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19. November 2017 | 08:08 Uhr

Finanzkrise: Minister lässt Uni abblitzen

vom

svz.de von
erstellt am 16.Apr.2013 | 07:24 Uhr

Rostock | An der Uni Rostock wird das Geld knapp: Schon jetzt befindet sich die Hochschule eigenen Angaben zufolge in einer massiven finanziellen Schieflage. Für die Haushaltsjahre 2014 und 2015 würden jüngsten Berechnungen zufolge jeweils Defizite in Höhe von 17 Millionen Euro entstehen. Prof. Andreas Wree, Präsident des Konzils der Uni Rostock, appelliert nun an die Politik und hat sich mit einem Schreiben an die Landesregierung gewandt. Darin fordert er eine Erhöhung des Zuschusses um mindestens 10,6 Millionen Euro. Veranschlagt sind laut vereinbartem Hochschulkorridor derzeit rund 99 Millionen Euro. Doch Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) hat das Konzil abblitzen lassen.

Aus seiner Sicht verfüge die Uni Rostock dank des 2006 eingeführten Globalhaushaltes über eine größtmögliche Planungssicherheit und Eigenständigkeit in der Bewirtschaftung der Haushaltsmittel. Dabei erhält die Uni anstelle von zweckgebundenen Mittelzuweisungen das Geld vom Land pauschal. Darum ist es möglich, dass die Uni Geld, das eigentlich für das Personal veranschlagt ist, zur Deckung der steigenden Betriebskosten einsetzt. Diese sind an der Uni Rostock von 2011 auf 2012 um 28 Prozent gestiegen. Doch langfristig Stellen zu streichen, um diese Kosten bezahlen zu können, - das will die Uni Rostock nicht mehr.

Im vergangenen Jahr seien Wree zufolge bereits 60 Planstellen nicht besetzt worden, um Geld zu sparen. "Dieses System einzuführen, war keine Forderung des Landes, sondern aus verständlichen Gründen der Hochschulen selbst, um deren Freiheitsgrade zu erhöhen", so Brodkorb in seinem Antwortschreiben an Wree, das den NNN vorliegt. Doch bei dem Geldproblem handle es sich um kein Verteilungs-, sondern um ein Strukturproblem, sagt Wree. Und dieses könne die Uni Rostock selbst nicht beeinflussen. So baue die Hochschule gemäß des Landespersonalkonzeptes zwar bereits jetzt kontinuierlich Stellen ab, doch tarifbedingte Steigerungen der Personalkosten führen am Ende zu keiner Entlastung - im Gegenteil.

Die jährliche Unterfinanzierung von 17 Millionen Euro, die das Konzil befürchtet, weist Brodkorb zurück: "Diese Zahl ist nach derzeitigem Erkenntnisstand so nicht nachvollziehbar." Kurzfristig will er der Forderung des Konzils daher nicht nachkommen, schreibt aber: "Ich nehme die Signale ernst, dass die derzeitige Finanzausstattung langfristig als nicht mehr auskömmlich angesehen wird." Brodkorb möchte nun Zahlen vorgelegt bekommen, aus denen die benannte Unterfinanzierung hervorgehen. Erst dann könne er die Situation richtig beurteilen und notfalls auch handeln.

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