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Ehrendoktor Snowden : Fakultät sagt ja, doch der Rektor hat Zweifel

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Der Fakultätsrat hat entschieden: Der NSA-Enthüller Edward Snowden soll Ehrendoktor der Philosophischen Fakultät der Universität Rostock werden.

Der Fakultätsrat hat entschieden: NSA-Enthüller Edward Snowden soll Ehrendoktor der Philosophischen Fakultät der Universität Rostock werden. Mit 20 Ja- und einer Nein-Stimme sowie einer Enthaltung wurde das gestern entschieden. Dem voran gingen sechs Monate Vorarbeit – der Antrag, Gutachten hochkarätiger Wissenschaftler wie Ulrich Beck und die Prüfung durch die Ehrenpromotionskommission. Uni-Rektor Prof. Wolfgang Schareck hat nach wie vor Bedenken. Möglicherweise müsse er das Verfahren anhalten, sagte er gestern.

Den Antrag zur Verleihung der Ehrendoktorwürde an Snowden hatten der Dekan der Philosophischen Fakultät Prof. Hans-Jürgen von Wensierski, die Nordamerika-Wissenschaftlerin Prof. Gesa Mackenthun und Medienwissenschaftlerin Prof. Elisabeth Prommer gestellt. Das gute Ergebnis bei der Ratssitzung überraschte auch Wensierski. 17 Stimmen wären notwendig gewesen. „Und im Vorfeld gab es Kontroversen.“ Paragraf 14 der Promotionsordnung sieht vor, dass für die Verleihung der Ehrendoktorwürde hervorragende wissenschaftliche Leistungen vorliegen. Das wurde hinterfragt. Wensierski argumentiert, dass Snowden zwar auf den ersten Blick nicht als klassischer Wissenschaftler zu erkennen sei. Aber in dem Fall sei auch ein anderer Wissenschaftsbegriff anzulegen, schließlich verleihe eine geisteswissenschaftliche Fakultät den Titel. Snowden sei ein Aufklärer, der einen sozialen Wandel mit angestoßen habe. Den Fakultätsrat überzeugten die Argumente und die vier formalen Gutachten sowie drei Analysen hochkarätiger Wissenschaftler wie Noam Chomsky. Auch die Studenten hatten sich in einer Umfrage mehrheitlich für die Ehrung ausgesprochen. Die Verleihung sei auch für sie ein wichtiges Symbol, sich der Massenüberwachung nicht zu beugen, sagte Mackenthun.

Zu Snowden selbst haben die Initiatoren über Mittler Kontakt aufgenommen. Er ließ über seinen Berliner Anwalt Wolfgang Kaleck mitteilen, dass er sich sehr geehrt fühle und bereit sei, den Titel anzunehmen. Die Doktorwürde sei ein Mosaikstück dazu, dass Snowden in wachsender Sicherheit leben könne, sagte Mackenthun. Die Akte geht nun der Zentralverwaltung und dem akademischen Senat zu. Der Uni-Rektor prüft die Verfahrensrechtlichkeit. Er hat Zweifel – gerade hinsichtlich der wissenschaftlichen Leistungen Snowdens. Eine Entscheidung dieser politischen Dimension könne nicht der Fakultät allein überlassen werden.

 

 

 

 

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