Forschungsschiff nimmt Abschied

Kapitän Uwe Scholz geht nach beinahe 26 Jahren von Bord der 'Professor Albrecht Penck'.Georg Scharnweber
Kapitän Uwe Scholz geht nach beinahe 26 Jahren von Bord der "Professor Albrecht Penck".Georg Scharnweber

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22. August 2010, 10:00 Uhr

Warnemünde | Beinahe 26 Jahre hat Kapitän Uwe Scholz auf der Brücke der "Professor Albrecht Penck" verbracht. Bei der offiziellen Außerdienststellung am Sonnabend am Passagierkai in Warnemünde stand er dort zum letzten Mal und gab neugierigen Besuchern Auskunft über das Leben an Bord und die Besonderheiten des ältesten deutschen Forschungsschiffs, das in 59 Jahren rund 500 000 Seemeilen auf seinen 950 Reisen zurückgelegt hat - immer im Dienst der Wissenschaft. "Schon mein Vater ist auf diesem Schiff gefahren", sagt Scholz. 1984 heuerte er selbst als Nautiker auf der "Penck" an und arbeitete sich bis 2002 zum Kapitän hoch. Ein kurzer Abstecher in die freie Wirtschaft machte ihn nicht glücklich: "Es hat mich nie so richtig interessiert, Sachen von A nach B zu fahren."

Auf dem ältesten Forschungsschiff der DDR hingegen fand Scholz wahre seemännische Herausforderungen, vor allem in Sachen Steuerung. Denn die "Penck" hat nur ein Ruder und einen Propeller, der fest mit der Hauptmaschine verbunden ist. "Da muss man weit vorausdenken", sagt der 54-Jährige. Beispielsweise musste die zehnköpfige Mannschaft die 1962 eingebaute Maschine jedesmal komplett stoppen und wieder anschmeißen, wenn sie in die Gegenrichtung fahren wollte. "Das hat immer so 30 Sekunden gedauert", sagt Scholz, der deswegen immer die Umgebung berücksichtigt hat. Auch bei der Stromversorgung sei die "Penck" öfter an ihre Grenzen gestoßen - die Dieselmotoren erzeugen nur Gleichstrom, Kran und Winde an Deck sowie die wissenschaftliche Geräte in den vier Laboren benötigen aber modernen Wechselstrom. "Da sind wir etwas stiefmütterlich ausgerüstet", sagt Scholz.

Auf See konnte das Schiff maximal zwölf Tage verbringen, begrenzt durch die Proviant- und Trinkwasservorräte. Dennoch stieß die "Professor Albrecht Penck" auf ihren Einsätzen unter anderem bis zum Golf von Guinea und nach Spitzbergen vor. "Auch in der Ostsee haben wir alles befahren", sagt Scholz. Unterwegs schoben er und seine Mannschaft normalerweise im Sechs-Stunden-Rhythmus Wache. "Da lernt man, unter den unmöglichsten Bedingungen zu schlafen", sagt er. Auch an die große Geräuschkulisse, die Vibration und die unzureichende Lüftung hat er sich längst gewöhnt. "Ich bin trotzdem immer gerne auf der ,Penck gefahren", sagt Scholz. Das Schiff müsse man einfach erleben. Im Gegensatz zu den ständig wechselnden Forscherteams aus Geologen, Physikern, Chemikern und Biologen blieb die seemännische Besatzung der "Penck" über lange Jahre verbunden, auch bis über ihre eigentliche Tätigkeit an Bord hinaus.

Das stellten am Sonnabend unter anderem die Urlauber Johannes und Veronika Riehn aus München fest. Ihre Warnemünder Wirtsleute haben selbst einmal auf dem Forschungsschiff gearbeitet und ihnen den einmaligen Besichtigungs-Tipp gegeben. "Der Aufenthaltsraum lädt so richtig zum Versacken ein", sagt die 53-Jährige. In Gesprächen mit der Besatzung haben die beiden unter anderem erfahren, dass die "Penck" mit etwa acht Knoten nur relativ langsam fahren kann und dass sie den TÜV zuletzt nicht mehr bestanden hat.

Deshalb stehen Scholz und seine Mannschaft nun vor einer unklaren Zukunft. Es soll zwar einen Ersatzneubau für die "Penck" geben, der dem Institut für Ostseeforschung in Warnemünde wieder unterstellt werden soll, wann ist allerdings noch nicht raus. Das altgediente Forschungsschiff hingegen soll nach zum deutschen Meereskundemuseum in Stralsund überführt werden. Dort könnten Schüler in den Nass-, Chemie-, Bio- und Computerlaboren an die Wissenschaft herangeführt werden.

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