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Norddeutsche Neueste Nachrichten

16. Dezember 2017 | 21:22 Uhr

Proteste : Flüchtlingsfrage spaltet Rostock

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Bei den beiden Goßdemos am Sonnabend in der Hansestadt prallen die Meinungen aufeinander – Solidarität gegen die Angst vor Überfremdung

von
erstellt am 18.Okt.2015 | 21:00 Uhr

Eine Stadt der Kontraste: Während am Sonnabend auf dem Neuen Markt und in der Marienkirche je rund 500 Demonstranten ihre Solidarität mit den Flüchtlingen bekundet haben, versammelten sich vor dem Hauptbahnhof bis zu 1800 Gegner der aktuellen Zuwanderungspolitik. Mit diesem Zulauf aus dem ganzen Land hatten weder die veranstaltende AfD noch die Polizei gerechnet – angemeldet waren 200 Teilnehmer.

„Das zeigt, dass wir einen Nerv treffen. Die Bürger wollen endlich eine Begrenzung des Migrantenstroms“, sagt AfD-Landessprecher Leif-Erik Holm. Dass die Flüchtlinge selbst ein besseres Leben suchten, sei ihnen nicht vorzuwerfen. Aber Deutschland sei mit der „unkontrollierten Masseneinwanderung“ überfordert. Kanzlerin Merkel müsse zurücktreten, die Grenze gesichert und die Aufnahme weiterer Flüchtlinge gestoppt werden. „Wir wollen das Volk bleiben – das deutsche Volk“, so Holm. Er erwartet bis zu acht Millionen größtenteils muslimische Zuwanderer durch die aktuelle Flüchtlingskrise und warf den regierenden Politikern vor, sie würden Häuser beschlagnahmen und Einheimische aus ihren Wohnungen ausquartieren, um Platz zu schaffen. Konkrete Beispiele blieb er schuldig.



Ganz anders der Tenor der Gegendemonstranten. „Die Menschen kommen ja nicht aus Spaß, sondern weil sie vor Krieg und Verfolgung fliehen“, sagt Franziska Schütte auf dem Neuen Markt. Ein paar Schritte weiter steht Ilhan Dögüs. Er sagt: „Die Hilfsbereitschaft der Rostocker ist viel größer als erwartet. Es gefällt mir, dass die Leute Pegida entgegentreten und versuchen, das Image der ausländerfeindlichen Stadt zu verändern.“

Maßgeblich an diesem Wandel beteiligt sind die Initiativen „Rostock hilft“ und „Rostock nazifrei“, die den Gegenprotest zusammen mit der Innenstadtgemeinde organisiert hatten. Ihr Motto: „Rostock hetzt nicht, Rostock hilft“. „Das machen aktuell die vielen Menschen deutlich, die vom Stullenschmieren über Unterkünfte herrichten bis zur Essensausgabe helfen“, sagt Anette Niemeyer von „Rostock nazifrei“. Diese„herausragende Arbeit“ lobte auch Pastor Tilman Jeremias von der Innenstadtgemeinde während der interreligiösen Andacht in der Marienkirche. Er sagt: „Allen Menschen kommt die gleiche Würde zu, unabhängig von ihrer Religion.“ Der Zustrom Schutzbedürftiger dürfe nicht für ausländerfeindliche Hetze instrumentalisiert werden.

Davor warnt auch Dr. Maher Fakhouri, Vorsteher der islamischen Gemeinde: „Wir dürfen uns diese wunderbare Wandlung der Stadt von Lichtenhagen 1992 bis heute nicht kaputt machen lassen.“ Der neue Landesrabbiner Yuriy Kadnykov: „Wir sollten die Geschichte hinter jedem Menschen sehen und dann lassen wir unsere Herzen offen sein.“

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