Universität rostock : Forscher enträtseln Tychsens Briefe

Relief von Oluf Gerhard Tychsen am Hauptgebäude der Uni. Sein Nachlass umfasst Tausende handschriftliche Dokumente.
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Relief von Oluf Gerhard Tychsen am Hauptgebäude der Uni. Sein Nachlass umfasst Tausende handschriftliche Dokumente.

Nachlass des Universalgelehrten aus dem 18. Jahrhundert wird für die Wissenschaft erschlossen

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21. Juli 2015, 15:00 Uhr

Er galt als einer der großen Universalgelehrten des 18. Jahrhunderts. Und die Aufzeichnungen und Briefe von Oluf Gerhard Tychsen (1734 bis 1815) lagern in den Archiven der Universität Rostock – ein Schatz, den Forscher 200 Jahre nach Tychsens Tod jetzt endlich heben wollen.

Bei dem ambitionierten Projekt hilft die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Sie stellt 215 000 Euro bereit, damit Tychsens Nachlass systematisch erschlossen und digitalisiert werden kann. Sylvia Sobiech, Leiterin der Abteilung Sondersammlungen an der Universitätsbibliothek, erklärt: „Kernstück des mehrere Tausend Dokumente umfassenden handschriftlichen Nachlasses ist die Briefsammlung: Tychsen korrespondierte über Jahrzehnte mit mehr als 200 Gelehrten in ganz Europa.“ Von international herausragender Bedeutung sei dabei vor allem der weltweit einmalige hebräische und jiddische Briefwechsel Tychsens, der allein 825 Briefe umfasst – mehr als 20 mal so umfangreich wie die berühmte Prager Sammlung aus dem Jahr 1619.

Sobiech: „Diese Sammlung stellt ein reiches Quellenkorpus für die Geschichte der norddeutschen Juden und der christlich-jüdischen Beziehungen im 18. Jahrhundert dar.“

Doch wie kam Tychsens Nachlass überhaupt in die Hansestadt? Ein Blick in die Sammlungsgeschichte der Bibliothek zeigt: Die Universität kaufte den Nachlass 1817, zwei Jahre nach dem Tod des Gelehrten. Da galt Tychsen schon als einer der bedeutendsten norddeutschen Universalgelehrten seiner Zeit. Mehr als ein halbes Jahrhundert lang hatte er geforscht und als Professor für orientalische Sprachen an den mecklenburgischen Landesuniversitäten Bützow und Rostock gelehrt.

Das von der DFG geförderte Projekt zum Nachlass Tychsens unter dem Namen „Quellen zur jüdischen Geschichte und zu orientalistischen Gelehrtennetzwerken im Zeitalter der Aufklärung“ beginnt am 1. Oktober. Innerhalb von zwei Jahren sollen Tychsens Briefe digital zur Verfügung stehen – und so eine Grundlage für neue Forschungen werden.

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