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umstrittenes bauprojekt : Fährbecken wird zugeschüttet

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Sanierung in Warnemünde startet / Gegner erstatten Anzeige beim städtischen Bauamt

svz.de von
erstellt am 06.Jan.2014 | 19:10 Uhr

In wenigen Tagen starten die Arbeiten zum Verfüllen des Fährbeckens an der Mittelmole. Ende der Woche kommen die Maschinen. „Die Ostmole der alten Warnemünder Fährbecken ist nicht mehr standsicher und einsturzgefährdet“, begründet Wiro-Sprecher Michael Ahrens. Deshalb musste das Gelände bereits im vergangenen Jahr gesperrt werden. Da akuter Handlungsbedarf besteht, ist die Wiro als Eigentümer verpflichtet, die Stabilität der Fläche wiederherzustellen. Dazu gehört das Verfüllen der Fährbecken.

Das Vorhaben stößt nicht nur auf Befürworter. Denn die Anlagen des Fähranlegers bilden die Reste der ersten paneuropäischen Eisenbahnverbindung zwischen Berlin und Kopenhagen, die zwar nicht unter Denkmalschutz stehen, aber in den Augen vieler dessen würdig wären. Und es gibt auch Misstrauen gegenüber dem Vorhaben.

Beim städtischen Bauamt ist zum Jahresende eine Anzeige eingegangen. Helge Bothur aus dem Bauausschuss hat sich an Bauamtsleiterin Ines Gründel gewandt, weil in seinen Augen „das Verfüllen des Fährbeckens zum Zwecke der Herstellung tragfähigen Baugrundes der Schaffung entsprechenden Satzungsrechtes und damit der Begründung entsprechenden Baurechts in unzulässiger Weise vorgreift“. So die Kritik von Helge Bothur, der selbst in der Branche arbeitet und jetzt Einsicht in die Unterlagen gefordert hat. Angeblich sind diese Maßnahmen nach Fotos von Tauchern beschlossen worden. Der einzige Statiker in der Hansestadt, der selbst auch taucht, ist damit nicht betraut worden.

Wiro-Sprecher Michael Ahrens weist den Vorwurf zurück. „Die Maßnahmen – Vorbereitung, Spundwand und Verfüllung – hängen technisch und statisch eng zusammen und werden in den nächsten Monaten Schritt für Schritt umgesetzt“, sagt der Sprecher und ergänzt: „Sie sind kein Vorgriff auf den B-Plan und dienen nicht der Herstellung von Baugrund.“ Stadtsprecher Ulrich Kunze betont: „Auch wenn keine konkreten Informationen aus dem Amt vorliegen – grundsätzlich können Vorarbeiten auch vor der Rechtskraft eines Bebauungsplanes zulässig sein, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Dies setzt aber eine vorherige Einzelfallprüfung voraus.“

Die Mittelmole steht auch im Fokus in einem anderen Zusammenhang: 260 Einwohner von Warnemünde, Hohe Düne und Diedrichshagen haben sich gegen eine Hochbebauung als Landmarke auf der Mittelmole ausgeprochen. Diese Unterschriften-Listen sind im Ortsbeirat überreicht worden. „Warnemünde punktet mit dem Charme der kleinen Häuser im Bereich vom Alten Strom, die den Charakter des Fischerdorfes unterstreichen“, heißt es in der Begründung. „Eine Hochbebauung auf der Mittelmole – auch wenn sie als Landmarke dienen soll – zerstört genau diesen Charme“, argumentieren die Gegner weiter. Sie fordern von den Mitgliedern des Ortsbeirates, diesen Plänen nicht zuzustimmen.

Die Unterschriftensammlung ist dem Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Wirtschaft übergeben worden, bestätigt Stadtsprecher Ulrich Kunze und betont: „Die Bedenken werden im B-Plan-Verfahren behandelt und in die Abwägung mit einbezogen.“ Die abschließende Entscheidung über eine Landmarke und ihre Dimension trifft die Bürgerschaft innerhalb des Satzungsbeschlusses. Im ersten Halbjahr 2014 wird in der Öffentlichkeit die Diskussion über die Bebauung der Mittelmole und damit auch über die Landmarke fortgesetzt. In diesem Punkt gibt es auch Pläne von Architekt Enno Zeug, eine Art Warnemünder Strudel auf dem Werftgelände zu bauen. Er wäre etwa 90 Meter hoch. „Das halten wir für die bessere Alternative, weil er an den Standort mehr passt als eine Hochbebauung auf der Mittelmole“, sagt Jürgen Brandt.

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