Familientreffen in Rostock

<strong>Nicht alle tragen denselben Nachnamen</strong>, aber sie sind eine Familie: Angehörige der Familien Josephy, Rösch, Widmann, Sawitz, Marcus und Willert erkunden ihre Herkunft. <foto>Maike Grunwald</foto>
Nicht alle tragen denselben Nachnamen, aber sie sind eine Familie: Angehörige der Familien Josephy, Rösch, Widmann, Sawitz, Marcus und Willert erkunden ihre Herkunft. Maike Grunwald

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23. Juli 2012, 10:37 Uhr

Bahnhofsviertel | Entstehen, Blühen, Wachsen und Vergehen: Die Familie Josephy steht mit ihrer 300-jährigen Geschichte stellvertretend für all diejenigen, denen es genauso erging. Im Max-Samuel-Haus fand gestern eine Zusammenkunft der außergewöhnlichen Art statt. Anlass war die Eröffnung der Ausstellung "Die Familie Josephy - Lebenswege einer deutsch-jüdischen Familie aus Schwaan 1714-2012". Es sind Lebenswege einer exemplarischen Familie, deren mehr als 50 Nachkommen heute auf drei unterschiedlichen Kontinenten leben. Die meisten von ihnen waren am Wochenende zum ersten Mal in Rostock, der Geburtsstadt ihres Oberhauptes Albrecht Josephy. Dafür wurde die Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur in Rostock zu ihrem gemeinsamen Mittelpunkt.

In der Ausstellung sind Fotografien, Dokumente, Archivmaterial und Erinnerungen zu sehen - Erinnerungen auch an die sieben Josephys, die Opfer des Holocaust wurden. Sowohl die Besucher als auch die Angehörigen sollen die unterschiedlichen Aspekte der Ausstellung aufnehmen und etwas über die Familiengeschichte lernen. "Und die Gegenwart ist immer, auch wenn man sich dessen nicht bewusst ist, in ein größeres Umfeld eingebettet", sagt Albrecht Josephy, der 1938 in die Schweiz fliehen konnte, in seiner Eröffnungsrede. Zum Glück, denn somit konnte bei der Ausstellungseröffnung an einen Geburtsort zurückkehren. Die jüngere Generation wächst in Kanada, Costa Rica, Israel, in der Schweiz und in den USA auf. Es geht um Leben und Erfahrung einer Familie, die kulturell, sozial und ökonomisch zur Entwicklung der Stadt Schwaan und der Demokratisierung Rostocks beigetragen hat. "Die Ausstellung macht dieses größere Umfeld deutlich", so Albrecht Josephy.

Es entsteht ein exemplarisches Gesamtbild einer deutsch-jüdischen Familie, von der heute aufgrund ihrer Geschichte kein Mitglied mehr in Deutschland lebt.

Wie die Gegenwart ist auch die Eröffnung in ein größeres Umfeld eingebettet: in musikalische Stücke von Puccini, Beethoven, als auch aus Tennesse Williams’ Oper. Enkel Pascal Josephy widmet seiner Oma Susanne, Albrecht Josephys Ehefrau, sein Klavierstück: Sie hatte gestern Geburtstag. Somit waren es zwei emotionale Momente bei einer emotionalen Ausstellungseröffnung.

Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) hat einen besonderen Bezug zu den Josephys: Ein in Israel lebender Ehrenbürger Rostocks ist ebenfalls ein Angehöriger. "Die Ausstellung ist eine einmalige Komposition und eine bewegende Familienreunion, an der wir teilhaben", so Methling in seiner Rede. Er hofft, besonders die junge Generation mit dieser Ausstellung anzusprechen und der älteren Generation Ehrung zuteil werden zu lassen. Die eindrucksvolle und unvergessliche Ausstellung über die elf Generationen ist bis zum 5. April 2013 am Schillerplatz 10 zu sehen.

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