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Norddeutsche Neueste Nachrichten

21. November 2017 | 01:59 Uhr

Firmen haben sich stabilisiert

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erstellt am 13.Apr.2012 | 11:39 Uhr

Rostock | Hans-Peter Siegmeier ist seit Ende Februar der Präsident der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern. Redaktionsleiter Dietmar Tahn hat den Diplom-Ingenieur und Bauunternehmer aus Stralsund zu seinen Zielen, den Herausforderungen für die Handwerker und zum Thema Unternehmensnachfolge befragt.

Herr Siegmeier, seit Ihrer Wahl sind ein paar Wochen vergangen. Hat sich für Sie persönlich etwas verändert?

In der Handwerkskammer arbeite ich seit mehreren Jahren im Vorstand mit und war als Kreishandwerksmeister der heutigen Kreishandwerkerschaft Rügen-Stralsund- Nordvorpommern aktiv. Somit sind mir die Interessen und Probleme der regionalen Handwerksbetriebe und die Strukturen der Handwerksorganisation sehr vertraut. Das Amt des Präsidenten bringt dennoch neue Herausforderungen für die insgesamt 12 500 Handwerksunternehmen im Kammerbereich mit sich. Eine Tätigkeit, auf die ich mich sehr freue.

Sie haben das Mehr an Aufgaben angesprochen, das auf Sie als Präsident zukommt. Welche haben für Sie Priorität?

Es sind Herausforderungen mit Blick auf die demografische Entwicklung wie die Fachkräftesicherung oder die Unternehmensnachfolge. Diese müssen wir gemeinsam meistern. Dies erfordert die enge Zusammenarbeit von Wirtschaft, Politik und dem Bildungsbereich wie den regionalen Schulen. Die bundesweite Imagekampagne des Handwerks und die Meisterkampagne mit Unterstützung durch das Wirtschaftsministerium präsentieren deshalb vor allem den Jugendlichen praxisnah die beruflichen Chancen in den 130 Handwerksberufen der Region. Neue Aufgabenbereiche ergeben sich für das Handwerk auch mit der Energiewende, auf die die Handwerksunternehmen gut vorbereitet sind. Allein 30 handwerkliche Ausbildungsberufe sind im Bereich Erneuerbare Energien und Energieeffizienz aktiv. Unser Bundesland bietet gerade diesbezüglich gute Chancen. All dies bedeutet die enge Zusammenarbeit mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft.

Sie sind selbst Bauunternehmer, kennen also Sorgen und Nöte der Handwerker hierzulande. Wie schätzen Sie die wirtschaftliche Entwicklung und Perspektiven der Firmen im Bereich der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern ein?

Das Handwerk hat sich in allen Branchen weiter stabilisiert und wir blicken durchaus optimistisch auf die nächsten Monate. Die Bodenständigkeit und wirtschaftliche Flexibilität unserer Handwerksunternehmen haben sich auch in Krisenzeiten bewährt. Im Anschluss daran haben wir Handwerker die Binnenkonjunktur weiter vorangebracht. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Dies zeigt sich auch in einer stabilen Umsatz- und Beschäftigtenentwicklung. Jetzt gilt es, auch die politischen Rahmenbedingungen zu verbessern, um diese Entwicklung nachhaltig zu festigen. Dazu gehören unter anderem die Anpassung der sozialen Sicherungssysteme an den demografischen Wandel, die Weiterentwicklung der Besteuerungssystematik und ein konsequenter Bürokratieabbau.

Die Handwerker sind gut beraten, sich Marktbereiche zu erschließen, die neben den traditionellen Leistungen auch zukunftsorientiert sind. Wo sehen Sie da Potenziale?

Wie bereits betont, bietet die Energiewende ein breites Tätigkeitsfeld und Marktchancen, wie die energetische Gebäudesanierung zeigt. Aber auch mit Blick auf die Gesundheitswirtschaft und Generation 50 plus sind vielfältige Leistungen und Produkte gefragt. Dies beginnt beim Nahrungsmittelhandwerk und reicht bis zur Bauwirtschaft mit barrierefreien Wohnungen. Unter dem Begriff Ambient Assisted Living werden gemeinsam mit der Wissenschaft von den Unternehmen altersgerechte Assistenzsysteme für den Alltag geschaffen. So werden über Sensoren Rollläden bewegt, die Wohnung temperiert oder der Eingangsbereich überwacht. Bereits an dem Beispiel wird deutlich, dass das Handwerk spannend und zukunftsorientiert ist.

Ist es für Rostocker Firmen einfacher, erfolgreich zu arbeiten, weil die Hansestadt ja ein bevorzugtes Ansiedlungsgebiet für größere Unternehmen ist?

Es ist richtig, dass Rostock ein wichtiges Wirtschaftszentrum des Landes ist. Allein 13 Prozent, dies sind 1600 Handwerksunternehmen, bieten in Rostock ihre Produkte und Dienstleistungen an. Der Standort ist aus logistischer und verkehrstechnischer Sicht optimal - auch als Drehscheibe nach Nordeuropa. Die Ansiedlung industrieller Unternehmen fördert zudem den Zulieferbereich - so beispielsweise in der maritimen Wirtschaft. Es darf aber nicht unberücksichtigt bleiben, dass der Wettbewerbsdruck aufgrund der Unternehmensdichte hier sehr hoch ist. In anderen Regionen wie den ländlichen Bereichen sind zudem oft die kommunalen Abgaben und Steuern nicht so hoch.

Ein großes Thema ist immer wieder die Unternehmens-Nachfolge. Wie schätzen Sie den Stand ein und wie kann die Kammer Lösungen unterstützen?

Aufgrund der demografischen Entwicklung wird uns diese Herausforderung auch in den nächsten Jahren begleiten. Im Bereich der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern stehen rund 1400 Handwerksunternehmen in den nächsten fünf Jahren vor der Betriebsübergabe. Die Betriebsberater der Abteilung Wirtschaftsförderung der Handwerkskammer helfen deshalb den Betriebsinhabern und Nachfolgern bei der Erarbeitung des Unternehmenskonzeptes, der Ermittlung des Unternehmenswertes bis zur Betriebsab- und -anmeldung. Auch ein breites Weiterbildungsangebot unserer Handwerkskammer für die Bereiche Management und Marketing unterstützen unsere Unternehmen bei der Betriebsübergabe. Die Handwerkskammer bietet zudem eine Betriebsbörse an.

Wo glauben Sie, muss die Politik, vor allem im Land, den Handwerkern mehr Hilfe geben?

Im Rahmen unserer Imagekampagne werben wir im Handwerk mit dem Motto: "Wir setzen auf nachwachsende Ressourcen: Azubis." Deshalb kommt es darauf an, die oft mangelnde Ausbildungsreife zu verbessern. Zur Sicherung der dualen Ausbildung muss die Unterrichtsqualität an den Berufsschulen gesichert werden. 40 000 Stunden Unterrichtsausfall im Land sind nicht zu akzeptieren. Zudem muss der Bürokratieabbau - eine langjährige Forderung des Handwerks - weiter vorangebracht und vor allem die strukturschwächeren Regionen gestärkt werden. Dies muss auch in der Förderpolitik ein wichtiges Kriterium sein.

Wenn Sie weit vorausblicken, was wollen Sie als Präsident nach einem Jahr im Amt auf jeden Fall geschafft haben?

Wir werden den Weg der Fachkräftesicherung und die diesbezüglichen Projekte zur Berufsorientierung und des Schulmarketings intensiv fortsetzen. So begrüßen wir das schon jetzt rege Interesse der Schülerinnen an den Angeboten der Handwerkskammer zum Girl´s Day im April. Auch der zweite bundesweite Tag des Handwerks am 15. September wird dabei Zeichen setzen. In einem Jahr muss die Botschaft "Das Handwerk in der Region ist modern, innovativ und attraktiv" bei den Jugendlichen verstärkt angekommen sein. Zudem haben wir seit Februar eine Vollversammlung mit vielen neuen Mitgliedern. Deshalb freue ich mich auf die Zusammenarbeit in den Gremien und die neuen Ideen - vor allem der jüngeren Handwerkerinnen und Handwerker in enger Zusammenarbeit mit den erfahrenen Ehrenamtsträgern.

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