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Rostock-Laage : Flugplatz braucht Güterverkehr und Airpark

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Wie weiter mit dem Flugplatz Rostock-Laage? Bei den Gesellschaftern - der Hansestadt, Laage und dem Landkreis Rostock - aber auch beim Land MV soll es sogar Überlegungen zur Schließung des Airports geben.

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erstellt am 28.Mär.2012 | 09:25 Uhr

Rostock | Wie weiter mit dem Flugplatz Rostock-Laage? Bei den Gesellschaftern - der Hansestadt Rostock, der Stadt Laage und dem Landkreis Rostock - aber auch beim Land Mecklenburg-Vorpommern soll es sogar Überlegungen zur Schließung des Airports geben. Dabei ist er von letzterem erst jüngst zum Landesflugplatz bestimmt worden. Redaktionsleiter Dietmar Tahn hat Matthias Herrmann, den Vorsitzenden des Aufsichtsrates des Airports, befragt.

Herr Herrmann, der Flugplatz Rostock-Laage scheint wieder einmal zwischen Baum und Borke zu stehen. Möglicherweise hat der Weggang von Geschäftsführerin Maria Anna Muller zum 31. August sein Übriges dazu getan, dass es viele Fragen zur Zukunft gibt. Wie schätzen Sie die aktuelle Situation ein?

Herrmann: Der Eindruck scheint sich bei mehreren so einzustellen. Natürlich sorgte die Nachricht, dass Maria Anna Muller uns verlässt, für zusätzliche Fragen. Frau Muller ist ein Markenzeichen für unseren Flugplatz geworden. Unstrittig sind ihre Leistungen und Verdienste. Auf jeden Fall ist sie in Fachkreisen sehr anerkannt. Doch bei aller Wertschätzung für sie, es muss und wird auch ohne sie weitergehen.

Grundlage ist eine ordentliche finanzielle Ausstattung. Das Bekenntnis der Landesregierung zu Rostock-Laage ist da schon ein deutliches Signal…

Ja, das ist schon mal eine deutliche Positionierung, endlich, möchte man fast schon sagen. Nun müssen aber die nächsten Schritte folgen. Vor allem benötigen wir finanzielle Planungssicherheit, und zwar basierend auf einer realistischen Bedarfsplanung. Es ist eine Ausstattung erforderlich, die ein zukunftsorientiertes Arbeiten ermöglicht. Es geht um Lösungen, die auch Investitionen in die Zukunft ermöglichen, mit denen sich Rostock-Laage als Regionalflugplatz einen guten Platz unter den Mitbewerbern erobern kann. Vor allem aber sollte allen klar sein, dass es auf längere Sicht keineswegs drin ist, das Airport-Geschäft ohne Verlust zu leisten. Übrigens gibt es derzeit keinen regionalen und nur ganz wenige große Airports in Deutschland, die rentabel arbeiten. Und die "Großen" im Geschäft, Frankfurt/Main oder München schaffen positive oder zumindest ausgeglichene Zahlen auch nicht mit dem Flugbetrieb alleine, sondern insbesondere mit dem Immobiliengeschäft auf ihrem Areal.

Ein Weg auch für Rostock-Laage?

Bedingt, ja. Wenn die Flughafengesellschaft die Chance bekommt, mit den mehreren Hektar Land rund um den Airport "arbeiten" zu dürfen, könnte das ein wichtiges wirtschaftliches Standbein sein. Die Ansiedlung von transportorientierten Betrieben am Standort Airpark Laage muss auch durch den Flughafen selbst möglich sein. Da müssen sich die Gesellschafter positionieren.

In diesem Kreis soll es aber Überlegungen geben, den Flugplatz vor den Toren Rostocks zu schließen, um dem jährlich zu zahlenden Verlustausgleich zu entgehen. Was wissen Sie davon?

Nichts. Darüber will ich gar nicht nachdenken, denn eine solche Entscheidung wäre für mich auch ein ganz falsches Signal. Ich habe ja schon über die Rentabilität von regionalen Flughäfen gesprochen. Es geht nirgendwo ohne Verluste, warum stützen dann aber alle anderen Bundesländer finanziell weitaus stärker ihre Regionalflughäfen? Wir dürfen nicht nur die direkten Verluste des Flughafens an sich sehen, sondern müssen vielmehr die indirekten Wirkungen des Airports für die gesamte Region bedenken. Eine Studie der IHK Rostock hat vor knapp zwei Jahren ergeben, dass Rostock-Laage, insbesondere seit seiner Konzentration auf den so genannten "Inbound"-Ferienflug, für eine jährliche Wertschöpfung von zirka 25 Millionen Euro sorgt. Das ist ein Wirtschaftsfaktor für die gesamte Region. Dabei denke ich nicht nur an den Tourismus. Der profitiert schon jetzt sehr von unserem Flughafen. Wir müssen es darüber hinaus aber auch schaffen, neben den Wochenend-Flügen im ersten Schritt wenigstens einen Flieger mitten in der Woche aus den Metropolregionen nach Laage zu bekommen. So können Geschäftsleute verlässlich planen, potenzielle Investoren bequem und zeitlich überschaubar anreisen. Dadurch kann Rostock-Laage zu einer Drehscheibe für die Region werden.

Güterverkehr ist oft ein Stichwort, wenn es um die Zukunft des Flughafens geht. Sehen Sie hier eine Entwicklungsmöglichkeit?

Das ist ein spannendes Betätigungsfeld. Alles auf einmal geht nicht und der Luftfrachtmarkt ist auch sehr umkämpft. Aber ich glaube, wir sind gut beraten, endlich die Voraussetzungen für diesen Bereich zu schaffen. Denn wir können uns zwischen den Flughäfen in Hamburg und Berlin derzeit sehr gut etablieren. Schon allein deshalb, weil wir einen ganz großen Vorteil haben: Bei uns gibt es kein Nachtflugverbot. Für mich ist hier ein Bedarf vorhanden, den wir abdecken könnten.

Welche Voraussetzungen, sind nötig, um beim Güterumschlag einsteigen zu können?

Wir müssten eine neue Frachthalle bauen und im Vorfeld einige Umbauten vornehmen. Ich denke, es handelt sich um Investitionen zwischen acht und zehn Millionen Euro. Diese sind aber in die Zukunft angelegt. Nach eineinhalb Jahren Bauzeit könnten wir einsteigen und zuvor schon entsprechende Kunden ansprechen und Verträge schließen.

Da könnten ja sehr interessante Aufgaben auf den neuen Geschäftsführer des Flughafens zukommen. Gibt es denn schon Bewerbungen?

Konkret ist mir da nichts bekannt. Diese Personalie liegt ja auch in den Händen der Gesellschafter. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass eine gute und zeitnahe Besetzung gelingt. Dazu muss aber auch die strategische Ausrichtung der Gesellschaft klar und fest definiert sein und auch ein klares Bekenntnis zum Standort gegeben werden. Ohne planbare Perspektive wird sich kein qualifizierter Bewerber auf ein "Abenteuer Rostock-Laage" einlassen wollen.

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