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Norddeutsche Neueste Nachrichten

18. November 2017 | 17:09 Uhr

Rostock : Firmen lehnen neue Hafenstraße ab

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Aus Sicherheitsgründen: Verwaltung will Am Strande teilweise umbenennen. Aida und Centogene befürchten Millionenkosten. #wirkoennenrichtig

svz.de von
erstellt am 05.Okt.2017 | 08:00 Uhr

Die Holzhalbinsel am Stadthafen wächst immer weiter – aber nicht in geordneter Reihenfolge. Um das Ordnungsprinzip aufrechtzuerhalten, will die Stadtverwaltung jetzt einen Teil der Straße Am Strande umbenennen. Darüber hat Katasteramtsmitarbeiter Hans-Bodo Pasternack auf der jüngsten Ortsbeiratssitzung in Stadtmitte informiert. Auf der Holzhalbinsel ansässige Firmen wie Aida, Centogene und das Plasmazentrum befürchten einen bürokratischen Supergau, Probleme im Kundenverkehr und immense Kosten.

„Es ist natürlich ein berechtigtes Anliegen, aber wir haben 6,6 Millionen Kunden, 3000 Lieferanten und 800 Mitarbeiter – insgesamt etwa zehn Millionen Druckmittel im Umlauf. Es würde Monate, eigentlich sogar Jahre dauern, bis wir alle benachrichtigt haben“, sagt Aida-Sprecher Hansjörg Kunze. Das Unternehmen habe seit 14 Jahren seinen Sitz Am Strande 3d. Darüber hinaus seien die Reise-Kataloge für die nächste Saison, die in der Regel bis zu anderthalb Jahren im Voraus fertig sein müssen, längst gedruckt und so potenziell mit einer falschen Adresse versehen. Eine Neunummerierung sei für das Unternehmen noch zu verkraften, eine Umbenennung falle schwerer ins Gewicht, so Kunze.

Mit ähnlichen Problemen sieht sich Gisela Wienrich, Geschäftsführerin des Plasmazentrums am Silo, konfrontiert: „Wir haben etwa anderthalb Jahre Druckvorlauf, um unsere Spendentermine zu veröffentlichen. Es wäre ein hoher Kostenfaktor für uns, wenn wir alles neu auflegen müssten.“ Pro Woche verzeichne das Zentrum etwa 700 Spender. Für die Firma Centogene, die auf der Holzhalbinsel ihr neues Hauptquartier errichtet, ist vor allem der Zeitpunkt einer Umbenennung entscheidend, wie eine Sprecherin des Unternehmens dem Ortsbeirat erklärte. Centogene habe etwa 300 000 Kunden und müsse genau zum jetzigen Stand der Baumaßnahmen seine neue Adresse an sämtliche Kontakte herausgeben – auch, damit die wertvollen genetischen Proben, an denen geforscht wird, in die richtigen Hände gelangen. Die Verwaltung zeigt sich verständnisvoll: „Klar macht es immer Probleme, Adressen zu ändern. Aber besser, wir greifen in dieser Phase ein, als wenn sich der Stadthafen noch weiter verdichtet“, sagt Pasternack und ließ Stichworte wie „Maritimes Erlebniszentrum“ und „Archäologisches Landesmuseum“ fallen. Derzeit geplant sei, den Uferteil Am Strande ab Warnowufer 66 bis zum Aida Cruises Gebäude künftig Stadthafen zu nennen und ab dort eine Otto-Ludewig-Straße zu vergeben. Die Idee, diese nach dem Werft-Gründer zu benennen, habe ein interessierter Bürger angeregt.

Der Ortsbeirat Stadtmitte – der, wie der Vorsitzende Werner Simowitsch (Linke) bemerkte, kein Mitspracherecht über die grundsätzliche Umstrukturierung, sondern nur die Auswahl der Namen hat – argumentierte für eine neue Ordnung am Hafen. „Die Benennung muss eindeutig sein, um im Notfall die Rettung von Leben garantieren zu können“, sagt Regine Lück (Linke). Natürlich müssten die Fälle der Unternehmen individuell geprüft werden. Eine einvernehmliche Lösung soll jetzt gefunden werden, wenn alle beteiligten Parteien zusammen an einen Tisch kommen.

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