Rostock : Fruchtbarkeitsprobleme: Forscher wollen Rätsel lösen

Im Dienste der Wissenschaft: Die international renommierten Dummerstorfer Mäuse sind weltweit die einzigen, die bereits auf eine erhöhte Fruchtbarkeit gezüchtet worden sind.
Im Dienste der Wissenschaft: Die international renommierten Dummerstorfer Mäuse sind weltweit die einzigen, die bereits auf eine erhöhte Fruchtbarkeit gezüchtet worden sind.

Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Nutztierbiologie gehen mit Dummerstorfer Mäusen der Frage nach der Fruchtbarkeit auf den Grund.

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24. Januar 2018, 05:00 Uhr

Die Wissenschaftler des Leibniz-Institutes für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf sind einem außergewöhnlichen wissenschaftlichen Phänomen auf der Spur: Demnach lassen sich Männchen offensichtlich nicht auf eine höhere Fruchtbarkeit züchten. Bisherige Studien zu Ursachen von Unfruchtbarkeit beschränken sich meist auf die Analyse einzelner Gendefekte. Die Molekularbiologen und Biochemiker des FBN sind nun einer bislang noch nicht gestellten Frage nachgegangen: Werden automatisch hochfruchtbare Männchen gezüchtet, wenn auf hochfruchtbare Weibchen selektiert wird? Eine Bejahung dieser Frage, die viele Fruchtbarkeitsprobleme in der Nutztierhaltung lösen würde, bleibt allerdings bisher aus.

Die seit 2013 in Dummerstorf laufenden Forschungen am Mausmodell haben ergeben, dass sich männliche Tiere nicht auf dieses typische weibliche Zuchtmerkmal einstellen lassen. Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit rund 250 000 Euro geförderten Untersuchungen sollen jetzt in einem größeren Vorhaben fortgeführt werden. Denn die Erkenntnisse sind auch für die Humanmedizin von Interesse. „Uns hat nun die Frage beschäftigt, was passiert, wenn man Tiere auf große Würfe und somit auf eine hohe Fruchtbarkeit selektioniert“, sagt Privatdozent Dr. Joachim M. Weitzel aus dem Institut für Fortpflanzungsbiologie am FBN. „Dieses ist ein primär weibliches Selektionskriterium und hat keine bedeutsamen Folgen in männlichen Nachkommen. Im Gegensatz zu den weiblichen Tieren zeigen die männlichen Tiere bei der Zucht eine normale, aber keine erhöhte Fruchtbarkeit. Nur Weibchen lassen sich bislang also auf hohe Wurfgrößen züchten.“

Als Grundlage für die Analysen dienten die international renommierten Dummerstorfer Mäuselinien. Sie sind weltweit die einzigen, die bereits auf eine erhöhte Fruchtbarkeit gezüchtet worden sind. Pro Wurf bringen sie etwa 20 Nachkommen zur Welt und das bis zu viermal im Jahr.

Die Wissenschaftler konnten auch zeigen, dass zwei auf hohe Fruchtbarkeit selektionierte Linien dafür unterschiedliche Strategien entwickelten, die für die Schweinezucht von Bedeutung sind. Solche Daten sind auch mit Blick auf die Biodiversität von Tierpopulationen interessant, da sich die hohe Fruchtbarkeit, offensichtlich auf unterschiedlichen molekularen Wegen realisieren lässt. „Im Rahmen eines größeren Projektes können die Untersuchungen nun fortgesetzt und die bisherigen Erfahrungen vertieft werden“, so Weitzel.

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