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Norddeutsche Neueste Nachrichten

15. Dezember 2017 | 12:47 Uhr

Intendant : Für das Theater aufbegehren

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Nach dem Votum zur Neustrukturierung gibt sich der Intendant kampflustig und setzt auf die Rostocker.

von
erstellt am 27.Feb.2015 | 13:00 Uhr

Die als Kooperationsmodell getarnte Sparten-Reduzierung will Sewan Latchinian, Intendant des Rostocker Volkstheaters, nicht kampflos hinnehmen. Nachdem die Bürgerschaft am Mittwochabend die Neustrukturierung der Bühne beschlossen hatte, das gibt Latchinian offen zu, dachte er kurz über einen demonstrativen Rücktritt nach. Das Votum der Kommunalpolitiker sei eine herbe Enttäuschung gewesen. „Aber der Morgen ist immer klüger als der Abend“, sagt Latchinian. „Und am Morgen habe ich mich an meine Verantwortung erinnert.“

Bei der Betriebsversammlung gestern sei die Atmosphäre emotional, aber auch konzentriert gewesen, berichtet der Intendant: „Die Stimmung ist kampflustig und kunstbereit.“

Latchinian setzt seine Hoffnung auf ein Bürgerbegehren, das unter dem Dach der Initiative Volkstheater von verschiedenen Sympathisanten getragen werden soll. Mit dabei sind die Linke-Fraktionsvorsitzende Eva-Maria Kröger und Sybille Bachmann, Vorsitzende der Fraktion Rostocker Bund /Graue/Aufbruch 09. Beide Fraktionen hatten sich in der Bürgerschaft geschlossen gegen das Papier zur Neustrukturierung ausgesprochen. Außerdem denkt Latchinian daran, die Gewerkschaften mit an Bord zu holen. Bevor es an die Unterschriftensammlung geht, wollen sich die Initiatoren juristische Beratung holen. Ein Bürgerbegehren setzt 4000 Unterschriften von Einwohnern der Hansestadt voraus. Sollte es Erfolg haben, stimmen die Rostocker direkt über die Zukunft ihres Theaters ab.

Er wolle alles unternehmen, um diesen „verhängnisvollen Beschluss rückgängig zu machen“, mindestens zu relativieren, sagt Latchinian. „Wir werden so lange, wie es geht, keine Kündigungen aussprechen“, versichert der Intendant. Durch den Bürgerschaftsbeschluss sind bis zu 81 Stellen bedroht.

Bis zum 9. September soll die Theaterleitung ein Konzept für die Umsetzung des so genannten 2+2-Modells entsprechend dem Szenario 3 des Actori-Gutachtens vorlegen. Dieses besagt, dass die Sparten Schauspiel und Orchester erhalten bleiben, Musiktheater und Tanz hingegen durch Gastspiele beziehungsweise En-Suite-Produktionen ersetzt werden. Die nun beschlossene Vorlage sieht vor, die Einschnitte in den beiden betroffenen Sparten durch Kooperationen mit anderen Theatern zu kompensieren. Kritiker des Modells sowie die Theater-Macher sehen darin eine schleichende Spartenschließung. Die will Latchinian möglichst abwenden und betont: „Ich gehe nicht kampflos.“  

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