Gerichtsbericht Rostock : Flüchtlingsheim: Versuchte Tötung

Der Angeklagte Ahmed A. wartet im Landgericht Rostock mit seiner Anwältin Beate Falkenberg auf den Verhandlungsbeginn. Der 38-jährige Ägypter soll laut Staatsanwaltschaft im Oktober 2016 nach einem Streit in einer Flüchtlingsunterkunft mit einem Küchenmesser auf einen Mitbewohner aus Syrien eingestochen haben. Das 25-jährige Opfer erlitt lebensgefährliche Verletzungen.
Der Angeklagte Ahmed A. wartet im Landgericht Rostock mit seiner Anwältin Beate Falkenberg auf den Verhandlungsbeginn. Der 38-jährige Ägypter soll laut Staatsanwaltschaft im Oktober 2016 nach einem Streit in einer Flüchtlingsunterkunft mit einem Küchenmesser auf einen Mitbewohner aus Syrien eingestochen haben. Das 25-jährige Opfer erlitt lebensgefährliche Verletzungen.

Ägypter soll Syrer nach Wortgefecht mit dem Messer lebensbedrohlich verletzt haben. Angeklagter behauptet, in Notwehr gehandelt zu haben.

svz.de von
04. April 2017, 21:00 Uhr

Wegen versuchter Tötung und gefährlicher Körperverletzung muss sich seit gestern der 38-jährige Ägypter Achmed A. vor dem Landgericht verantworten. Er soll am 31. Oktober 2016 in der Rostocker Flüchtlingsunterkunft in der Möllner Straße 11 in Lichtenhagen mit einem Küchenmesser mit 22 Zentimeter langer Klinge auf einen 25-jährigen Syrer eingestochen und ihn schwer verletzt haben.

Die Anklage geht von einem verbalen Streit aus, der später eskalierte. Achmed A. soll zunächst drei Mitbewohner angegriffen und sich dann dem körperlich weit unterlegenen 25-Jährigen zugewandt haben. Dieser hätte zwei Stiche mit dem Arm abwehren können, dann habe der Ägypter mit drei weiteren kräftig geführten Stichen ein Bein des Opfers und seinen Oberkörper getroffen. Mitbewohner hätten den Angeklagten von weitern Angriffen abgehalten. Der 25-Jährige erlitt Verletzungen an der rechten Herzkammer, der inneren linken Brustschlagader und am linken Lungenflügel. Er musste notoperiert werden.

Achmed A. befindet sich seit dem 31. Oktober in Untersuchungshaft. Er hatte lange Zeit, sich auf die Verhandlung vorzubereiten und die nutzte er gründlich. Eine Stunde und 15 Minuten benötigte er, um seine Sicht der Dinge darzulegen. Er ließ nichts aus. Er begann mit seiner Einreise nach Berlin im Dezember 2014, schilderte die Ausweisung nach Italien, die illegale Wiedereinreise nach Deutschland und die aus seiner Sicht negativen Erlebnisse mit deutschen Beamten und seine vielen Beschwerden dagegen.

Achmed A. gab zu, mit dem Messer zugestochen zu haben, aber aus einer Notwehrsituation heraus. Begonnen hätte alles nach der Säuberung seines Zimmers. Ihm sei danach die Benutzung des Waschraumes zum Reinigen des Wischmopps von dem späteren Opfer verwehrt worden. Der Geschädigte und seine beiden Brüder hätten ihm auf Kopf und Nacken geschlagen und an die Wand gedrückt. Auf dem noch nassen Fußboden sei er ausgerutscht und hätte weitere Schläge empfangen. „Mein Kopf lag unter dem Körper“, sagte der Angeklagte, „ich konnte nicht mehr atmen“. Er hätte eine Ohnmacht verspürt. Als durch das Gerangel ein Regal herunterfiel, habe er das Messer ertastet und zwei- bis dreimal nach hinten gestochen. „Aber auf meinem Messer war kein Blut“, schloss er seinen Vortrag gestern ab.

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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