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Ausstellung in Warnemünde : Foto-Kunst als Reibefläche

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Schau von Leni Riefenstahl in der Galerie Joost van Mar sorgt für Diskussionen unter den Besuchern

„Toll, dass es in unserem kleinen Fischerdorf Galerien mit internationalem Charakter gibt, die sich mit Zeitgeschichte auseinandersetzen“, lobte Edith Geier. Die bekannteste deutsche Filmemacherin Leni Riefenstahl trat nicht nur mit ihren Fotografien in den Mittelpunkt der Galerie Joost van Mar, sondern löste am Sonnabend bei der Ausstellungseröffnung auch zahlreiche Diskussionen aus. Riefenstahl hatte aufgrund ihrer Nähe zum NS-Regime einen zweifelhaften Ruf, der die Genialität ihrer Arbeiten nachhaltig in den Schatten stellen sollte.

Galerist Alexander Gehrke zeigt in seiner Ausstellung mit dem Titel „Photographie“ dreißig großformatige und beeindruckende Farbfotos aus dem Leben und von den rituellen Festen der Nuba. Der Stamm lebte auf dem Territorium des Südsudan und ist heute nach zahlreichen Bürgerkriegen seit den 1980er-Jahren nicht mehr existent. Riefenstahl lebte und fotografierte monatelang an der Seite des Naturvolks, was ihrer NS-Propaganda in der Vergangenheit widersprach. Letztendlich schuf sie mit ihren Bildern ein Zeitzeugnis einer vergangenen Kultur, die durch Diktatur ausgerottet wurde. „Kunst in der Diktatur mit individuellen Schmerzgrenzen haben wir auch zu DDR-Zeiten erlebt. Da ist es schwer, ohne umfassende Kenntnisse über betroffene Künstler zu urteilen“, sagte Birgit Kurth.

Galerist und Regisseur Gehrke sieht die Genialität in den unterschiedlichen Arbeiten Riefenstahls. Neben Tanz, Schauspiel und Regie zeigte die Filmemacherin bis ins hohe Alter noch ihr Talent für die Fotografie. „Es ist spannend, sich an ihren Werken zu reiben“, so Gerke, der Riefenstahl in ihren letzten Jahren getroffen hat und später über deren Lebensgefährten Horst Kettner als Nachlassverwalter die Ausstellung organisierte.

„Diese Arbeiten haben mit Nationalsozialismus nichts zu tun und zeigen nur die Zwiespältigkeit“, sagte Michael Kreuzberg. Der 67-jährige Warnemünder hat durch soziales Engagement eine intensive Bindung zu Afrika und war vorwiegend am Bildmaterial interessiert. Allerdings könne er sich auch den politischen und spannenden Hintergründen nicht entziehen, so Kreuzberg.

Geöffnet donnerstags bis sonntags, 15 bis 19 Uhr, Alexandrinenstrasse 52



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