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Norddeutsche Neueste Nachrichten

13. Dezember 2017 | 17:53 Uhr

Medizin : Forschung für schnelle Diagnosen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

In der Schillingallee wird ein neues Kleintier-Bildgebungszentrum errichtet. Es soll auch dabei helfen, Therapie-Wirkungen besser zu erkennen.

In der Schillingallee 69 a entsteht ein Kleintier-Bildgebungszentrum. An Kleintieren sollen darin Diagnose und Therapiemöglichkeiten zum Beispiel für Krebserkrankungen getestet werden. Nach erfolgreicher Erforschung kommen diese beim Menschen zum Einsatz und helfen zum Beispiel, Tumore oder Karzinome frühzeitig zu erkennen und effektiver zu therapieren. Die Onkologie ist einer der Forschungsschwerpunkte der Universitätsmedizin Rostock neben dem übergeordneten Schwerpunkt Regenerative Medizin, den Neurowissenschaften und Herz-Kreislauferkrankungen.

Das neue millionenschwere Bildgebungszentrum entsteht auf 300 Quadratmetern als  Anbau an das Institut für Experimentelle Chirurgie. Der Bau hat  im Frühjahr begonnen und soll   bis zum nächsten Frühjahr fertig werden, so Prof. Dr. Brigitte Vollmar, Direktorin des Institutes für Experimentelle Chirurgie.  Sie wird zusammen mit dem Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, Prof. Dr. Bernd Krause, das Zentrum leiten.

In dessen Mittelpunkt  werden ein Kleintier-PET/CT und ein Sieben-Tessler-Hochfeld-Kleintier-MRT stehen. Der Vorteil des MRT ist die sehr hohe Auflösung und Möglichkeit der funktionellen Bildgebung. Das Kleintier-PET/CT  vereint die Funktionsweisen zweier Geräte, kombiniert die hohe Auflösung und detailreiche Anatomiedarstellung des CTs mit den hochsensitiven Stoffwechselinformationen aus der Positronen-Emissions-Tomographie, der PET (molekulare Bildgebung).

Gefördert wird der Kauf der Gerätschaften von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). „Sie ist der renommierteste nationale Forschungsdrittmittelgeber, der in Rostock investiert“, sagt Vollmar. Das sei eine Auszeichnung für die Universitätsmedizin, so Prof. Dr. Bernd Krause. Er ist  mit der Funktionsweise der neuen Gerätschaft für die Forschung bestens vertraut, allein schon weil  auch die Universitätsmedizin für die Klinik über ein PET-CT verfüge – allerdings für den Menschen.

In dem neuen Gerät für Kleintiere solle erforscht werden, was nicht gleich am Menschen untersucht werden kann, so Krause. Ein Beispiel:  Bei einem Patienten ist es fraglich, ob er einen Hirntumor oder eine gutartige Veränderung  hat. Mittels Tracern – minimal radioaktiv markierten Substanzen, die dem Patienten initiiert werden – kann das sicher rausgestellt werden. Sie bewegen sich durch den Körper, ohne ihm zu schaden. An einen Tumor können sich darauf ausgelegte Tracer anheften und werden in der Bildgebung sichtbar. Bei einer gutartigen Veränderung reichern sie sich nicht an. Geeignete Tracer sollen mit dem CT erforscht  werden – für schnellere Diagnosen. Ebenso, erklärt Krause,  könne mit dem Bildgebungsverfahren frühzeitiger getestet werden, ob und wie eine Therapie beim jeweiligen Patienten anschlägt – ebenfalls mittels Tracern. Auch können neue Fragestellungen, die in der Klinik entstehen, im Zentrum erforscht werden – „vom Labortisch zum Patienten und zurück“, sagt der Klinikdirektor.

 Durch das neue PET/CT werden weniger Tierversuche notwendig, weil mit dem Gerät nicht-invasiv geforscht wird, erklärt Institutsdirektorin Vollmar.  Einzelne Versuchstiere, Raten oder Mäuse, werden über einen längeren Zeitraum untersucht, an ihnen wird die Therapie erprobt.

Die Innovation durch die neue Einrichtung bestehe in der Dreistufigkeit – der Möglichkeit zunächst an Zellen, dann am Kleintier und später am Menschen zu forschen, sagt Vollmar.

In dem Zentrum wird ständig ein kleines Team tätig sein. Zudem soll es  für die Lehre genutzt  werden – für die Studiengänge Medizin, Zahnmedizin, Biotechnologie und Medizintechnik sowie für Doktoranden dieser Bereiche. Auch externe Forschungseinrichtungen werden das Gerät nutzen können, sagt  Krause, schließlich sei das Kleintier-Bildgebungszentrum eine bedeutsame Forschungseinrichtung, die in Norddeutschland eine Seltenheit ist.

Nicole Pätzold

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