Neu Broderstorf : Frische Milch aus dem Zapfhahn

Frische Landmilch von glücklichen Kühen gibt es auf Knopfdruck an der Tankstelle von Brit Jager (l.) und ihrem Mann. Dafür nimmt Regina Otto sogar zweimal pro Woche die Fahrt von Wustrow nach Broderstorf auf sich, um sich ihre Ration von fünf Litern zu zapfen.
Frische Landmilch von glücklichen Kühen gibt es auf Knopfdruck an der Tankstelle von Brit Jager (l.) und ihrem Mann. Dafür nimmt Regina Otto sogar zweimal pro Woche die Fahrt von Wustrow nach Broderstorf auf sich, um sich ihre Ration von fünf Litern zu zapfen.

Brit und Frank Jager betreiben auf ihrem Hof in Neu Broderstorf eine Milchtankstelle

svz.de von
17. Juni 2016, 11:45 Uhr

Eine Tankstelle der etwas anderen Art betreiben Brit und Frank Jager aus Neu Broderstorf. Seit über einem Jahr können sich Kunden bei ihnen an der Milchtankstelle ihre frische Rohmilch selbst zapfen. „Wir kennen die Idee aus den alten Bundesländern, wo die Milchtankstellen eigentlich weit verbreitet sind. Und als im März 2015 die Quotenregelung für Milchbauern gefallen ist, haben wir am 1. April 2015 unsere eigene Milchtankstelle eröffnet, zu dieser Zeit die erste im Landkreis“, sagt Brit Jager, die zusammen mit ihrem Mann einen Milchviehbetrieb in Neu Broderstorf hat.

Das Prinzip der Tankstelle in der Alten Dorfstraße 37 ist ganz einfach: Kunden können sich hier täglich – auch an Sonn- und Feiertagen – von 6 bis 20 Uhr ihre frische Milch selbst abfüllen. Dafür wird der Automat, der bis zu 150 Liter fasst, täglich frisch befüllt und gereinigt. „Unsere Kühe melken wir von 3.30 bis 6 Uhr sowie noch einmal zwischen 15 bis 17 Uhr“, erzählt die Landwirtin. „Und die Milch, die wir morgens melken, kommt dann auch gleich in den Automaten.“ Hier wird sie den ganzen Tag über kühl gehalten und in regelmäßigen Abständen gerührt. „Ein Liter kostet ein Euro“, so die 51-Jährige.

Und das Angebot, frische Rohmilch direkt beim Bauern zu zapfen, kommt bei den Kunden gut an. „Wir sind sehr zufrieden mit dem ersten Jahr. Pro Tag verkaufen wir durchschnittlich etwa 90 bis 100 Liter“, so Brit Jager.

Denn: „Die Milch schmeckt einfach besser, so schön sahnig“, schwärmt Kundin Regina Otto aus Wustrow. Gemeinsam mit ihrem Bruder Egon Müller nimmt die 72-Jährige zweimal pro Woche die Fahrt von der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst auf sich, um sich ihre fünf Liter zu zapfen. Auch Familie Brath kommt immer wieder, um sich ihre Milch zu holen. „Wir haben die Tankstelle vor vier Wochen entdeckt“, sagt Petra Brath. „Ich und mein Mann wissen noch aus Kindheitstagen, wie gut frische Milch schmeckt und sind froh, das hier entdeckt zu haben. Wir würden sogar zwei Euro pro Liter zahlen.“ Ein Satz, den Brit Jager gern hört, denn die Situation der Milchbauern ist derzeit alles andere als rosig. „Momentan ist es eine harte Zeit. Wir bekommen 20 Cent pro Liter, bräuchten aber 35 Cent“, so die Landwirtin, deren Haupteinnahmequelle zu 95 Prozent Milch ist. „Aber das hier mit der Tankstelle ist das, was Spaß macht“, so Jager.

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