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Norddeutsche Neueste Nachrichten

13. Dezember 2017 | 16:07 Uhr

Frühchen Merle: DAK lenkt ein

vom

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erstellt am 18.Mai.2010 | 08:37 Uhr

Rostock/Güstrow | Für die Frühcheneltern Monique und Maik Larisch ist es ein kleiner persönlicher Sieg. Nach wochenlangem Kampf der Güstrower hat die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) jetzt eingelenkt und sich bereit erklärt, die Kosten für die Fahrten zu Tochter Merle Charlott rückwirkend zu übernehmen. Das Mädchen war am 10. März in der Rostocker Südstadt-Klinik 14 Wochen zu früh zur Welt gekommen. "Wir freuen uns riesig über die Zusage der Krankenkasse", sagt Monique Larisch. "Zumal wir gar nicht mehr damit gerechnet haben."

Seit der Geburt von Merle Charlott waren die Eltern Tag für Tag zwischen Güstrow und Rostock gependelt, um ihr abgepumpte Muttermilch vorbeizubringen und mit ihr zu kuscheln. Doch die Krankenkasse hatte sich geweigert, dafür aufzukommen. Begründung: Die Kosten, die durch Besuchsfahrten von Angehörigen entstehen, sind der allgemeinen Lebensführung zuzurechnen und deshalb nicht von der Krankenkasse zu übernehmen. Außerdem hieß es, die DAK finanziere keine Sachtransporte - egal ob es sich dabei um Organe, Blut oder Muttermilch handle. Denn: "Dafür gibt es keine gesetzliche Grundlage", erläuterte Gerd Reinartz, Sprecher der Krankenkasse in MV.

Dabei waren und sind die Muttermilch und der tägliche Besuch der Eltern erwiesenermaßen wichtig für die Entwicklung des kleinen Mädchens. Dr. Dirk Olbertz, Chefarzt der Abteilung Neugeborenenintensivmedizin in der Südstadt-Klinik, sprach sogar von "Voraussetzungen für eine frühzeitige Entlassung", die wiederum kostenrelevant sei. Umso weniger nachvollziehbar für die Frühcheneltern, dass die DAK ausgerechnet in ihrem Fall Nein gesagt hatte. Zumal sie von Fällen wussten, in denen Kassen anders entschieden hatten. Aufgeben kam für Monique und Maik Larisch jedoch nicht infrage. Sie kämpften weiter. "Wir machen das für unsere Tochter und für alle anderen Frühchen", sagte die Mutter. Denn nicht alle Eltern können sich die tägliche Fahrt zu ihrem Baby leisten.

"Känguruh"-Verein nimmt den Schreibkram ab

Mit Unterstützung des Rostocker Fördervereins "KänguRuh" für Früh- und Risikogeborene legte das Güstrower Ehepaar bei der Krankenkasse Widerspruch ein. "Wenn Eltern uns eine Vollmacht geben, nehmen wir ihnen den Schreibkram ab", sagt die Vereinsvorsitzende Silke Mittelstädt, die sich nicht nur an die DAK wandte, sondern auch an die übergeordnete Behörde - das Bundesversicherungsamt. Wenige Tage später meldete sich dann eine Mitarbeiterin aus der Güstrower DAK-Geschäftsstelle bei ihr und teilte ihr mit, dass die Kasse die Kosten nun doch erstatte. Krankenkassensprecher Gerd Reinartz begründet: In der Zwischenzeit hätten Larischs ein Schreiben des Krankenhauses eingereicht, das bestätige, dass die stationäre Aufnahme der Mutter medizinisch notwendig, aber aufgrund eines Kapazitätenengpasses nicht möglich gewesen sei. Das habe bei dieser Einzelfallentscheidung den Ausschlag gegeben.

Vereinschefin Mittelstädt freut sich für die Frühchen-Eltern. "Schade nur, dass man immer erst einmal kämpfen muss", sagt sie. Schon vier Mal hat die Vereinsvorsitzende, die selbst Mutter einer frühgeborenen Tochter ist, für andere Familien Widerspruch eingelegt und gewonnen. Im Laufe der Zeit sei sie selbstbewusst geworden: "Ich lasse mir die Butter nicht mehr vom Brot nehmen", sagt sie. Als Mitgründerin des "KänguRuh"-Vereins hat Mittelstädt es sich zur Aufgabe gemacht, Eltern von Frühchen beim Kampf um die Fahrtkostenerstattung, bei der Beantragung eines Schwerbehindertenausweises oder bei der Auswahl eines Pflegedienstes zu unterstützen. Denn oftmals hätten diese nicht den Kopf dafür und es vergehe viel wertvolle Zeit. "Je früher wir helfen können, desto besser", sagt sie.

Monique und Maik Larisch ist ihr kleiner persönlicher Sieg jedoch nicht genug. Gemeinsam mit Mittelstädt wollen sie jetzt eine Petition an den Deutschen Bundestag verfassen und Unterschriften sammeln. "Wir wollen, dass die Richtlinien geändert und die Fahrtkosten in den Leistungskatalog aufgenommen werden", so die Vereinsvorsitzende. Es mache sie wütend, dass die Krankenkassen in dem einen Fall so und in dem anderen Fall so entschieden. Da müsse es eine einheitliche Regelung für alle Frühcheneltern geben.

Larischs sind mittlerweile zu einer anderen Kasse gewechselt, die sich auch ohne Widerspruch bereit erklärt hat, die Kosten für die Fahrten nach Rostock zu übernehmen. Doch seit ein paar Tagen ist sowieso alles anders: Weil Merle Charlott sich gut entwickelt hat, wurde sie ins Güstrower Krankenhaus verlegt, wo sie jetzt nur noch fünf Minuten vom Zuhause ihrer Eltern entfernt im Brutkasten liegt. "Unsere Kleine hat den Umzug sehr gut überstanden", erzählt ihre Mutter. Noch 100 Gramm mehr und sie könne ihr 2000-Gramm-Fest feiern. Den 13. Juni, ihren ursprünglich errechneten Geburtstermin, wird sie vielleicht schon zu Hause bei Mama und Papa verbringen.

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