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Norddeutsche Neueste Nachrichten

21. September 2017 | 12:34 Uhr

Flüchtlinge fürchten Trägerwechsel

vom

svz.de von
erstellt am 19.Jun.2013 | 08:45 Uhr

Rostock | Die Asylbewerber fühlen sich wohl in ihrer Gemeinschaftsunterkunft in der Satower Straße. Bisher wird die Einrichtung vom Verein Ökohaus betrieben. Doch das könnte sich bald ändern. Denn die Stadt hat die Betreibung neu ausgeschrieben. Bis gestern konnten sich Interessenten melden. "Die Ausschreibung war eine Forderung vom Land", erklärt Rathaus-Sprecher Ulrich Kunze. Denn die letzte liegt mittlerweile sieben Jahre zurück. "Eigentlich wird aber erwartet, dass die Stadt die Betreibung alle vier Jahre neu ausschreibt", so Kunze weiter. Konkret geht es um einen Vertrag für die kommenden zwei Jahre mit der Option auf eine Verlängerung um weitere zwei Jahre.

Die etwa 280 Asylbewerber in der Unterkunft in der Satower Straße hoffen, dass alles so bleibt wie bisher. Die Chance dafür besteht. Denn das Ökohaus hat an der Ausschreibung teilgenommen, will auch weiterhin als Betreiber tätig sein. Bereits seit zwölf Jahren ist der Verein für das Asylbewerberheim zuständig. In dieser Zeit konnte ein Netzwerk aufgebaut werden, dass den Flüchtlingen zugute kommt. Beispielsweise werden für jene, die die Deutsche Sprache noch nicht beherrschen, Dolmetscher organisiert. Die Sozialarbeiter klären die Asylbewerber darüber auf, welche Rechte ihnen zustehen, und helfen ihnen bei Behördengängen.

Aber das Engagement geht auf Ehrenamtsbasis noch viel weiter. So bekommen die Kinder Hilfe bei den Hausaufgaben, Fußballspiele werden organisiert, der Kontakt zwischen den Asylbewerbern und den Rostockern aktiv gefördert. "Der Umgang ist respektvoll und menschlich, die Atmosphäre freundlich", sagt Katayoun Housseini. "Auch mit persönlichen Problemen kann ich zu den Mitarbeitern gehen." Dass das nicht selbstverständlich ist, weiß die Iranerin aus Erfahrung. Vor drei Jahren kam sie ins Asylbewerberheim in Jürgenstorf bei Stavenhagen. "Dort gab es nur zwei Betreuer, wir waren abgeschnitten und es gab für die Kinder keine Möglichkeiten", berichtet Housseini.

Seit drei Monaten ist sie nun in Rostock - und findet nur lobende Worte für die Einrichtung. Hier gebe es sogar kostengünstig die Möglichkeit, das Internet zu nutzen. "Für uns ist das enorm wichtig, um den Kontakt zu unseren Familien und in die Heimat aufrechtzuerhalten", sagt Housseini. Außerdem gebe es eine zentrale Antenne, über die alle internationalen Kanäle empfangen werden können. So können die Bewohner das Geschehen in der Welt und besonders auch in ihrer Heimat verfolgen. Dass dieses Angebot keine Selbstverständlichkeit ist, weiß sie auch aus Berichten von Asylbewerbern in Einrichtungen anderer Kommunen.

Wer am Ende den Zuschlag für den Betrieb der Unterkunft erhält, ist noch offen. Darüber entscheidet die Rostocker Bürgerschaft. Und an deren Mitglieder haben die Asylbewerber gestern einen offenen Brief gerichtet. Housseini und die anderen hoffen, dass ihre Sorgen umsonst sind.

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