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Engpass in Rostock : Flüchtlinge in akuter Wohnungsnot

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Hunderte sitzen in Gemeinschaftsunterkünften fest.

von
erstellt am 25.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Die hohe Konkurrenz auf dem Rostocker Wohnungsmarkt trifft auch zahlreiche Flüchtlinge mit anerkanntem Asylstatus. Eigentlich sollten sie längst eigene Domizile innerhalb der ganzen Stadt beziehen – doch die sind kaum vorhanden. Deshalb stecken die Betroffenen weiter in den Gemeinschaftsunterkünften fest, etwa in der Satower Straße oder in Langenort. Das erschwert ihre Integration. „Es handelt sich um mehrere Hundert, die eigentlich obdachlos sind, weil sie dort nicht wohnen dürften“, sagt Reinhard Knisch (Grüne), Mitglied im Sonderausschuss für Asyl- und Flüchtlingsangelegenheiten. „Und die sehen für sich derzeit keine Perspektive.“

Aussicht auf Besserung gibt es nicht. Laut Wiro-Chef Ralf Zimlich erhalten Flüchtlinge keinen Bonus bei der Vergabe, müssen sich also gemäß dem Gleichheitsgrundsatz wie alle anderen auch gegen ihre Mitbewerber durchsetzen. Und das seien pro Wohnungsbesichtigung etwa 10 bis 15. „Ich garantiere, dass wir frei von der Frage ,Wer kommt woher‘ Wohnungen vermieten“, sagt er. Die Warteliste des kommunalen Unternehmens umfasse aktuell 6500 Interessenten, denen bei einer Leerstandsquote von 1,2 Prozent rund 430 freie Wohnungen gegenüberstehen. 780 dieser Interessenten seien Flüchtlinge, von denen wiederum 113 bereits in einer eigenen Wohnung leben, aber umziehen wollen. Insgesamt habe die Wiro 526 Wohnungen an Flüchtlinge vermietet, erklärt Zimlich. „Was auffällt ist, dass sie tendenziell kleine Ein- bis Zweiraumwohnungen belegen“, sagt er.

Dort, wo diese Zuzügler untergekommen seien, gebe es bislang weder Beschwerden noch Auffälligkeiten zu verzeichnen. Dafür macht der Wiro-Chef vor allem die Politik der Durchmischung verantwortlich, die das Unternehmen verfolge: „Wir haben nahezu keinen sozialen Sprengstoff in den Anlagen“, erklärt Zimlich. Fehler wie in Berlin oder Hamburg seien in Rostock nicht begangen worden.

Constanze Allwardt, Leiterin der Abteilung Vermietung, bestätigt ihren Chef: „Eine Ghettoisierung haben und wollen wir in Rostock nicht.“ Daher würden die rund 600 Mitarbeiter immer darauf achten, wer in welche bereits vorhandene Hausgemeinschaft passe. Altersstruktur, Nationalitäten, Einkommen – „wir müssen da sehr sensibel sein und das sind wir auch“, so Allwardt. Deswegen könne es auch vorkommen, dass eine Wohnung trotz der hohen Nachfrage über einen längeren Zeitraum leer stehe.

Den Mitgliedern des Ausschusses reicht das nicht. Sie fordern festgeschriebene, nachvollziehbare Kriterien für die Bewerberauswahl. Denn die „subjektive Einschätzung der Mitarbeiter kann dazu führen, dass ein Flüchtling sich diskriminiert fühlt, wenn er abgelehnt wird und zwei Wochen später ein anderer die Wohnung erhält“, sagt Reinhard Knisch.

Kommentar "Lösung: Sozialer Neubau" von Torben Hinz

Am Gleichheitsgrundsatz bei der Wohnungsvergabe festzuhalten, ist zumindest im Rostocker Fall richtig. Denn auch die hiesige Wohnungsnot trifft alle gleich, egal ob Flüchtlinge, Auszubildende, Familien oder Rentner. Eine bestimmte Gruppe zu bevorzugen, würde nur den berechtigten Neid der anderen hervorrufen. Lösen kann dieses Problem nur eine Entspannung des Marktes, auch und vor allem durch sozialen Neubau. Doch da hinken Stadt, Land und Bund weiter hinterher. Dabei würden die Programme nicht nur der Wohnungsnot entgegen – wirken, sondern indirekt auch die Integration fördern. Denn wie kann die besser gelingen, als Tür an Tür mit deutschen Nachbarn?!

 

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