Außenminister in Rostock : Frank-Walter Steinmeier: So hat er Terror von Paris erlebt

Frank-Walter Steinmeier
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„Das stecken Sie nicht so einfach weg“, sagt Frank-Walter Steinmeier über seine Erlebnisse in der Terrornacht. Der Außenminister erklärt im Rostocker Audimax, warum Diplomatie die Lösung für die Krisen in der Welt ist

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25. November 2015, 23:24 Uhr

Als im Stade de France zwei Detonationen zu hören sind, denkt auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zuerst an harmlose Böller. Zehn Minuten später klärt ein Sicherheitsbeamter ihn und Frankreichs Präsidenten François Hollande über die laufenden Terrorattacken auf. „Das stecken Sie nicht so einfach weg“, sagt er. Alle fünf Minuten sei die Zahl der Toten gestiegen. Warum er dennoch an die Diplomatie glaubt, das erklärte Steinmeier gestern im Audimax und per Videoübertragung ins Arno-Esch-Hörsaalgebäude Rostocks Studenten.

„Wer mich in diesen Zeiten einlädt, der weiß: Das wird nicht besonders humorvoll“, so Steinmeier. Er habe noch nie so viele gefährliche Konflikte und Krisen auf einmal erlebt. Besonders betroffen sei Deutschland derzeit durch die bis zu eine Million Flüchtlinge in diesem Jahr. Der zugehörige internationale Streit habe das Potenzial, „dass Europa sich rückwärts entwickeln könnte“, sagt Steinmeier.

Nach den Paris-Anschlägen warnt er: „Wir müssen sehr sensibel sein, dass die Terrorismusdiskussion in Frankreich nicht hier missbraucht wird, um eine Flüchtlingsdiskussion zu führen.“ Die Terroristen von Paris seien keine Flüchtlinge, sondern Kinder Europas gewesen. Diese Krise lasse sich nicht durch eine einzige Entscheidung lösen, sondern nur durch eine Vielzahl auch unangenehmer Wege – beispielsweise in die Türkei oder zu den Treffen mit den EU-Außenministern in Brüssel. „Die Türkei ist das Schlüsselland für die Migration nach Europa“, sagt Steinmeier. Da sei es egal, ob einem die Haltung des Landes gefalle oder nicht. Langfristig sei allerdings die Bekämpfung der Fluchtursachen entscheidend. Und das funktioniere nur durch Diplomatie.

Um etwa den syrischen Bürgerkrieg zu entschärfen, „brauchen wir Russland, die USA und alle beteiligten regionalen Akteure und Länder“, so der Außenminister. Überhaupt alle in Wien an einen Tisch gebracht zu haben, sei ein Hoffnungsschimmer.

Andere Erfolgsbeispiele seien der Waffenstillstand in der Ukraine und das Atomabkommen mit dem Iran. Grundsätzlich gelte: „Es macht keinen Sinn, in Abschottung und Isolation zu verfallen.“

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