Aus dem Gericht : Freispruch für vier Rowdys

Beleidigung einer Polizistin nicht nachweisbar

svz.de von
08. Juni 2016, 05:00 Uhr

Das Landgericht Rostock hat gestern die Angeklagten Felix R.(28), Andreas K.(26), David W.(30) und Nils W.(28) aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Die Rostocker Staatsanwaltschaft hatte sie beschuldigt, im September 2013 während des Heimspiels vom FC Hansa gegen Jahn Regensburg auf der Südtribüne ein 15 Meter langes Banner ausgerollt zu haben, auf dem über vier Minuten lang für jedermann sichtbar „Egal ob Ultra oder Kutte – ganz Rostock hasst die dumme Nutte“ in großen Blockbuchstaben zu lesen war. Das D und K im ersten Teil der Schrift war in Grün hervorgehoben, ebenso das Wort Nutte. Insider wussten deshalb sofort, wer gemeint war – es sind die Initialen einer Polizistin, die als szenekundige Beamtin oft Hansaspiele begleitet.

Damit hob das Landgericht die Urteile des Rostocker Amtsgerichtes auf, das die Angeklagten wegen Beleidigung zu Geldstrafen in Höhe von 600 bis 1800 Euro verurteilt hatte. Gegen dieses Urteil legten alle Angeklagten Berufung ein. Sie fühlen sich zu Unrecht bestraft. Sie verteidigten sich damit, dass sie zwar die Tapetenrolle gehalten hätten, jedoch nicht wussten, was auf dem Banner stand.

Der Vorsitzende Richter machte in seiner Urteilsbegründung gestern eindeutig klar, dass der objektive Tatbestand der Beleidigung erfüllt sei und es sich bei dem Text auf dem Banner um eine üble Herabwürdigung einer Polizeibeamtin handele, die ihren Dienst ausübte. Ob aber die Angeklagten wirklich gewusst hätten, was auf dem Plakat stand, hätte nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden können. Denn, „es war ein sehr langes Plakat und die Buchstaben hätten auf dem Kopf gelesen werden müssen“, so der Richter. Durchgehende Beweise hätte es auch nicht dafür gegeben, dass die Angeklagten mit dem Hochhalten des Banners auch noch „Dörte, du Hure“ skandiert hätten.

Gestern wurde als letzter Zeuge Silvio O. gehört, der die Version der Angeklagten unterstützte. Er hätte das Banner mit Helfern, deren Namen er nicht nannte, angefertigt und es sich vor dem Spiel durch den Zaun geben lassen, sagte er. Die Angeklagten hätten den Text nicht gekannt. Sie hätten zufällig an der Stelle auf der Südtribüne gestanden, an der er die Tapete ausrollte. Er sei für seine Handlung bereits verurteilt worden, hätte aber nicht gedacht, dass Leute für das Bannerhalten ebenfalls verurteilt werden.

Insgesamt sei es ein unbefriedigendes Ergebnis, sagte der Vorsitzende Richter. Er griff die Kritik der Verteidigung an der Ermittlungsarbeit der Polizei auf, die in diesem Fall keine „tragbare Stütze“ für das Gericht gewesen wäre.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen