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Erstes Fährschiff für Scandlines verlässt Stralsunder Schiffbauhalle : Fähre "Berlin" an der Startrampe

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Die ab dem Frühjahr 2012 auf der Route Rostock-Gedser verkehrende "Berlin" wurde beim Roll-out zum Schiffslift der Werft bugsiert, mit dem das 169 Meter lange Schiff heute zu Wasser gelassen wird.

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erstellt am 01.Dez.2011 | 08:25 Uhr

Rostock/Stralsund | Von heftigen Spekulationen über einen teilweisen Verkauf des Scandlines-Fährgeschäfts begleitet, hat gestern Abend auf der zu den P+S-Werften gehörenden Stralsunder Volkswerft der erste Neubau eines Fährschiffs für die deutsch-dänische Reederei die Schiffbauhalle verlassen. Die ab dem Frühjahr 2012 auf der Route Rostock-Gedser verkehrende "Berlin" wurde beim Roll-out zum Schiffslift der Werft bugsiert, mit dem das 169 Meter lange Schiff heute zu Wasser gelassen wird. Eine typgleiche zweite Fähre namens "Copenhagen" ist derzeit ebenfalls auf der Volkswerft im Bau.

Im Vorfeld des ersten Roll-outs war durchgesickert, dass die Scandlines-Eigner beabsichtigen würden, große Teile des Fährgeschäfts zu veräußern. Bis auf die beiden deutsch-dänischen Verbindungen Puttgarden-Rödby sowie Rostock-Gedser stünden alle anderen Linien nach Schweden, Finnland und ins Baltikum auf der Verkaufsliste. Scandlines wollte dies weder kommentieren noch dementieren.

Aktuelle Eigner des zu den größten Fährreedereien in Europa zählenden Schifffahrtsunternehmens sind die Finanzinvestoren Allianz Capital Partners und die britische 3i Group, die je 50 Prozent der Anteile halten. Scandlines beschäftigt rund 2200 Mitarbeiter. Im Jahr 2010 wurden auf den verschiedenen Destinationen insgesamt 12,4 Millionen Passagiere, 2,8 Millionen Pkw und 800 000 Lkw und Trailer befördert. Trotz der führenden Marktposition vor allem in der südlichen Ostsee gelang es der 1998 gegründeten Reederei bis heute nicht, in ruhiges Fahrwasser zu gelangen. Nach ewigem Gezerre war das Unternehmen 2007 von den Gesellschaftern, der Deutschen Bahn AG und dem dänischen Transportministerium, verkauft worden. Die 50:50-Besitzverteilung hatte die strategische Entwicklung von Scandlines gelähmt. Für 1,56 Milliarden Euro ging die Reederei vor vier Jahren zunächst an ein Investoren-Dreigestirn von Allianz Capital Partners (40 Prozent Anteile), 3i Group (40) und Deutsche Seereederei Rostock (20).

Der von Brachenexperten als zu hoch eingestufte Verkaufspreis - auf den bevorstehenden Börsengang der Bahn zurückzuführen - war von Anfang an ein schwerer Klotz. Denn eine schnelle Refinanzierung im krisenanfälligen Fährgeschäft war angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 nicht zu bewerkstelligen.

Eine Einsicht, die die Deutsche Seereederei im Herbst 2010 bewogen haben mag, ihren 20-Prozent-Anteil an die beiden anderen Scandlines-Eigner zu verkaufen. Sie veräußerten Geschäftsanteile unter anderem an den dänischen Mols-Linien und leiteten den Abbau von bis zu 400 Stellen wurde ein. Für die Finanzinvestoren ist der Reederei-Kauf ein Deal wie jeder andere gewesen. Ziel ist es, das eingesetzte Kapital kurzfristig zu mehren. Kommt es zum Verkauf, werden viele Scandlines-Beschäftigte bald einen neuen Arbeitgeber haben, werden die neuen Fährschiffe "Berlin" und "Copenhagen" wie avisiert ab Frühjahr 2012 zwischen Rostock und Gedser pendeln und wird die bisher zu den größten Fährreedereien Europas gehörende Scandlines GmbH zu einer lokalen Größe im Ostsee-Fährschiffmarkt schrumpfen.

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