Findelkind Florian ist kerngesund

<strong>Die Babyklappe</strong> ist für Dr. Dirk Olbertz  nicht unumstritten.<foto>georg scharnweber</foto>
Die Babyklappe ist für Dr. Dirk Olbertz nicht unumstritten.georg scharnweber

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19. Juli 2012, 08:29 Uhr

Rostock | Rechtlich gesehen ist das kleine Findelkind noch namenlos. Aber die Krankenschwestern und Ärzte auf der Neugeborenenstation des Rostocker Südstadtklinikums nennen den Jungen liebevoll Florian. Die Rettungskräfte, die das Baby in der Nacht zu gestern in das Krankenhaus brachten, haben den Säugling so getauft - nach dem Schutzpatron der Feuerwehrleute. "Dem Kind geht es gut, wir sind sehr zufrieden mit seinem Zustand", sagt Dr. Dirk Manfred Olbertz, Chefarzt der Neugeborenenintensivmedizin. "Es ist ein gesundes, reifes Neugeborenes."

3340 Gramm bringt Florian auf die Waage, er ist normal gewachsen. Auf der Frühgeborenenintensivstation wird er derzeit trotzdem überwacht. Zum einen liegt das daran, dass nichts über den Verlauf der Schwangerschaft sowie die Vorgeschichte der Mutter bekannt ist. Zum anderen muss Florian intensiv von den Krankenschwestern betreut werden, da anders als nach normalen Geburten die Mutter zur Betreuung fehlt.

Mittlerweile wurde Florian von einem Kinderarzt medizinisch untersucht. Als er in einem Hausflur in Schmarl gefunden wurde, war der Junge nur wenige Stunden alt. "Das ist eine grobe Schätzung", sagt Olbertz. Zu erkennen sei dies für die Ärzte unter anderem an Käseschmiere in den Achselhöhlen und in den äußeren Gehörgängen, am Zustand der Haut im Allgemeinen und am Grad der Nabelaustrocknung. Hinweise auf eine komplizierte Geburt habe es nicht gegeben, so der Chefarzt: "Aber die Nabelschnur war nicht fachgerecht abgetrennt." Darum liegt die Vermutung nahe, dass die Mutter ihr Kind ohne fachliche Unterstützung zur Welt gebracht hat. "Eine Hausgeburt ohne medizinische Hilfe ist nicht akzeptabel, weil sie ein zu hohes Risiko darstellt", sagt Olbertz. Gerade beim heutigen Stand der Medizin rate er jeder Frau zur Entbindung in einer Klinik. Hinzu komme, dass auch die Mutter nun eigentlich in ärztliche Behandlung müsse. Dass Florian gut versorgt, warm angezogen in einem Hausflur zurückgelassen wurde, wo er schnell gefunden wurde, ist ein Glück im Unglück. Andere Fälle gehen nicht so gut aus. Auch deshalb hat die Südstadtklinik eine von zwei Babyklappen im Land eingerichtet. "Dieser Fall zeigt jedoch, dass wir mit dieser Einrichtung nicht die Mütter erreichen, die wir damit ansprechen wollen", so Olbertz. Diese Frauen handelten im Affekt, erklärt der Mediziner, der ein Kritiker der Babyklappe ist. Meist seien die Mütter mit der Situation überfordert und nicht zu einem strukturierten Handeln fähig. Trotzdem: "So lange wir mit der Babyklappe auch nur ein Kind davor retten, zum Sterben ausgesetzt oder getötet zu werden, hat sich die Einrichtung gelohnt", betont Olbertz.

Florian bleibt vorerst in der Klinik, bis das Jugendamt eine Bereitschaftspflege organisiert hat.

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