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Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. November 2017 | 03:11 Uhr

Rostock : Frank S. droht Sicherungsverwahrung

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Plädoyers im Prozess um tödliches Feuer im Beginenberg gehalten. Verteidigerin fordert Freispruch.

In dem Strafverfahren gegen Frank S. (46), der sich wegen Mordes und schwerer Brandstiftung vor dem Landgericht Rostock verantworten muss, wurden gestern die Schlussvorträge gehalten. Die Staatsanwaltschaft beantragte eine 15-jährige Freiheitsstrafe mit Sicherungsverwahrung. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch. Frank S. bestreitet die Tat.

Die Vertreterin der Anklage beschrieb den 46-Jährigen als einen Menschen mit festgefahrenen Neigungen zu schweren Straftaten. Mehr als 20 Jahre saß Frank S. bereits wegen Gewalttaten in Haft, das erste Mal mit 15 Jahren. Seine Taten gingen zum Teil mit sadistischen Quälereien einher, so die Staatsanwältin. Sechs Mal unternahm er Fluchtversuche, einige sogar erfolgreich. Alle Therapieversuche verliefen bisher erfolglos. Am 9. Mai 2014 wurde er aus einer langen Haft wegen sexueller Nötigung und Raubes entlassen und fünf Monate später in Rostock erneut verhaftet.

Die Staatsanwältin hatte keine Zweifel, dass der Angeklagte am Abend des 24. Juli 2014 in der Wohnung seiner Ex-Freundin Francis B. (28) im Beginenberg 31 und an anderen Stellen des Hauses aus Eifersucht Feuer legte. Sie „abzufackeln“, habe er bereits einige Tage zuvor angekündigt. Der 62-jährige Hauswirt Konrad N., der im Obergeschoss schlief, kam durch eine Kohlenmonoxid-Vergiftung ums Leben. Zeugen aus dem Umfeld des Angeklagten hatten den Tatvorwurf bestätigt. Zu Ungunsten des Angeklagten wertete die Staatsanwältin besonders, dass Frank S. Versuche startete, Zeugen zu Gefälligkeitsaussagen zu bewegen und sich sogar dazu hinreißen ließ, den Brand dem toten Hausbesitzer in die Schuhe zu schieben, der möglicher Weise einen Versicherungsbetrug begehen wollte. Im Gegensatz zum Sachverständigen, der zwar eine hohe Rückfallgeschwindigkeit des Angeklagten zu Straftaten sah, die Voraussetzung für eine Unterbringung zurzeit jedoch als nicht gegeben einschätzte, forderte die Staatsanwaltschaft eine Sicherungsverwahrung für den Angeklagten.

Mit den Worten: „Mein Mandant hat weder eine Brandstiftung mit Todesfolge und schon gar keinen Mord begangen“, leitete die Verteidigerin ihr Plädoyer ein. „Es gibt für die Tat keinen Zeugen und keinen Beweis.“ Die Hauptbelastungszeugen seien mit ihrem Wissen nicht zur Polizei gegangen. Sie mussten erst aufgefordert werden und seien daher nicht glaubwürdig. Außerdem war im Beginenberg 31 der Strom abgesperrt, die Hausbewohner hätten mit Kerzen und kleinen Kochstellen gearbeitet, was immer eine Brandgefahr darstelle. Die Verteidigung schloss daher einen Unfall nicht aus. Von Eifersucht könne keine Rede sein, denn Frank S. hatte sich längst einer anderen Frau zugewandt. „Im Zweifel für den Angeklagten“, fasste die Verteidigerin ihr Plädoyer für einen Freispruch zusammen. „Ich bin es nicht gewesen“, waren die Schlussworte des Angeklagten. Urteilsverkündung ist am 8. Juni.

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