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Ende der Kreuzfahrtsaison : „Für große Schiffe fehlt ein Platz“

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Rostock Port-Geschäftsführer Jens A. Scharner bilanziert die Kreuzfahrtsaison und verrät, die Pläne für ein neues Terminal sollen Ende des Jahres fertig sein

svz.de von
erstellt am 11.Okt.2017 | 20:55 Uhr

Gegen 8 Uhr macht das Kreuzfahrtschiff „Balmoral“ heute am Liegeplatz P7 fest und beschließt die bisher besucherstärkste Kreuzfahrtsaison im Ostseebad. NNN-Redakteurin Maria Pistor sprach mit Jens A. Scharner, Geschäftsführer der Rostock Port GmbH.


Die Kreuzfahrtsaison 2017 ist mit dem heutigen Anlauf Geschichte. Was waren die Höhepunkte und was gab es Unvorhergesehenes?

Jens A. Scharner: Zu den Höhepunkten zählten fünf Erstanläufe und drei Vierfachanläufe von Kreuzfahrtschiffen. Erstmals legten in Warnemünde an: „Viking Sky“ am 28. April, „MSC Magnifica“ am 13. Mai, „Norwegian Getaway“ am 17. Mai, „Seven Seas Explorer“ am 2. Juli und „Columbus“ am 26. Juli. Vier Kreuzfahrtschiffe an einem Tag liefen am 16. Juni, 26. August und 1. September die Warnowmündung an. Unvorhergesehenes gab es wegen Starkwindes beim Einlaufen des größten diesjährigen Schiffes. Der Anlauf von „Norwegian Getaway“ am 13. Juni konnte erst am nächsten Tag erfolgen. Rund 400 Passagiere, die am 13. Juni in Warnemünde an Bord gehen wollten, mussten kurzfristig in Warnemünde und Rostock untergebracht werden. Das war eine Herausforderung für alle beteiligten Unternehmen und die Gäste. Gemeinsam konnte die Herausforderung während dieser stürmischen Nacht gemeistert werden.


Was macht Warnemünde und den Überseehafen so reizvoll für Reedereien?

Warnemünde ist beliebter Transithafen für internationale Gäste sowie Start- und Zielhafen für deutschsprachige Kreuzfahrttouristen. Diesen Mix bietet an der deutschen Küste kein anderer Hafen. Die günstige geografische Lage in der südlichen Ostsee ist ein Vorteil für Routenplanungen der Reedereien.


Würde die Nachfrage steigen, wenn beim Werftbecken der vierte Liegeplatz entstehen würde?

Die Nachfrage war in den vergangenen Jahren mit Schiffsanläufen zwischen 180 und 200 relativ konstant. Allerdings sind die Schiffe und damit die Passagierkapazitäten größer geworden. Für große Kreuzfahrtschiffe mit mehr als 300 Metern Länge ist ein weiterer Liegeplatz im Werftbecken notwendig.


Wie viel Kreuzfahrt verträgt die Region? Wo liegt Ihrer Meinung nach die Obergrenze bei Anläufen?

Rostock ist sowohl Transit- als auch Basishafen mit einer relativ konstanten Anzahl von Anläufen. Nicht alle Kreuzfahrtreisenden, die im Hafen von und an Bord gehen, besuchen Warnemünde oder Rostock. Zudem sind die Liegeplatzkapazitäten limitiert, was ein unbegrenztes Wachstum ausschließt und auch von uns nicht angestrebt wird. Unser Ziel ist es, den Standort behutsam und wirtschaftlich weiter zu entwickeln. Eine verträgliche, umwelt- und dienstleistungsorientierte Entwicklung steht im Fokus unserer Bemühungen, um die Attraktivität von Warnemünde weiter zu stärken.


Feinstaub und Belästigung durch laufende Motoren werden von den Anwohnern beklagt. Was lässt sich da verbessern?

Wir befinden uns in einer Zeit des Technologiewandels – nicht nur in der Automobilindustrie sowie der Strom- und Wärmeerzeugung, sondern auch in der Schifffahrt. Emissionsärmere Treibstoffe, neue Antriebstechnologien und Abgasnachbehandlungen spielen in der Schifffahrt, in der Ostsee, seit Jahren eine große Rolle. Insbesondere die Kreuzfahrtreedereien sind Vorreiter dieser Entwicklung. Der am stärksten von Emissionen belastete Ort in Rostock liegt nicht in Warnemünde. Eine vorausschauende Planung, die keine weitere Wohnbebauung in Hafennähe zulässt, die Konflikte zwischen Wohnen und wirtschaftlicher Nutzung des Hafens verstärkt, sollte Priorität haben.


Viele preisen Landstrom als Allheilmittel an. Dabei gibt es nur wenige Schiffe, die das nutzen können. Würde die Ausrüstung der Schiffe mit LNG – also Flüssigerdgas – eine Verbesserung bringen?

Die Nutzung von Flüssigerdgas als Schiffstreibstoff bedeutet erhebliche Reduzierungen bei Emissionen. Viele Schiffsneubauten werden LNG zukünftig als Schiffstreibstoff nutzen. Der Rostocker Hafen unterstützt sämtliche Bemühungen zur weiteren Verbreitung und Nutzung von LNG. Rostock ist „LNG-ready“, das heißt, dass sämtliche Genehmigungen in den Häfen der Hansestadt vorliegen, damit Schiffe LNG bunkern und nutzen können.


Wie weit sind die Pläne zum Ausbau des neuen Terminals am Passagierkai? Gibt es Ideen zur Nutzung außerhalb der Saison?

Bis Ende des Jahres sollen die Pläne fertig sein. Wir haben vor, nach der kommenden Saison im Winterhalbjahr 2018/19 mit dem Tiefbau für das neue Warnemünde Cruise Center am Liegeplatz P8 zu beginnen. Über eine Nutzung außerhalb der Saison befinden wir uns im Austausch mit Planern und Behörden, müssen hier aber Investition und die Wirtschaftlichkeit im Blick behalten.


 

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