für den Einsatz auf Offshore-Windparks gehören.

Stefan Sefzyk wird also neue Weggefährten bei seinem Traumjob erhalten.

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