Warnemünde : Fischer-Urgestein wird 85

Warnemünder Urgestein: Fischer Karl-Heinz Ruschau an Bord des Kutters „Zufriedenheit“
Warnemünder Urgestein: Fischer Karl-Heinz Ruschau an Bord des Kutters „Zufriedenheit“

Warnemünder Kutterführer Karl-Heinz Ruschau ist seit sieben Jahrzehnten dem Silber des Meeres auf der Spur.

svz.de von
04. Februar 2018, 05:00 Uhr

Ein bekannter Warnemünder, der Fischer Karl-Heinz Ruschau, begeht heute seinen 85. Geburtstag. Er feiert ihn an Bord eines Schiffes, wenn auch nicht auf dem Kutter „Zufriedenheit“, den er immer noch regelmäßig zu Angelfahrten hinaus auf See führt – zuletzt mit einer Gruppe Schornsteinfeger. Ihr Fischzug war zwar nicht sonderlich erfolgreich, aber dem Kutterführer mag die Begegnung mit der „schwarzen Zunft“ ein gutes Omen für sein Jubiläum sein.

65 Jahre mit seiner Erni verheiratet

Gemäß dem Namen seines Kutters kann er zufrieden auf sein bisheriges Leben zurückblicken. Über sein volles, vom Wetter gegerbtes Gesicht mit den klaren blauen Augen zieht ein Lächeln, wenn er gedanklich die vergangenen sieben Jahrzehnte seines außergewöhnlich langen Berufslebens Revue passieren lässt. Der gebürtige Warnemünder hat in der harten Nachkriegszeit ab 1947 bei seinem Großvater Hermann Ruschau auf dessen Zehn-Meter-Kutter „Hertha“ den schweren Fischerberuf erlernt, um dann 1950 dem Ruf des Fischkombinates zu folgen. Als Netzmacher und Bestmann fuhr er auf dem Logger ROS 18 „Solidarität“ unter Kapitän „Otsche Schill“ hinaus zu den Fischgründen auf See. „Das waren wilde Zeiten“, sinniert er rückblickend. Damals aber lernte er seine Erni kennen und wurde sesshaft. Inzwischen sind sie 65 Jahre verheiratet, können noch in diesem Jahr mit ihren beiden Söhnen und Enkelkindern die Eiserne Hochzeit feiern.

Nach dem Kapitel Hochseefischerei wurde Karl-Heinz Steuermann bei einem Warnemünder Fischer. Als der 1956 mit seinem Kutter gen Westen abdampfte, zeigte er als Netzmacher bei der damaligen Fischerei- und Gerätestation (FGS) sein Können, wurde Kutterführer, Mitbegründer und Vorsitzender einer Genossenschaft, eine der Säulen der späteren großen FPG Warnemünde. 360 Mitglieder, allein 110 Fischer, gehörten ihr in der Blütezeit an. Der Fischer zählt die Schiffe auf, die er in all den Jahren führte. So auch WAR 52 „Born“, sein wohl liebstes Schiff, mit dem er die besten Fangergebnisse erbrachte. Acht Jahre war dann WAR 48 „Ueckermünde“ sein Stammschiff.

Mit „Butt“ ab und an Fisch auf der Spur

Zwischen Bug und Achtersteven – das war sein Leben. „Eine schöne Zeit. Wir konnten uns international sehen lassen. Das bestätigten uns auch englische Filmemacher aus Newcastle, die uns vor 30 Jahren besuchten, um zu veranschaulichen, wie wir im Osten lebten“, resümiert der Fischer. 25 Jahre später befragten die Briten die Zeitzeugen von damals wieder, zeigten, was aus ihnen nach der Wende auf dem Wege vom „Wir zum Ich“ geworden ist. „Die FPG hatte leider trotz Millionen-Guthaben keinen Bestand“, bedauert der Kutterführer, der damals plötzlich ohne Arbeit war. Als Schiffsführer und Freizeitfischer meistert er aber alle Klippen und Untiefen jener Zeit, die Angeltouristik wurde schließlich sein Metier. Seit Juli 2005 ist er einer der beiden Kapitäne des 22,5-Meter-Kutters „Zufriedenheit“, verhilft Petrijüngern aus ganz Deutschland zu ihrem Fangglück. Und auch mit seinem kleinen Boot „Butt“ ist das Warnemünder Urgestein hin und wieder noch dem Fisch auf der Spur. Jeden Morgen nach dem Frühstück führt ihn der Weg durch Warnemünde, beobachtet er, was sich verändert, gibt Hinweise, unterstützt das Heimatmuseum bei der Traditionspflege, informiert sich in den NNN, die seit mehr als sechs Jahrzehnten seine Zeitung ist.

Karl-Heinz Ruschau ist fit, hat bislang alle regelmäßigen Tauglichkeitsuntersuchungen bestanden. Auch dank ihrer Pflege, merkt die Frau des Fischers mit einem schelmischen Lächeln an. Denkbar ist, dass der umgebaute einstige Seekriegskutter, der in diesem Jahr seine Klasse erneuern muss, eher ausgemustert wird. Ohnehin fürchtet der Fischer, dass durch die vielen Probleme, vor denen seine aktiven Berufskollegen heute stehen, auch die Postenkarten-Szenerie am Alten Strom, das spezielle Warnemünder Fluidum, verloren gehen könnte. Dass dieses typische Bild aber erhalten bleibt, sei sein größter Wunsch. „Hol di fuchtig!“, wünschen wir dem Warnemünder Fischer, der heute im Kreis seiner Familie und Weggefährten guten Grund zünftig zu feiern hat.

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