Fähre Gehlsdorf vor dem Aus

<strong>'Die Fähre</strong> ist ein Stück Tradition auf der Warnow', sagt Bootsmann Bernd Heiduczek. <foto>Cmil</foto>
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"Die Fähre ist ein Stück Tradition auf der Warnow", sagt Bootsmann Bernd Heiduczek. Cmil

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25. Januar 2013, 07:00 Uhr

Rostock | Die Hansestadt muss sparen - und will deshalb die Zuschüsse für die Betreiber der Gehlsdorf-Fähre ab 2015 auf null setzen. "Das würde das Aus für den Fährbetrieb Gehlsdorf-Kabutzenhof bedeuten", sagt Kurt Massenthe (Für Rostock). Der Vorsitzende des Ortsbeirats Gehlsdorf fordert deshalb eine Änderung im Haushaltssicherungskonzept, das in seiner aktuellen Fassung die drastischen Kürzungen vorsieht. Der Ortsbeirat will den städtischen Zuschuss bis 2018 bei rund 74 000 Euro erhalten. "Öffentlicher Nahverkehr einschließlich des innerstädtischen Fährbetriebs kann sich nicht allein aus den Ticketpreisen finanzieren und ist immer auf Zuschüsse angewiesen", so Massenthe. Im Moment liegen diese bei jährlich 79 000 Euro.

Auch für die Mitarbeiter der Betreiberfirma Antaris kommen die Sparpläne überraschend. "Wenn die Fähre eingestellt wird, werden wir hier alle arbeitslos", sagt Bootsmann Bernd Heiduczek. Er fragt: "Warum will man bei uns kürzen und dem FC Hansa erlässt man Steuern?"

Angesichts der angespannten Haushaltslage sieht die Stadtverwaltung zurzeit jedoch nur noch Einsparpotenzial bei den freiwilligen Leistungen - und dazu gehört der Zuschuss für die Fähre. Das Rathaus begründet seinen Sparvorschlag auch damit, dass der Fährbetreiber, die Antaris Seetouristik Wassersport GmbH, für die Zeit ab 2015 noch keine städtischen Mittel beantragt habe. Nach Angaben von Anke Krocker, Prokuristin bei Antaris, sei das zu diesem frühen Zeitpunkt auch unüblich. "Die aktuelle Konzession läuft bis Februar 2015. Wir beantragen sie erst im nächsten Jahr neu", so Krocker.

Antaris betreibt die Fährverbindung seit 1994. Laut Krocker nutzen jährlich zwischen 100 000 und 120 000 Fahrgäste die Strecke. Der Ortsbeirat weist darauf hin, dass darunter viele schwerbehinderte Bewohner des Michaelshofes seien, für die die Fähre eine unverzichtbare Verbindung zur Innenstadt darstellt. Unter den Fahrgästen sind auch viele junge Leute und Studenten, ergänzt Bootsmann Heiduczek.

Die Kürzungen der Mittel für die Fähre sind nicht die einzigen geplanten Einschnitte im öffentlichen Nahverkehr. Wie in dem aktuellen Haushaltssicherungskonzept festgehalten ist, soll auch der Ausstieg der Hansestadt aus dem Verkehrsverbund Warnow (VVW) geprüft werden. Das könnte ein Ende des einheitlichen Tarifs der neun Mitgliedsunternehmen bedeuten und die Fahrscheine teuer machen. "Das würde zu erheblichen Fahrgast- und Einnahmeverlusten bei den Verkehrsunternehmen führen, die dadurch das Angebot reduzieren müssten", sagt VVW-Geschäftsführer Günter Gladisch. Auch Rostocks Bau- und Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne) hält diesen Vorschlag für nicht durchdacht. Er rechnet vor: "Wir geben als Stadt zwei Millionen rein und kriegen 3,5 Millionen für die Rostocker Straßenbahn AG raus."

Inzwischen haben die Fraktionen eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich mit allen Sparvorschlägen der Verwaltung noch einmal intensiv auseinandersetzen will.

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