zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

18. Dezember 2017 | 02:26 Uhr

Schwerin : Filmkunstfest mit Kunst versöhnt

vom

Nachdem wochenlang über die Entscheidung der Filmland-Geschäftsführung diskutiert worden war, ist im Streit um die Zukunft des Schweriner Filmkunstfestes eine Entscheidung gefallen. Stefan Fichter ist wieder der Künstlerische Leiter.

svz.de von
erstellt am 20.Jan.2012 | 07:21 Uhr

Schwerin | Die vorerst letzte Klappe im Streit um die Zukunft des Schweriner Filmkunstfestes ist gefallen. Der alte Künstlerische Leiter ist wieder der neue: Stefan Fichtner.

Nachdem wochenlang öffentlich und äußerst kontrovers über die Entscheidung der Filmland-Geschäftsführung diskutiert worden war, das beliebte und traditionsreiche Filmfestival künftig ohne künstlerische Leitung zu führen, mehrten sich in den vergangenen Tagen die Zeichen für eine Lösung des Konfliktes. Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) hatte in dieser Woche die Gespräche zwischen dem geschassten Künstlerischen Leiter Stefan Fichtner und dem Geschäftsführer der FilmLand gGmbH Torsten Jahn moderiert.

Noch bevor der Minister gestern den Ausgang dieser Gespräche bekanntgab, erreichte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) und Schwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke) ein programmatischer Brief von Kulturschaffenden mit der Überschrift "Zukunft für das Filmkunstfest". In dem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, zeigen sich prominente Regisseure und Autoren, langjährige Freunde des Festivals, ehemalige Jurymitglieder, Preisträger und Gäste "erschrocken und zutiefst" verärgert über die jüngsten Entwicklungen um das Filmkunstfest MV.

Hintergrund: Torsten Jahn, Geschäftsführer des Filmkunstfest-Ausrichters FilmLand MV gGmbH, hatte entschieden, statt einem Künstlerischen Leiter künftig eine "Programmredaktion" zu installieren und zur kaufmännischen auch die künstlerische Verantwortung selbst zu übernehmen. Das sei ein Prozess, um das Filmkunstfest zukunftsfest zu machen, erläuterte Jahn Anfang Dezember gegenüber unserer Zeitung. Und: Streit mit Stefan Fichtner habe es nicht gegeben. Fichtner selbst schwieg damals - wegen noch laufender Verhandlungen. Anfang Januar dann machte er seinem Ärger Luft: Degradieren lassen wolle er sich nicht. Schon während seiner Zeit als Künstlerischer Leiter mit vertraglich zugesicherter Gestaltungsfreiheit sei er verdeckten Attacken und intriganten Verhaltensweisen ausgesetzt gewesen. Neben den drei Hauptunterzeichnern Raik Möller, Festivalredakteur von 2002 bis 2006, Schauspielerin Katrin Sass, Ehrenpreisträgerin des Filmfestes 2011, sowie Dokfilmregisseur und Festivalgründer Dieter Schumann ("Flüstern und Schreien", "Wadans Welt") unterschrieben nun mehr als 30 weitere prominente Kulturschaffende den Brief, u. a. der Schriftsteller Christoph Hein, Prof. Dieter Wiedemann, Rektor der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam, die Regisseure und Filmfestpreisträger Franz Müller, Christian Petzold, Andreas Kleinert und Robert Thalheim, die Schauspielerin Annekathrin Bürger, der Dokfilmer Trevor Peters (Festivalleiter 1999-2002) sowie der Mitbegründer des Filmkunstfestes, der Regiseur Heinz Brinkmann, und Prof. Wolfgang Schmiedt, Musiker und Dozent der HMT Rostock.

In dem Schreiben äußern die Film- und Kulturschaffenden ihre große Sorge, dass das Filmfest nachhaltig geschädigt worden und "innerhalb der deutschen Festivallandschaft infrage" gestellt sei. Grund ihres Briefes sei ein "dringender Handlungsbedarf", um "das Filmkunstfest als bedeutendste filmkulturelle Institution in Mecklenburg-Vorpommern dauerhaft" zu erhalten.

Ein Schlüsselwort in dem Brief ist das Wort Vertrauen. "Vertrauen des Publikums in das Programm und Vertrauen von Regisseuren, Produzenten und Verleihern in das Festival und seine Macher". "Für ein Filmfestival abseits der Filmmetropolen Berlin, Hamburg, München oder Köln ist dieser Aspekt besonders wichtig, da das Filmkunstfest mit einer ganzen Reihe von anderen Festivals um attraktive Filme konkurriert. Dieses Vertrauen ist durch das Agieren der Filmland MV gGmbH massiv beschädigt. Diesen Eindruck teilen wir mit zahlreichen Kollegen aus der Branche." Auf eine künstlerische Leitung zu verzichten zeuge davon, dass die Verantwortlichen die Bedeutung eines guten Verhältnisses zu Filmschaffenden nicht kennen oder geringschätzen würden. "Zudem haben die seit Jahren durch das jeweilige Handeln der amtierenden Geschäftsführung provozierten und mit außerordentlicher Heftigkeit geführten Auseinandersetzungen das Vertrauen von Financiers und Öffentlichkeit erschüttert. Beides führt zwangsläufig zum massiven Bedeutungsverlust für das Filmkunstfest und stellt seine Existenz damit infrage."

Der Brief gipfelt in der nachdrücklichen Bitte, die Stelles einer "unabhängigen künstlerischen Leitung umgehend wieder einzurichten" sowie die aktuelle Trägerstruktur dahingehend zu überprüfen, ob sie "einer erfolgreichen Entwicklung des Filmkunstfestes förderlich" sei.

Wie der Mitautor dieses Briefes Dieter Schumann gestern gegenüber unserer Redaktion sagte, gehe es den Unterzeichnern vor allem darum, nach vorn zu schauen, um auch eine inhaltliche Neubestimmung des Filmkunstfestes MV mit auf den Weg zu bringen. Mitunterzeichner des Briefes wie Festivallegende Trevor Peters oder Jens Hagen Schwadt vom Landesverband Filmkommunikation MV seien bereit, daran persönlich mitzuwirken, etwa an einem Runden Tisch.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen