Unfallstatistik Rostock : Führerschein: Senator fordert Senioren-Check

Die Zahlen der insgesamt Verunglückten sind in Rostock relativ stabil, zeigen Holger Matthäus (l.) und Michael Ebert. Dafür stieg die Zahl der Getöteten von einem in 2015 auf acht in 2016.
Die Zahlen der insgesamt Verunglückten sind in Rostock relativ stabil, zeigen Holger Matthäus (l.) und Michael Ebert. Dafür stieg die Zahl der Getöteten von einem in 2015 auf acht in 2016.

148 Unfälle mit 8 Toten: Senioren sind die Risikogruppe Nummer eins auf Rostocks Straßen. Das soll Konsequenzen haben.

von
13. Mai 2017, 07:00 Uhr

Sie sind Risikogruppe Nummer eins auf Rostocks Straßen: Senioren. Laut am Freitag veröffentlichter Verkehrsunfallstatistik waren die über 65-Jährigen allein im vergangenen Jahr für 148 Unfälle verantwortlich, bei denen Menschen verunglückten. Zum Vergleich: Fünf Jahre zuvor lag die Zahl noch bei 89. Selbst verletzt wurden 187 Senioren, vor fünf Jahren 120. Auch an allen acht tödlichen Unfällen im zurückliegenden Jahr waren sie beteiligt.

Das zeigt, so Bausenator und Vorsitzender der Verkehrsunfallkommission Holger Matthäus (Grüne): „Ältere sind zunehmend gefährdet, aber auch zunehmend Gefährder.“ Daher fordert er ab einer gewissen Altersgrenze einen regelmäßigen Check der Reaktionszeit und des Sehvermögens. „Ich finde, das sollte nicht nur freiwillig sein, sondern als Standard gesetzt werden“, so Matthäus. Ein reiner Appell an die Vernunft genüge ihm nicht. Auch Michael Ebert, Leiter der Polizeiinspektion Rostock, hofft auf mehr Selbstkritik bei den Senioren: „Wie fahrtüchtig bin ich wirklich? Gibt es Alternativen?“

Ebert stellt aber zugleich klar: „Es ist schwierig, weil wir Mobilität als ganz wichtiges Gut empfinden, das wir ihnen nicht wegnehmen wollen.“ Zudem liege eine Ursache für die gestiegene Unfallbeteiligung der Senioren an der allgemeinen Bevölkerungsentwicklung. In den fünf Jahren haben die über 65-Jährigen um rund 22 Prozent auf etwa 24 900 Rostocker zugenommen. Um fast den gleichen Prozentsatz sei die Zahl der 18- bis 25-Jährigen zurückgegangen, auf rund 16 800. Das spiegelt sich auch in der Unfallstatistik wider, in der diese Risikogruppe zuletzt deutlich weniger in Erscheinung getreten ist. Als Verursacher fielen sie nur noch in 42 statt 91 Fällen auf, Verunglückte gab es 71 statt 117.

Matthäus prognostiziert für die kommenden Jahre eine Zunahme der reinen Fallzahlen. „Wir haben ein gewaltiges Wohnungsbauprogramm vor uns und werden erheblich wachsen“, erklärt er. Damit werde auch die Fahrzeugzahl weiter zulegen. Zum 1. Januar 2017 waren in Rostock fast 111 000 Kraftfahrzeuge gemeldet – rund 19 600 mehr als vor zehn Jahren. „Das sind wichtige Daten, um Schlussfolgerungen zu ziehen und Ursachen abzuleiten“, erklärt Polizeichef Ebert. Generell liege die Zahl aller Verkehrsunfälle in der Hansestadt dennoch relativ stabil bei um 6000. Zum Großteil bleibe es bei Blech- oder Sachschäden.

Um an den aktuell bis zu 25 auffälligen Unfallschwerpunkten Abhilfe zu schaffen, hat die Stadt zuletzt die TU Dresden um Hilfe gebeten. Zum Teil lasse sich das Problem aber bereits durch kleinere Maßnahmen wie eine veränderte Ampelschaltung oder Sperrgitter an Bahngleisen beheben, erläutert Mike Wiedow vom Amt für Verkehrsanlagen.

Statistsik 2016: Mehr Todesfälle

  • Acht Tote (Orte: Werftallee (2), Gutenbergstraße, L 22 Torfbrücke/Hinrichshagen, Warnowallee, B 105 Baumarkteinfahrt, Rigaer Straße, Tschaikowskistraße; 2015: ein Toter; 2014: 0)
  • 70 Unfälle mit 73 Schwerverletzten, 546 Unfälle mit 705 Leichtverletzten
  • Verunglückte: 6 Lkw-Insassen, 39 Bus-Insassen, 52 Motorradfahrer, 84 Fußgänger, 266 Radfahrer, 327 Pkw-Insassen
  • Häufigste Ursachen für Unfälle mit Verunglückten: Unaufmerksamkeit (208), Geschwindigkeit (53), Vorfahrt (52), Sicherheitsabstand (47), Alkohol (39), Rotfahrten (33), Abbiegefehler (29)
  • Massive Unfallhäufungsstellen: Holbeinplatz, Vögenteich, Steintorkreuzung, Warnowallee, Ecke Südring/Nobelstraße
Kommentar von Torben Hinz: Japan macht es richtig vor
Um die Straßen nicht nur in Rostock, sondern in ganz Deutschland sicherer zu machen, muss der Fahrtüchtigkeits-TÜV her. Denn der Mensch bleibt Unfallverursacher Nummer eins. Der Mensch ist aber nicht nur der über 65-Jährige. Deswegen sollte der regelmäßige Check schon deutlich früher zur Pflicht werden, seine Frequenz aber mit zunehmendem Alter steigen. Denn die Zahlen belegen, dass Reaktionsfähigkeit und Sehvermögen in dieser Lebensphase deutlich abnehmen. Ziel muss es sein, den Fahrern eine realistische Selbsteinschätzung ihrer Fähigkeiten zu ermöglichen. In Japan wird dieses Modell bereits verfolgt. Dort entscheiden die Teilnehmer anschließend selbst, ob sie weiter das eigene Auto nutzen oder lieber auf den Nahverkehr umsteigen. Wer nur innerhalb Rostocks unterwegs ist, der ist damit meist ohnehin besser bedient.
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen