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Norddeutsche Neueste Nachrichten

24. September 2017 | 23:14 Uhr

Dummerstorf : Forschung zu Milch und Methan

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Wissenschaftler vom Leibniz-Institut nutzen deutschlandweit einmalige mobile Anlage für Untersuchungen im Rinderstall

Premiere bei den Forschern vom Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf: Sie können bei ihrer Arbeit Deutschlands erste Methan-Messstation mit Einzelzutritt für Kühe nutzen und dadurch neue Daten generieren. Schließlich ist unbestritten, dass Kühe nicht nur Milch liefern, sondern ihre Magen- und Darmmikroben bei diesem Prozess auch Methan produzieren, welches dem Klima schadet. Die Dummerstorfer Wissenschaftler untersuchen, wie der Methan-Ausstoß von Kühen durch verschiedene Maßnahmen reduziert werden kann. Dafür nutzen sie jetzt auch eine „Green Feed“-Methan-Messstation, mit der die Emissionen auch bei Rindern im Laufstall individuell gemessen werden können.

Methan entsteht durch die Verdauung des Futters im Vormagen, dem Pansen, und wird hauptsächlich durch Rülpsen, den so genannten Ruktus, sowie aus Mist und Gülle freigesetzt. Schätzungen besagen, dass das weltweit von Rindern ausgestoßene Methan fast 15 Prozent der Treibhausgasemission ausmacht. Etwa 100 Kilogramm Methan werden von jeder Milchkuh im Jahr produziert. Das entspricht etwa einem globalen Ausstoß von 140 Millionen Tonnen Methan pro Jahr. Methan (CH4) ist ein Treibhausgas, das ein 20-fach höheres Erwärmungspotenzial besitzt als Kohlenstoffdioxid (CO2) und bis zu 14 Jahre in der Atmosphäre verbleibt. Laut Bundesumweltamt stammten im Jahr 2011 zirka 50 Prozent der gesamten Methan-Emissionen in Deutschland aus der Landwirtschaft.

Bislang wurden die Energieumsatz- und Methan-Messung aufwändig und im kleineren Rahmen in geschlossenen Respirationskammern für Großtiere erfasst. Auch in Dummerstorf steht für die Methanforschung eine hochpräzise Respirationsanlage zur Verfügung, die jedoch eine künstliche Umgebung schafft. Einer amerikanischen Firma ist es gelungen, mit „Green Feed“ nun eine mobile Messstation zu konstruieren. Dabei werden die Rinder mit etwas Futter zu einem Futtertrog gelockt. Durch spezielle Sensoren kann jedes Tier dort identifiziert und die einzelnen Gaskonzentrationen und weitere Umweltindikatoren im Atemluftstrom beim Fressen aufgezeichnet werden. Aus den gewonnenen Daten kann so die Methanproduktion der Tiere unter verschiedenen Fütterungsbedingungen errechnet werden.

„Unser Team forscht aktuell in vier Projekten zur Abschätzung und nachhaltigen Reduzierung von Methan in der Landwirtschaft“, sagt die Leiterin des Instituts für Ernährungsphysiologie am FBN Dummerstorf, Dr. Cornelia C. Metges. „Das ,Green Feed’-Messsystem wird erheblich dazu beitragen, neue wissenschaftliche Daten für die Bearbeitung dieser klimarelevanten Problematik zu erheben“, so die Agrarwissenschaftlerin. Diese Erkenntnisse machen das Dummerstorfer Institut zu einem begehrten Kooperationspartner beim Erfahrungsaustausch und Wissenstransfer mit internationalen Forschungspartnern.

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