Kunsthalle Rostock : Fotografie fern vom Alltäglichen

Mit Formen der musealen Präsentation und in der Natur setzt sich Ingo Mittelstaedt in seiner Foto-Serie „Oxxx...“ auseinander, die im White Cube der Kunsthalle zu sehen ist.
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Mit Formen der musealen Präsentation und in der Natur setzt sich Ingo Mittelstaedt in seiner Foto-Serie „Oxxx...“ auseinander, die im White Cube der Kunsthalle zu sehen ist.

Ingo Mittelstaedt präsentiert die erste museale Einzelausstellung im Dialog mit der hauseigenen Sammlung

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08. März 2014, 06:00 Uhr

Ingo Mittelstaedt gehört noch zu den ganz jungen Künstlern. Und trotzdem scheint es, als habe er sein Medium bereits tief durchdrungen. In der Kunsthalle Rostock kann er heute seine erste museale Einzelausstellung eröffnen. Er hat sie selbst kuratiert – auch das ist eine Premiere für den 1978 in Berlin geborenen Fotografen. Einen spannenden Dialog zwischen eigenen Werken und Stücken aus der Sammlung der Kunsthalle hat er dabei inszeniert. Und wenn Mittelstaedt über seine Arbeit und die Konzeption der Ausstellung spricht, dann springt sein nahezu jugendlicher Enthusiasmus über.

Ein Effekt, der sich sicher auch bei den Besuchern von „Dort“ – so der knappe Titel der Schau – einstellen wird. Denn die Beziehungen, die Mittelstaedt zwischen seinen Fotografien und den Gemälden beispielsweise von Kate Diehn-Bitt, Hermann Glöckner und Willy Wolf herstellt, sind treffend. „Ich möchte verschiedene Zusammenhänge darstellen – atmosphärische, farbliche und auch formale“, sagt der Künstler. Die gezeigten Werke aus der Sammlung des Hauses hat er selbst ausgewählt. Ende 2013 war er dazu erstmals im Depot der Kunsthalle. Er hat sich intensiv mit dem Museum auseinandergesetzt. Dazu gehört auch, dass er die Ausstellungsformen der Anfangszeit der Kunsthalle betrachtet und gestalterisch in die heute eröffnende Ausstellung einbezogen hat. So inszeniert er beispielsweise im White Cube unbespielte Stellwände und Vasen aus kunstgewerblichen Ausstellungen, wie sie früher in der Kunsthalle durchaus üblich waren, im Zusammenspiel mit einer eigenen Fotoserie, die sich mit Museen sowie Formen in Kunst und Natur beschäftigt.

„Es muss in der Ausstellung nicht mehr klar sein: Das ist die Sammlung und das ist Ingo Mittelstaedt“, sagt der Fotograf. Zum Teil verschwimmen die Grenzen tatsächlich, mitunter wirkt alles gemeinsam wie eine einzige Installation.

Auch Mittelstaedts Fotografien sind reine Inszenierungen, Stillleben, wie er selbst sagt. Er spielt mit unterschiedlichen Materialien und scheinbar banalen Dingen, die durch seine Bearbeitung einen neuen Wert erhalten. Die Vorstellung, Vergängliches durch die Fotografie einzufrieren, reize ihn. „Meine Bilder haben Kanten und Brüche. Ich nutze das Unperfekte“, sagt Mittelstaedt.

Bis 2009 studierte der Fotograf an der Hochschule für bildende Künste in Braunschweig. Er arbeitet ausschließlich mit analoger Fotografie, fast ausschließlich mit Tageslicht, bearbeitet nichts nach. Was entsteht, bewegt sich zwischen Stillleben, Abstraktion, Naturfotografie und dem Spiel mit Formen, Farben und Licht. Die Bandbreite der entstandenen Ausstellung ist enorm.

Der Titel „Dort“ steht für Mittelstaedt im Gegensatz zum Hier, für einen fernen und abstrakten Ort, den man nie erreicht, an den man sich aber hinträumen kann. Während das Hier die alltägliche Fotografie ist, soll das Dort mit den Sehgewohnheiten brechen.

Die Ausstellung im Erdgeschoss der Kunsthalle ist bis zum 21. April zu sehen. Sie wird heute um 18 Uhr eröffnet. Ingo Mittelstaedt ist anwesend.

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