zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. Oktober 2017 | 08:26 Uhr

Forscher sind Klimawandel auf der Spur

vom

svz.de von
erstellt am 05.Dez.2011 | 07:38 Uhr

Seehafen | Ein Sturm hat der ersten Ostsee-Forschungsfahrt der "Meteor" ein vorzeitiges Ende gesetzt. Zwei Tage früher als geplant lief das 25 Jahre alte Schiff am Sonnabend in den Rostocker Seehafen ein. "Ich habe noch keine Tour mit durchgängig so viel Wind erlebt", sagt Fahrtenleiter Klaus Jürgens vom Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW).

Der 53-Jährige organisierte den zweiten, stürmischen Teil der vierwöchigen Reise, während dessen sein Team die Arbeit vorübergehend sogar fast vollständig einstellen musste. Grund war ein Orkan, der die "Meteor" zu einer zweitägigen Pause vor Gotland zwang. "Da konnten wir nicht groß was machen", sagt Jürgens. Einige der 28 Wissenschaftler litten zudem unter Seekrankheit.

Schiff kann sich zum Wind drehen

"Mit einem kleineren Forschungsschiff hätten wir nicht arbeiten können", sagt der Fahrtenleiter. Der Vorteil der beinahe 100 Meter langen "Meteor": Sie kann sich quer zum Wind stellen, sodass die Forschungsgeräte auf der windabgewandten Seite ins Wasser gelassen werden können. Mit dieser Methode ist es möglich, rund um die Uhr Proben zu sammeln.

Crew und Wissenschaftler arbeiten im Schichtsystem. "Wenn es nachts um 3 Uhr ist, dann arbeitet man eben um 3 Uhr", sagt Daniel Herlemann, der auf der "Meteor" seine Premieren-Forschungsfahrt erlebte. Man müsse sich absprechen, wer wann welche Proben nimmt. Wie begehrt die Plätze direkt an der Bordkante sind, zeigt schon die umfangreiche Ausrüstung, die zwei komplette Container füllt. Mit ihrer Hilfe wollen die Wissenschaftler unter anderem die Folgen des Klimawandels besser verstehen.

"Die Ostsee ist eine Modellregion", sagt Jürgens. So untersuchen die Forscher beispielsweise die Auswirkungen auftauender Permafrostböden in Nordschweden. Über Flüsse gelangt deren organisches Material in die Ostsee. Die Forscher interessiert nun, ob und wie es dort abgebaut wird und ob dabei zusätzlicher Kohlenstoff freigesetzt wird. Dazu untersuchen sie unter anderem mit Hilfe eines Großsedimentkernstechers den Meeresboden. "Er ist das Archiv des Ostseegeschehens", sagt Jürgens.

Die Forscher interessiert zudem, wie sich die Bodenzusammensetzung verändert hat und in welchem Ausmaß der Mensch dafür verantwortlich ist. Darüber hinaus bestand ein Ziel der Fahrt darin, festzustellen, welche und wie viele Gase freigesetzt werden. Auch welche Mikroorganismen die Gase abbauen, wollen die Forscher wissen. Neben der Beprobung der Langzeitbeobachtungsstationen nahmen sie zudem die sauerstofffreien Becken in Augenschein. "Wir untersuchen die Ausbreitung der so genannten Todeszonen in etwa 100 Metern Tiefe", sagt Jürgens.

Mit der Auswertung der Daten werden die Expeditionsteilnehmer weitaus länger als mit ihrer Sammlung beschäftigt sein. "Bis zur zweiten Ostseefahrt im Juni und Juli mit der ,Meteor’ ist das noch nicht alles erledigt", sagt Jürgens.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen