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Norddeutsche Neueste Nachrichten

18. Dezember 2017 | 19:37 Uhr

Forschung : Expedition auf Spitzbergen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Erstmalig wird der Einfluss des Klimawandels auf die Biologische Bodenkruste in der Arktis untersucht

Die Rostocker Biologen Nadine Borchhardt und Prof. Ulf Karsten vom Lehrstuhl Angewandte Ökologie und Phykologie sind am Sonntag in die Arktis aufgebrochen, um dort für zwei Wochen Biologische Bodenkrusten zu erforschen. Unterstützung erhalten sie von ihrem Projektpartner, der Arbeitsgruppe Pflanzenökologie und Systematik der Universität Kaiserslautern. Das gemeinsame Projekt über die Biodiversität, die ökologische Bedeutung und Leistungsfähigkeit von Biologischen Bodenkrusten der Polargebiete wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit rund einer halben Million Euro für drei Jahre gefördert. Insbesondere der wissenschaftliche Nachwuchs profitiert von der Förderung in Form von Promotionsstellen.

Biologische Bodenkrusten bestehen aus verschiedenen Organismen und deren Exkretionsprodukten – diese bilden eine meist nur millimeterdünne Vegetationsform. Als so genannte Haut der Erde hat diese Vegetationsschicht vielfältige, ökologisch wichtige Funktionen. Dazu zählen die Primärproduktion, die Stickstoff-Fixierung und Mineralisation, das Wasserhaltevermögen und die Stabilisierung von Böden. Diese Pionier-Gemeinschaften werden meist durch Bakterien, Algen, Pilze, Flechten und Moose dominiert.

Jedoch wurden Biologische Bodenkrusten bisher nur in ariden, also trockenen, und semiariden, also halbtrockenen, Lebensräumen erforscht, während aus den Polargebieten kaum Daten vorliegen. Das wichtigste Ziel in diesem interdisziplinären Projekt ist nun also erstmalig die Untersuchung der Biodiversität sowie der Ökophysiologie der häufigsten Grünalgen und Bakterien, Cyanobakterien Taxa, in der Arktis. Denn Temperatur und Wasserverfügbarkeit stellen zwei Schlüsselfaktoren für terrestrische Organismen dar und verändern sich gegenwärtig in den Polarregionen aufgrund des Klimawandels. Deshalb wird ihr Einfluss auf Wachstum und Fotosynthese vergleichend untersucht.

Die Daten werden zeigen, ob und wie der Klimawandel in der Arktis die Struktur und Leistungsfähigkeit von Schlüsselorganismen Biologischer Bodenkrusten beeinflusst. Weiterhin sollen erste Prognosen über die zukünftige Bedeutung der ökologischen Funktionen dieser Pioniergemeinschaften erstellt werden. Die aktuellen Felduntersuchungen werden an unterschiedlichen Standorten in der arktischen Tundra um die Forschungsstation Ny-Alesund am Kongsfjorden auf West-Spitzbergen sowie um den Hauptort Longyearbyen durchgeführt. In Ny-Alesund konnten bereits große Flächen mit Biologischen Bodenkrusten nachgewiesen werden. Neben adäquater Ausrüstung müssen stets Gewehre mitgeführt werden, um im Notfall Eisbären abzuwehren. Dafür war zur Expeditionsvorbereitung eine Schießausbildung zwingend notwendig.

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