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Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. November 2017 | 08:55 Uhr

Kongress : Frau an Spitze des Pankreas-Clubs

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Die Unimedizin Rostock richtet 2015 eine viel beachtete Veranstaltung in Warnemünde aus. Organisiert wird sie von Prof. Bettina Rau

Die Unimedizin Rostock richtet in diesem Jahr den von nationalen Experten und internationalen Gästen besuchten 35. Deutschen Pankreas-Club in Warnemünde aus. Interessante Vorträge zu aktuellen klinischen Themen sowie Grundlagenforschung rund um die Bauchspeicheldrüse erwarten die Teilnehmer. Die Besonderheit: Prof. Dr. Bettina Rau steht als Präsidentin an der Spitze – als zweite Frau überhaupt in der 35-jährigen Geschichte der Veranstaltung.

„Eigentlich gibt es in der Chirurgie gar nicht so wenige Frauen. Allerdings findet man sie erst in den hinteren Reihen“, sagt die Professorin. Als leitende Oberärztin der Abteilung Allgemeine-, Thorax-, Gefäß- und Transplantationschirurgie bildet sie eine Ausnahme. Natürlich sei die zeitliche Belastung groß und Frauen kümmerten sich nach wie vor dominant um die Familie. Das schrecke viele ab. „Für mich war jedoch seit meiner Kindheit klar, dass ich etwas Medizinisches, Handwerkliches machen wollte. Am Ende des Tages kann ich sehen, was ich geschafft habe. Ein schönes Gefühl“, sagt sie.

Viele Frauen seien hoch qualifiziert, scheuten aber oft die Verantwortung. „Rückschläge muss man natürlich auch einstecken können“, sagt die Medizinerin, die neben vier OP-Tagen pro Woche noch die Ausbildung des Nachwuchses, Sprechstunden, organisatorische Aufgaben, Forschung und Doktorandenbetreuung bestreitet. „Zur Kongressvorbereitung komme ich meist erst nach Dienstschluss“, so Rau. Die 60-Stunden-Woche ist keine Seltenheit. Aber sie hat Spaß dabei, gerade auch an der Vorbereitung des Kongresses. Dort wird ein neuartiger, erstmals veranstalteter Workshop angeboten. Zusammen mit Abteilungskollegen wird Prof. Rau chirurgische Anfänger mit der Anatomie vertraut machen und OP-Techniken üben. „Wir nutzen dafür aber speziell konservierte Körperspender“, sagt sie.

Die Chirurgin ist mit der Planung nicht allein gelassen. Ihr zur Seite steht Prof. Dr. Robert Jaster aus dem Forschungslabor der Gastroenterologie als Co-Präsident. Die Mediziner haben das wissenschaftliche Programm gemeinsam erarbeitet, Größen wie Hans Günther Beger aus Ulm – eine Ikone der Pankreas-Chirurgie – nach Rostock geholt. Auch Michael Kendrick, führender laparoskopischer Pankreas-Chirurg aus den USA, und Minoti Apte aus Syndey, Herausgeberin des internationalen Fachblatts zur Pankreatologie, haben ihr Kommen zugesagt. „Wir rechnen mit 150 Gästen. Gut 120 wissenschaftliche Beiträge sind eingereicht, auch von vielen jungen Leuten, die frisch im Beruf sind“, so Jaster.

Das Führungsteam ergänzt sich hervorragend. „Und keiner von uns beiden versucht, den anderen auszustechen“, stellt Rau klar. Wie es rein unter Männern der Fall wäre? Sie lacht. „Wahrscheinlich. Männer sind jedoch auch sehr gute Netzwerker. Das ist die letzte Hürde, die Frauen nehmen müssen. Wird eine hohe Position frei, wird unter den Herren viel telefoniert.“ Männer scharten Fürsprecher um sich. Als Frau sei es schwer, da reinzukommen. Im Rostocker OP hingegen fühlt sie sich wohl. Der Ton sei angenehm und familiär. Bei den großen fachspezifischen Veranstaltungen hat sich die Ärztin über die Jahre einen Namen gemacht. Dort weiß jeder, dass Prof. Rau eine Frau ist. Anders in weniger etablierten Kreisen: „Ich wurde mitunter am Anmeldeschalter gefragt, wen ich begleite oder zu welcher Pharma-Firma ich gehöre.“ Und wenn sie sich als Referentin zu erkennen gab? „Dann amüsierte es mich sehr, in die erstaunten Gesichter zu blicken“, berichtet Rau.

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