Polizeieinsatz Teterow : Flüchtlinge blockieren Straße

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Foto: Stefan Tretropp

In einem Dorf bei Teterow protestieren Flüchtlinge gegen die nach ihrer Auffassung schlechte Unterbringung und Betreuung. Anwohner sind verärgert

svz.de von
03. März 2016, 14:58 Uhr

Güstrow   Der Bürgermeister in Jördenstorf, Reinhard Engel (SPD),  ist sauer. „Die Straße blockieren, das geht gar nicht.“          Die Stimmung gegenüber den Flüchtlingen im Ort droht zu kippen. Die  kleine  Gemeinde in der Nähe von Teterow war bisher  für ihre Willkommenskultur bekannt.   Sogar das ZDF berichtete über die Hilfsbereitschaft  der Jördenstorfer. Eine  Gemeinschaftsunterkunft mit knapp 70 Flüchtlingen gibt es seit einem Jahr im Dorf. Bürgermeister Engel hat selbst zwei Flüchtlinge, einen Syrer mit seinem Sohn, in sein Haus aufgenommen.     „Doch für die gestrige  Protestaktion habe  ich kein Verständnis“, sagt er. Die meisten im Dorf würden auch so denken.

 Etwa 60 unzufriedene Flüchtlinge, zumeist junge Syrer, hatten  gleich zweimal innerhalb von 12 Stunden die  Straße blockiert und  Polizeieinsätze ausgelöst. „Die erste Protestaktion fand zwischen  null und  vier Uhr statt“, berichtet Michael Fengler, Sprecher des Landkreises Rostock. Mit der Polizei einigten sich die Demonstranten schließlich, die Aktion abzubrechen und am Vormittag mit Vertretern des zuständigen Landkreises  Rostock über die Probleme zu reden.

Diese Aussprache endete dann offensichtlich  doch nicht zur Zufriedenheit aller Beteiligten. Wieder blockierten  um die Mittagsstunde 30 Flüchtlinge die Dorfstraße.  Wie in der Nacht verlief der Protest zwar friedlich, doch erneut musste die Polizei mit Streifenwagen anrücken.

Grund für die Proteste sind  teilweise Missverständnisse. Neben der vor einem Jahr sanierten  Gemeinschaftsunterkunft wurde im Herbst ein Notquartier mit  135  Plätzen und bis zu zwölf Betten pro Zimmer   eingerichtet. „Die Bewohner in der Notunterkunft fühlen sich gegenüber denen in der Gemeinschaftsunterkunft  schlechter und ungerecht behandelt“, erklärt Fengler.  Dabei sei das Notquartier nur eine vorübergehende  Lösung. Kritisiert wurde von den Demonstranten auch das Essen und das Aufnahmeverfahren, das aus  ihrer Sicht zu bürokratisch sei und zu lange dauere. Viele der jungen Flüchtlinge sehen ganz offensichtlich ihre Perspektive nicht  in Jördenstorf und  wollen so schnell wie möglich weg, bevorzugt in eine Großstadt. Dazu muss das Aufnahmeverfahren aber abgeschlossen sein. 

Die Vorsitzende des Flüchtlingsrates, Ulrike Seemann-Katz, hat Verständnis  für die Proteste. „Das Warten und Nichtstun drückt die Stimmung“, meint sie.  Dagegen sagt Bürgermeister Engel: „Die Flüchtlinge müssen Geduld haben, es geht nicht anders.“

Am kommenden  Montag wird es erneut Gespräche geben. Bis dahin sollen die Flüchtlinge ihre Kritik schriftlich formulieren, so Fengler. Missverständnisse wolle man so schnell wie möglich ausräumen, damit die Willkommenskultur nicht kippt.

Einen Umzug der protestierenden Flüchtlinge aus der Notunterkunft in einen anderen Ort hat der Landkreis allerdings abgelehnt. Nach bisherigen Planungen soll eine zweite Gemeinschaftsunterkunft in dem Dorf Ende April fertig ausgebaut sein. Dann sollen zuerst Familien mit Kindern und Ältere dorthin umziehen.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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