Serie: Handwerk packt an : Familienbetrieb mit gutem Geschmack

Handarbeit mit Qualität: In der Nähwerkstatt im Obergeschoss bügelt Andrea Nettekoven ein Raffrollo auf, das später individuell eingestellt werden kann. Fotos: Katrin Zimmer
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Handarbeit mit Qualität: In der Nähwerkstatt im Obergeschoss bügelt Andrea Nettekoven ein Raffrollo auf, das später individuell eingestellt werden kann. Fotos: Katrin Zimmer

Die Raumausstatter-Meister Henrik und Anne-Kathrin Ehlert führen den Betrieb in dritter Generation. Neue Stoffe und Möbel sind im Kommen.

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12. Oktober 2018, 12:00 Uhr

Heißer Dampf zischt aus dem silbrig-glänzenden Industriebügeleisen, während irgendwo im Hintergrund stetig das Kühlwasser plätschert. Konzentriert lässt Andrea Nettekoven das heiße Eisen über den geblümten Stoff gleiten, bessert Fältchen aus und bringt Querbänder an den richtigen Stellen an, um das Raffrollo später individuell einstellen zu können. Eine ganz alltägliche Arbeit in der Werkstatt der Raumausstatter Ehlert, sagt sie, während ihr eine junge Praktikantin aufmerksam über die Schulter schaut.

Es sei schwierig, junge Leute in kleine Betriebe zu kriegen, so Senior-Chef Gerhard Ehlert. „Wir können eben nicht die Löhne zahlen wie große Firmen“, sagt er. Dabei sind sich Vater und die Geschwister Anne-Kathrin und Henrik, die jetzt das Familienunternehmen führen, einig, dass sie gern ausbilden und Jugendliche ins Handwerk bringen wollen würden. „Auch Jungs“, betont Anne-Kathrin Ehlert. „Wir wollen zeigen, dass es kein Mädchenberuf ist“, sagt sie. Doch Auszubildende beschäftigen die Ehlerts derzeit nicht. Neben den Meistern arbeiten ein Polsterer, eine Näherin und zwei Raumausstatter in dem Betrieb, den Vater Gerhard 1981 eröffnet hat. Das Handwerk liegt den Ehlerts im Blut, auch sein Vater sei Sattler gewesen, so der Senior-Chef.

Unzählige Stoffbahnen, Garnrollen und Werkzeuge

Während in den Werkstätten im Obergeschoss des Firmensitzes in Evershagen unzählige Stoffbahnen, Garnrollen, Werkzeuge und große Maschinen das Bild bestimmen, wird auch im Geschäft im Erdgeschoss, dem Showroom, sofort klar, dass sich bei den Ehlerts alles um Vorhänge, Fußböden und Möbel dreht. Statt kühlen Fliesen oder Laminat liegen hochwertige Teppiche auf den Böden. Stoffmuster zieren die Regale und an den Tischen stehen statt uniformierter Stühle handgefertige Einzelexemplare, die die Arbeit der Raumausstatter widerspiegeln.

Möbel neu bepolstern, Gardinen nähen, Fußböden austauschen – zu ihren Kunden gehören viele Privatleute, erklärt Anne-Kathrin Ehlert, aber auch namhafte Hotels in ganz MV, wie das Neptun oder die Yachthafenresidenz. „Große Hotels setzen auf echtes Handwerk – die Qualität ist ja auch eine andere. Sie hält einfach länger“, sagt sie. Häufig würden die aber nicht nur einzelne Möbelstücke bestellen oder aufbessern lassen, sondern in Zusammenarbeit mit Innenarchitekten ganze Raumkonzepte fordern, erklärt Raumausstatter-Meister Henrik Ehlert. Er ergänzt: „80 Prozent der Arbeit in Hotels ist Facelifting“, also keine Rundumerneuerung, sondern punktuelle Ausbesserungen. Besonders wichtig sei es gerade in den letzten Jahren, die veränderten Brandschutzbestimmungen einzuhalten. „Die muss man bei der Stoffauswahl beachten“, sagt er. Es gehe nichts, was leicht Feuer fangen könne.

Ihre Stoffe beziehen die Ehlerts aus ganz Europa, viele aus Italien, Spanien oder dem Vereinigten Königreich. „Was dann ausgewählt wird, entscheidet natürlich der Kunde“, so Henrik Ehlert. Häufig sei es eine Kostenfrage. Allerdings sei in den letzten Jahren deutlich zu erkennen, dass der Stoffmarkt sich verändere, Fair Trade eine größere Rolle spiele, als je zuvor.

„Es ist ein sehr vielfältiger Beruf“, sagt Anne-Kathrin Ehlert. Bruder Henrik ergänzt: „Wir müssen neue Trends aufnehmen und uns immer weiterentwickeln.“ Das zeige sich unter anderem bei Auftritten auf Messen wie demnächst bei der Gastro im November. Derzeit groß im Kommen seien so genannte Mobile Offices, kleine schallgeschützte Büroabteile, die in größeren Räumen auf- und abgebaut werden können, erklärt der Meister. „Ein ganz wichtiger Faktor ist Ruhe. Die zu schaffen, gehört auch zu unseren Aufgaben“, sagt er. Gerade in der heutigen Zeit, in der jeder immer erreichbar sein muss, sei es ihm ein Anliegen, durch die passende Einrichtung Ruhe-Oasen zu schaffen. „Apropos, da muss ich rangehen“, sagt Henrik Ehlert, als ein Kunde anruft.

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