Astronomische Uhr : Fünf Helfer und ein Experte halten „Uhrsula“ im Takt

Zeit für Tradition: Mechaniker Georg Martini, Bibliothekarin Heike Tröger, Nachtwächter und Unternehmer Rainer Schwieger, Bibliotheksassistentin Heide Haarländer und Martin Buchsteiner, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Uni Greifswald, mit seiner Tochter Marie sorgen täglich dafür, dass die Uhr läuft.
Zeit für Tradition: Mechaniker Georg Martini, Bibliothekarin Heike Tröger, Nachtwächter und Unternehmer Rainer Schwieger, Bibliotheksassistentin Heide Haarländer und Martin Buchsteiner, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Uni Greifswald, mit seiner Tochter Marie sorgen täglich dafür, dass die Uhr läuft.

Spezialist Ekkehard Koch untersucht Astronomische Großuhr von St. Marien.

von
04. März 2015, 12:00 Uhr

Alle 1,5 Sekunden folgt auf ein Tick ein Tack der Astronomischen Uhr in St. Marien. Es gibt Kirchgemeinden, die so was stört, beim Gottesdienst oder Konzerten, berichtet Ekkehard Koch, führender Spezialist für Turm- und Großuhren, mit Blick zur Uhr. Die bringen ihre Uhren zum Schweigen.

Das würde den Rostockern wie Pastor Tilman Jeremias und Co nicht einfallen. Sie schätzen ihre „Uhrsula“, die weltweit älteste ihrer Art, so sehr, dass sie ihr eine gründliche fachkundige Durchsicht gönnen – von Koch. Finanziert wird die mehrere tausend Euro teure Untersuchung über Patronatsmittel der Stadt. „Für uns ist es eine besondere Woche“, sagt Jeremias. Am Montag reiste der Experte an, gestern verschaffte er sich einen ersten Eindruck. Heute wird er das Fraunhofer Institut besuchen, das die Uhr vermessen hat, und den Restaurator treffen. Den morgigen Tag verbringt er allein bei der Uhr. „Wenn man so eine Uhr besser verstehen will, ganz wird man es nie, dann muss man versuchen, in die Gedanken der Erbauer solcher Werke einzudringen“, sagt Koch, der seine Besuche historischer Uhren nur mit seiner Frau Prof. Veronika Koch unternimmt. Die Rostocker Uhr wird ihn noch einige Wochen beschäftigen. Er wird eine Dokumentation, ein Pflegekonzept ausarbeiten, Maßnahmen empfehlen, die kurz- und mittelfristig anfallen. Damit soll die Uhr aus dem Jahr 1472 erhalten bleiben können. „Es ist etwas Besonderes, wenn man an solch einem Uhrwerk arbeiten darf“, sagt Koch. Mechanische Uhren liegen ihm am Herzen, mit der Arbeit daran habe er das Gefühl, insgesamt etwas gegen den Verfall, das Wegwerfen zu tun. Und das erste Urteil zu Rostocks Uhr: „Sie ist in einem sehr guten Zustand.“

Aber auch Ekkehard Koch reist wieder ab. Allein bleibt „Uhrsula“ dann nicht, sondern in den behutsamen Händen von fünf Helfern. Rainer Schwieger, Heike Haarländer, Martin Buchsteiner und Heike Tröger ziehen seit 2006 Haupt-, Melodien-, Stunden- und Apostelwerk täglich auf – ehrenamtlich. Das Kalenderwerk zieht einmal die Woche Georg Martini, der donnerstags bis sonntags übernommen hat, auf. Der Mechaniker, der „Uhrsula“ taufte, entdeckte vor 51 Jahren in Siebenbürgen seine Liebe zu Kirchenuhren. Warum der Einsatz der fünf? „Seit 2000 Jahren wird die Uhr per Hand aufgezogen. Es ist toll, in einer so langen Tradition zu stehen“, sagt Tröger.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen