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Einzigartige Idee : Fische und Pflanzen: Der Mix macht’s

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Wissenschaftler der Uni wollen die Zuchtformen revolutionieren

von
erstellt am 20.Aug.2014 | 12:00 Uhr

Forscher der Uni Rostock sind auf der Suche nach der idealen Kombination aus Fisch- und Pflanzenzucht. Dazu soll bis November ein so genanntes Fischglashaus auf dem Gelände der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät im Justus-von-Liebig-Weg gebaut werden. Diese Form der vernetzten Aqua- und Gewächshauskultur sei in Mecklenburg-Vorpommern und vielleicht sogar in ganz Deutschland einzigartig, sagt Fakultäts-Dekan Prof. Elmar Mohr.

„Realistisch gesehen bin ich froh, wenn es im Frühjahr richtig losgehen kann“, sagt er. Ziel sei es nicht nur, geeignete Fisch- und Pflanzenarten und deren Zusammenspiel in der Zucht zu identifizieren, sondern auch die idealen Umgebungsbedingungen. Welche Temperatur wird für eine optimale Produktion benötigt? Wie viel Futter verbrauchen die Fische? Welche Hochleistungsbakterien machen die Nährstoffe im Wasser für die Pflanzen verfügbar und tragen zur Hygiene bei?

„Es sind geschlossene Kreisläufe“, sagt Mohr. Die Fische – beispielsweise afrikanische Welse oder afrikanische Buntbarsche – reichern das Wasser, in dem sie leben, durch ihre natürliche Verdauung an. Auch über ihr Futter werden Nährstoffe zugeführt. Das Problem: In hoher Konzentration sind beispielsweise Nitrit und Ammonium tödlich. Deswegen muss das Wasser regelmäßig gefiltert werden. Diesen Job übernehmen die Pflanzen. „Sie sind nicht geerdet, sondern stehen in Steinwolle“, sagt Mohr. So können sie über ihre Wurzeln die benötigten Nährstoffe aus dem gefluteten Becken ziehen, anschließend steht es wieder für die Fischzucht zur Verfügung.

Die Vorteile liegen auf der Hand: niedriger Wasserverbrauch, ganzjährige Erträge, geringe Investitionskosten und ein weitestgehend pestizidfreier Anbau. „Die Entwicklung von vermarktungsfähigen Aquaponic-Komponenten und Systemen sowohl im Inland als auch für Entwicklungsländer in den Tropen steht im Vordergrund der geplanten Arbeiten“, heißt es in der Projektbeschreibung auf der Homepage der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät.

Zunächst sei eine dreijährige Laufzeit anvisiert, so Mohr, „aber dann ist die Infrastruktur da, um auch langfristig forschen zu können“. Zusammen mit den meerwassergestützten Anlagen zur Muschel- und Algenzucht könnte sich MV dauerhaft einen Spitzenplatz in der weltweiten Forschung sichern.

Finanziert wird das Fischglashaus über den Europäischen Fischereifonds. Die reinen Baukosten betragen dem Dekan zufolge rund 1,7 Millionen Euro, abgewickelt wird das Projekt über den landeseigenen Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL).

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