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Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. September 2017 | 11:16 Uhr

Prozess : Falscher Künstler: zeigt keine Reue

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Gutachter: Risiko der Wiederholung sehr hoch

svz.de von
erstellt am 02.Mai.2014 | 21:45 Uhr

Bevor gestern der psychiatrische Sachverständige in dem Strafverfahren gegen Michael W. (44) wegen sexueller Nötigung einer jungen Frau aus Kühlungsborn sein Gutachten abgeben konnte, versuchte der Angeklagte in einer 22-seitigen Erklärung, das Ruder rumzureißen.

Der bereits dreimal wegen Vergewaltigung Verurteilte, der dafür insgesamt 13 Jahre hinter Gittern saß und dem jetzt die Sicherungsverwahrung droht, gab an, dass er nicht gewusst habe, dass das Fesseln von jungen Frauen und anschließendes mehrfaches Vergewaltigen Gewaltverbrechen sind. Er warf dem Gericht und der Polizei vor, Beweismittel manipuliert zu haben. Den Zeugen sprach er die Glaubwürdigkeit ab. In der gesamten Erklärung fand sich kein Wort der Reue.

Dem psychiatrischen Sachverständigen Dr. Peter Keiper oblag es gestern, den Angeklagten wieder auf den Boden der Realität zurückzuholen. Fünf psychiatrische Gutachten mit mehr als 400 Seiten gäbe es über Michael W. Unabhängig voneinander seien alle Sachverständigen zu ähnlichen Aussagen gekommen. Der 44-Jährige würde über außerordentliche manipulative Fähigkeiten verfügen.

Dadurch sei es ihm immer wieder gelungen, sehr junge Frauen, die sich in einer Ausnahmesituation befanden, dazu zu bringen, ihm zu vertrauen, in ihm eine Vatergestalt zu sehen. In allen Fällen sei er bisher in gleicher Manier vorgegangen. Immer, wenn die Frauen sich von ihm lösen wollten, suchte er einen Moment, sie an Hand und Fuß zu fesseln und zu vergewaltigen. Das war so bei einer 18-Jährigen in Tschechien, die er ans Lenkrad fesselte und dann missbrauchte, bei einer 15-jährigen Schülerin aus Güstrow, die er fünf Tage in seiner Wohnung festhielt und mehrmals vergewaltigte, und ebenso bei einer hochschwangeren Frau, über deren Flehen, es nicht zu tun, er sich gnadenlos hinwegsetzte. Jedes Mal hätte es sich um die Befriedigung von Rachegefühlen gehandelt.

„Der Angeklagte ist ein Wiederholungstäter“, sagte der Gutachter. „Er gehört zu den Psychopathen, die für Therapien kaum erreichbar sind. Das Risiko der Wiederholung ist sehr hoch.“ Bis heute würde sich der Angeklagte als Opfer sehen. Für den Sachverständigen sind alle Voraussetzungen für die Unterbringung des Angeklagten in der Sicherungsverwahrung gegeben.

Im aktuellen Strafverfahren wird Michael W. vorgeworfen, sich an junge Frauen mit dem Angebot herangemacht zu haben, gegen Geld Ganzkörpergipsabdrücke von ihnen anzufertigen, in Wirklichkeit aber, um sich an ihnen sexuell zu vergehen. Am 6. Mai werden die Plädoyers erwartet.

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