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Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. November 2017 | 08:49 Uhr

Einsatz : Förderverein setzt Arbeit fort

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Bemerkenswerte Fakten über die Geschichte der Kirche in Lichtenhagen-Dorf kommen ans Tageslicht. Umbau der Pfarrscheune ist das neue Vorhaben.

svz.de von
erstellt am 14.Mai.2015 | 12:00 Uhr

Die dreischiffige Hallenkirche in Lichtenhagen, die im 14. Jahrhundert errichtet worden ist und damals vielen Seefahrern den Weg gewiesen hat, hält auch in heutiger Zeit Überraschungen bereit. „Bislang haben wir angenommen, dass unsere Vorfahren zunächst den Chorraum, dann das Kirchenschiff und schließlich den Turm errichtet haben. Nach neuesten Untersuchungen wissen wir aber, dass das Kirchenschiff etwa 1372 und der Chorraum danach, nämlich um 1388, fertiggestellt worden ist. Der Turm schließlich entstand erst 1514“, sagt der Vorsitzende des Fördervereins zur Erhaltung des Kirchenensembles Lichtenhagen, Wolfgang Schultz.

Besonders beeindruckt zeigt sich der Architekt im Ruhestand vom Ergebnis neuester dendrochronologischer Untersuchungen. Diese haben nämlich ergeben, dass im Kirchenschiff Dachstreben verwendet worden sind, die zuvor einen anderen Zweck erfüllt haben. Sie müssen aus einer Holzkirche stammen, die am Standort des heutigen Gotteshauses ihren Platz hatte. „Der Holzgutachter datiert diese Hölzer auf das Jahr 1228, plus minus ein Jahr. Das ist eine kleine Sensation“, freut sich Wolfgang Schultz über diese fachlich fundierte Aussage des Sachverständigen.

Doch nicht nur in Sachen Holz haben die Lichtenhäger im 14. Jahrhundert auf vorhandene Ressourcen zurückgegriffen. Beispielsweise nutzten sie unbehauene Granitfindlinge zum Bau ihrer Kirche. „In der Nordsakristei wurde ein so genannter Fleckengneis vermauert, der etwa 1,9 Milliarden Jahre alt ist und damit einer der ältesten Findlinge überhaupt sein dürfte“, sagt Wolfgang Schultz, der angesichts dieser unglaublichen Zeitspanne eher gelassen auf die zurückliegenden 19 Jahre seit der Gründung des Fördervereins zurückblickt.

„Allerdings ist seit Oktober 1996 viel passiert. Da damals gravierende Schäden an dem Bauwerk festgestellt wurden, war dringender Handlungsbedarf geboten. Unser Ziel war es, die Kirchengemeinde bei den großen Sanierungsvorhaben zu unterstützen“, erinnert sich Ursula Schultz, die Gründungsmitglied ist und über viele Jahre Vorsitzende des Fördervereins war.

Längst sind Dach und Turm sowie die Außenwände der alten Dorfkirche saniert. Insgesamt hat der Verein die Kirchgemeinde bislang mit 191 000 Euro unterstützt. „Unsere Spendenaufrufe für bestimmte Vorhaben sind auf große Resonanz gestoßen. Es war eine besondere Erfahrung zu erleben, dass es viele Menschen gibt, die das von unseren Vorfahren Hinterlassene wertschätzen und es weiter geben wollen an jene, die nach uns kommen“, so Ursula Schultz.

Nachdem inzwischen auch dank der Unterstützung der Gemeinde Elmenhorst/Lichtenhagen die Kirchenfenster saniert und die Kanzel restauriert sowie der aus der Mitte des 13. Jahrhunderts stammende Heilige Olaf behutsam gesichert worden sind, könnte sich der Verein auflösen. Aber die Mitglieder haben bereits 2007 entschieden: Auch wenn der Satzungszweck erfüllt ist, wir machen weiter. „Wir haben die Satzung geändert und nehmen uns nun des gesamten Kirchenensembles an“, sagt Ursula Schultz. Im Fokus steht dabei vor allem die etwa 1910 gebaute Pfarrscheune, in der sich zu damaliger Zeit auch die Kuhställe des Pfarrers befunden haben. „Pastorin Anke Kieseler hat uns auf unserer Mitgliederversammlung darüber informiert, dass die Pfarrscheune in einem Jahr freigezogen sein wird. Entstehen sollen in dem Gebäude ein großer sowie mehrere kleinere barrierefreie Räume für die Gemeindearbeit, Abstellflächen für Geräte und Werkzeuge, aber auch zwei Wohnungen beispielsweise für Gast-Musiker“, sagt Wolfgang Schultz. Die Kirchengemeinde ist Ende Oktober einem Ideenaufruf der EU zur Förderung von Projekten im ländlichen Raum gefolgt und hat das etwa Eine-Million-Euro-Vorhaben angemeldet. „Wird der Verein um Unterstützung gebeten, prüfen wir, ob das Vorhaben unserer Satzung entspricht. Wenn ja, sind wir wieder mit dabei“, versichert der Vereinsvorsitzende.

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