Krise : Flüchtlinge: Rostock prüft seine Chancen

Die HanseMesse – hier richtet Rostock ein Auffanglager für Flüchtlinge ein.
Die HanseMesse – hier richtet Rostock ein Auffanglager für Flüchtlinge ein.

Stadt zieht Kopenhagener Straße als ungeliebten Trumpf. Hanse Messe wird freigezogen. Ehrenamtliche des Netzwerks sind die rettende Stütze.

svz.de von
20. September 2015, 12:00 Uhr

Die Stadt zieht den ungeliebten Trumpf Sporthalle Kopenhagener Straße: „Hier sind Kapazitäten geschaffen worden, die die Hanse Messe als Notquartier für Geflüchtete auf ihrem Weg nach Skandinavien ablösen sollen“, so Senator Dr. Chris Müller (SPD). Damit räumt die Stadt wie vereinbart bis zum 21. September die Hanse Messe. Die diente als Unterkunft für bis zu 500 Transitflüchtlinge.

Die Kopenhagener Straße war nicht gerade erste Wahl. Aus Insiderkreisen heißt es, die Stadt habe vielmehr den ehemaligen Real-Markt in Hinrichsdorf favorisiert. Doch die Besitzer sind im Ausland, Absprachen schleppend, Mietverhältnisse kompliziert. Die Stadt hält sich bedeckt. Aber: „Wir prüfen viele potenzielle Unterkünfte“, sagt Stadtsprecher Ulrich Kunze. 100 weitere Flüchtlingen, die aus anderen Bundesländern zugewiesen wurden, werden auf die Sporthallen der Jena-Plan-Schule und der Petrischanze verteilt. Flüchtlinge, die im Peter-Weiss-Haus untergebracht waren und andere, die in Deutschland bleiben wollen aus der Messe-Halle, haben die Kirchen aufgenommen. Gestern wurden außerdem 262 Geflüchtete zum Fährhafen Sassnitz geschickt, um von dort aus nach Trelleborg zu reisen, was Rostock als Nadelöhr entlasten soll.

Die Aktuelle Lage im Überblick

• In Zahlen: 750 anerkannte Flüchtlinge leben in Rostock, sie sind dezentral und in der Gemeinschaftsunterkunft Satower Straße untergebracht. Täglich kommen seit 9. September 80 bis 600 Trasitflüchtlinge an, die über Bayern kamen und meist nach Schweden wollen. 400 wollen jetzt in Deutschland Asyl beantragen. Sie sind in der ehemaligen HWBR und Kirchen untergebracht.

• Die Helfer: 250 Freiwillige sind derzeit für das Netzwerk „Rostock hilft“ im Einsatz. Die Schichtpläne für die Begrüßung am Hauptbahnhof, Begleitung bis zur Unterkunft, Versorgen, Sortieren oder Begleiten auf den Fähren laufen zunächst bis Montag.

• Geldspenden: Bis Freitag konnte „Rostock hilft“ Geldspenden von 20 000 Euro für die in Rostock ankommenden Flüchtlinge verbuchen.

• Unterstützung kommt von zahlreichen Firmen aus und um Rostock. Ikea hat 5000 Euro gespendet. Spediteure stellenWagen bereit, Hansa seinen Fuhrpark.

• Zahlreiche Sachspenden wie Kleidung, Hygieneartikel oder auch Essen sind eingegangen. Spenden aller Art können bis in die Abendstunden (zirka 22 Uhr) im Uni-Gebäude in der Parkstraße 6 und beim Jaz, Lindenstraße 3b, abgegeben werden.

• Gründung: „Rostock hilft“ begann am 8. September mit einem Hashtag bei Twitter: „#Rostock hilft“. Ein loses Netzwerk fand sich, um am Hauptbahnhof 50 Flüchtlinge aus Syrien in Empfang zu nehmen und ihnen zu helfen. Das anfangs lose Netzwerk setzt sich jetzt aus Helfern von Jaz, Peter-Weiss-Haus, Asta, Mau oder auch Awiro zusammen. „Für uns steht in erster Linie das Wohl der Menschen im Vordergrund. Wir sind der Meinung, dass jeder das Recht auf Bewegungsfreiheit hat“, sagt Sprecher Martin Arndt.

Rostock hilft: Info-Telefonnummer 0163/271 43 45, http://hrohilft.blogsport.eu/spenden/

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