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Norddeutsche Neueste Nachrichten

14. Dezember 2017 | 17:41 Uhr

Fähre „Finnmaid“ wird zum Forschungsschiff

vom

svz.de von
erstellt am 10.Sep.2013 | 09:33 Uhr

Warnemünde | Warnemünde Zwischen Rostock und Helsinki verkehrt mehrmals die Woche eine Fähre. Doch sie wird nicht nur von Reisenden genutzt. In einem kleinen Kämmerlein unter Deck fährt auch die Wissenschaft mit. Denn an Bord befindet sich eine weltweit einzigartige Messanlage, mit der ermittelt werden soll, wie viel Methan wo im Oberflächenwasser der Ostsee austritt. Gebaut wurde die Anlage von Dr. Wanda Gülzow. Im Zuge ihrer Promotion am Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde (IOW) hat sie somit für internationale Beachtung in der Wissenschaftswelt gesorgt.

Geeignete Messtechniken fehlten bislang. „Für Kohlenstoffdioxid gibt es schon ein gigantisches, die Weltmeere umspannendes Datennetz“, erklärt Gülzow. Und genauso wie bei diesem Treibhausgas soll auch für Methan erforscht werden, welchen Einfluss es auf das Klima hat. „Dass Methan überhaupt an die Oberfläche gelangt, ist ein ganz natürlicher Vorgang“, so Gülzow weiter. Und erst, wenn man diese natürlichen Prozesse versteht, kann man erkennen, welche nicht natürlich sind, und so Einfluss auf das Klima haben können.

Doch warum hat sie ihre Apparatur auf einer Fähre installiert? Die Antwort liegt auf der Hand: „Forschungsschiffe sind teuer und müssen lange vorher beantragt werden“, so die Wissenschaftlerin. Die Fähren hingegen würden ohnehin täglich weite Strecken über die Ostsee fahren. Eine Zusammenarbeit zwischen IOW und der Reederei Finnlines lag also nahe. Die Messanlage hat Gülzow auf der „Finnmaid“ eingebaut. Das Gute daran sei, dass sie auch mal nach Lübeck oder St. Petersburg fährt und so noch mehr Daten erfassen kann. Etwa einmal im Monat, wenn die Fähre in Rostock oder Lübeck im Hafen liegt, geht die Forscherin an Bord und wartet ihre Messinstrumente. Ein zweiter mobiler Prototyp war zwar gerade auf einem Forschungsschiff vor der Küste Namibias unterwegs, doch sorgten die Fähren auf der Ostsee für einen kontinuierlicheren Datenfluss. Herausgefunden hat sie bisher, dass vor allem vor den schwedischen Inseln Gotland und Öland erhöhte Methanwerte gemessen wurden, aber auch vor der Küste Warnemündes.

„Das ist natürlich nicht gefährlich“, so Gülzow. Doch sie wolle ja auch auf lange Sicht herausfinden, was Methan als Treibhausgas überhaupt macht, welchen Einfluss vom Menschen ausgelöste Ereignisse, wie zum Beispiel Ölaustritte aus Schiffen, auf den Methangehalt im Wasser haben können. Die Daten, die auf der „Finnmaid“ gesammelt werden, wertet die Wissenschaftlerin in ihrem Büro im IOW aus. Von dort hat sie jederzeit Zugriff auf die Messanlage und kann sofort sehen, was aufgezeichnet wurde. Das Projekt soll noch mindestens 30 Jahre laufen, um einen zuverlässigen Überblick über den Methanaustritt zu bekommen. Zudem hat Gülzow eine Vision: „Wir wollen das Projekt nicht nur ausbauen, sondern es vielleicht auch für die Passagiere als Attraktion an Bord interessant machen.“ Schließlich fahren sie gemeinsam mit der Wissenschaft über die See.

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