Vom Abriss bedroht : Familie Gebert bangt um ihren Garten

Gemütliche Atmosphäre: Für  Ursula und Hans-Joachim Gebert ist ihr Garten ein zweites Zuhause geworden.
Gemütliche Atmosphäre: Für Ursula und Hans-Joachim Gebert ist ihr Garten ein zweites Zuhause geworden.

Am Gehlsdorfer Ufer soll das neue Wohngebiet „Obere Warnowkante“ – dann müssten aber 13 von 36 Parzellen weichen.

von
15. Juli 2014, 12:00 Uhr

Ursula und Hans-Joachim Gebert haben Angst. Angst, dass ihr geliebter Garten in der Nähe des Gehlsdorfer Ufers dem Erdboden gleich gemacht wird. Die Hansestadt Rostock plant ein neues Wohngebiet auf dem Gelände der ehemaligen Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) Waterkant. 160 bis 180 Wohneinheiten sollen entstehen – und zwar genau dort, wo Familie Gebert vor rund 70 Jahren ihren Garten angelegt hat. „Damals war das alles Wiese“, erinnert sich Hans-Joachim Gebert.


Pachtverträge können gekündigt werden


Nach dem Zweiten Weltkrieg haben seine Eltern das Grundstück in einen Garten verwandelt. Auf mehr als 600 Quadratmetern ist eine kleine Sommerresidenz entstanden. „An diesen Garten hängen viele schöne Erinnerungen“, so Gebert. „Wir haben ganze Sommer hier verbracht“, ergänzt seine Frau. Die Geberts haben 1952 geheiratet. 1985 haben sie den Garten von Hans-Joachims Eltern übernommen. Wenn das Wetter stimmt, fährt das Ehepaar schon morgens mit dem Fahrrad zur Anlage, um nach dem Rechten zu sehen. Dass ihr Garten für neue Wohnungen weichen soll, können die Geberts nicht verstehen. „In Gehlsdorf gibt es kaum noch Grün. Warum müssen die Gärten weggenommen werden?“, fragt sich Ursula Gebert. Neben ihrem Garten sind noch zwölf weitere Parzellen der Kleingartenanlage (KGA) „Hufe V“ vom Abriss bedroht. „Die Grundstücke gehören der Stadt. Wir haben alle Pachtverträge, die einfach gekündigt werden können“, sagt Rüdiger Schoknecht, Vereinsvorstand der KGA. Dabei hätte Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) bereits 2009 versprochen, dass er sich für den Erhalt der Gärten einsetzen würde. „Das war, als die Wohnbebauung erstmals bei uns im Ortsbeirat diskutiert wurde“, so Schoknecht.

Selber wisse OB Methling nichts von diesen Versprechungen. Immerhin sei der Kleingartenverein „Hufe V“ schon seit Langem darüber informiert gewesen, dass sich einige Parzellen im Geltungsbereich des Bebauungsplanes für das Wohngebiet „Obere Warnowkante“ befinden. „Dies entspricht dem Flächennutzungsplan und damit auch der mit dem Verband der Gartenfreunde abgestimmten Umnutzungskonzeption zur Inanspruchnahme von Kleingärten“, erklärt Stadtsprecher Ulrich Kunze. Der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan wurde am 7. Dezember 2012 in der Bürgerschaft gefasst. Vorher wurde das Projekt am 22. November 2011 im zuständigen Ortsbeirat diskutiert. „Bereits im Jahr 2006 hat sich die Stadt innerhalb des Flächennutzungsplanes verbindlich zur Zukunft von 13 der insgesamt 36 Gärten der Anlage geäußert“, sagt Kunze.


Investor soll Schätzsummen zahlen


Dass die Geberts bis 2016 von dem Einbau neuer Kläranlagen befreit wurden, spreche für den Abriss ihres Gartens. Doch einfach so gehen, wollen sie und die anderen Kleingärtner nicht. „Der Investor muss uns erstmal die Schätzsumme für unsere Gärten zahlen“, fordert Rüdiger Schoknecht. Und so lange die betroffenen Gartenbesitzer keinen offiziellen Bescheid bekämen, dass sie gehen müssen, werde das auch nicht passieren.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen